Agent, Clown und ein kleiner Rosenheimer

von Redaktion

INTERVIEW Der neue Starbulls-Verteidiger Erik Ullman offenbart einige Facetten und ein privates Geheimnis

Rosenheim – Per Lundell, Mikael Enander, Hans Abrahamsson, Christian Due-Boje, Robin Weihager und Marcus Götz – und jetzt also Erik Ullman. Der 29-Jährige ist der siebte in Schweden geborene Verteidiger, der in den letzten 50 Jahren ins Trikot einer Rosenheimer Eishockey-Profimannschaft geschlüpft ist. Ullman war aus der ersten slowakischen Liga nach Rosenheim gewechselt, zuvor spielte er für eine Saison in der Schweiz und hauptsächlich in der Allsvenskan, der zweiten Liga seines Heimatlandes. Die OVB-Sportredaktion hat ihn zum Interview getroffen und einige spezielle Dinge erfahren.

Kennen Sie Robin Weihager?

Nein.

Er war 2013/14 der letzte schwedische Kontingent-Verteidiger hier. Er hat zwar nur eine Saison für Rosenheim gespielt, ist da aber Spieler des Jahres in der DEL2 geworden!

Ja? Das wäre fantastisch, aber bitte keine zu großen Erwartungen, kein Druck.

Es wäre doch ein guter Start, wenn Sie in seine Fußstapfen treten könnten!

Ja, absolut. Aber das Wichtigste für mich ist, dass wir hier ein gutes Team haben und eine Mission verfolgen. Natürlich möchte man selbst eine erfolgreiche Saison haben, aber man möchte doch lieber, dass das Team ein gutes Jahr hat und man dazu beitragen kann. Unser Ziel ist es, das letzte Spiel zu gewinnen.

Das ist die Mission?

Ja.

Was sind denn Ihre ersten Eindrücke vom Team und von der DEL2?

Das Team ist großartig. Die Organisation scheint wirklich nett zu sein. Das Trainerteam, die Spieler, die Zeugwarte, alle waren großartig. Die Jungs und Mädels im Büro waren auch toll, es gibt also nichts zu beanstanden. Ich würde sagen, die DEL2 ist eine gute Liga. Sie ist vielleicht ein bisschen systemorientierter, als ich dachte, aber ich komme aus dem schwedischen Eishockey, also bin ich an Systeme gewöhnt.

Sie haben in der zweiten Liga in Schweden und in der zweiten Liga in der Schweiz gespielt. Können Sie schon Vergleiche ziehen?

Ich würde sagen, diese Liga ist eher mit der Swiss B vergleichbar. Die Allsvenskan ist eine wirklich wettbewerbsfähige Liga und es gibt wahrscheinlich zehn, zwölf Teams, die wirklich gut und vergleichbar sind. Jedes Team in der Allsvenskan versucht, die SHL zu erreichen. Was ich hier gehört habe, sind es vielleicht sechs Teams, die das wirklich anstreben. In der Swiss B hat man sechs Teams mit einem wirklich hohen Budget und guten Spielern. Aber ich würde sagen, die DEL2 ist technisch versierter als die Swiss B.

Wie würden Sie Ihren Spielstil beschreiben?

Ich würde mich als einen puck-transportierenden Verteidiger bezeichnen. Ich möchte nicht in der Verteidigungszone sein, ich möchte den Puck dort raus und in die Offensivzone bringen. Ich habe einen guten ersten Pass, kann okay Schlittschuh laufen und einen guten Schuss abgeben. Ich bin ein Zwei-Wege-Verteidiger, der eher zur Offensive neigt.

Jari Pasanen sagte, dass Sie im Offensivspiel ein wichtiger Teil sein können. Haben Sie Vorstellungen, wie viele Tore oder Scorerpunkte es am Ende sein sollen?

Für mich geht es eher darum, meine Teamkollegen besser zu machen. Wenn ich für sie schöne Tore vorbereiten kann, dann mache ich das gerne. Meine Hauptaufgabe ist es, den Puck von unserem Netz fernzuhalten und unseren Stürmern zu helfen, gute Torchancen zu kreieren. Und wenn ich ihnen gute Pässe geben kann oder Schüsse von der blauen Linie, die sie abfälschen können, dann ist das mein Ziel.

Ihr neuer Trainer hat Sie im April in der Slowakei spielen sehen. Wie war der erste Kontakt mit ihm?

Er fragte, ob er nach Trencin kommen und sich einige Spiele ansehen könne. Seine ersten Worte waren: „Wir wollen gewinnen.“ Ich habe in den letzten Saisons in ein paar Teams gespielt, die darum gekämpft haben, in der Liga zu bleiben. Als er also erwähnte, dass wir etwas gewinnen wollen, habe ich sofort angeschlagen. Es ist viel besser, um einen Titel zu spielen, als gegen den Abstieg.

Haben Sie Jari Pasanen gesagt, dass es in Trencin noch einen anderen Typen gibt, den er auch gleich mitnehmen kann?

Er hat mich nach Jordy (Bellerive, Anm. d. Red.) gefragt und jetzt ist er hier – also sollte ich wahrscheinlich sein Agent sein (lacht). Jordy ist ein toller Kerl und ein guter Allround-Spieler, er ist wirklich gut. Als er mich nach ihm fragte, habe ich mich für Jordy eingesetzt. Es ist toll, jemanden zu kennen, wenn man in ein neues Team kommt.

Was sind denn Ihre ersten Eindrücke von Rosenheim und der Umgebung?

Es ist wirklich schön. Ich wohne zehn Minuten von der Eishalle entfernt, bin nicht in der Innenstadt, aber ich war dort zum Essen und bisher ist es sehr nett. Alte Gebäude, schöne Kirchen, man hat die Berge im Hintergrund.

Wie würden Sie sich selbst als Person in drei Worten beschreiben?

Drei Worte, das ist schwer. Ich bin fröhlich, rede gerne und bin ein bisschen ein Clown, ich mag es also, andere Jungs zum Lachen zu bringen und eine gute Zeit zu haben.

Sind Sie in der Kabine dann so ein Entertainer wie Dominik Kolb?

Ja, „Kolbi“ und ich haben uns schon ein bisschen geneckt. Wir sind vier Stunden am Tag hier, also sollten wir auch Spaß haben. Es sollte immer Spaß machen, zur Arbeit zu gehen. Besonders im November, Dezember, wenn es ein bisschen dunkel wird und alle ein bisschen müde sind. Da ist es wichtig, ein paar Jungs zu haben, die einen Witz über sich selbst oder was auch immer machen können und den Raum zum Lachen bringen. Es ist ein Auf und Ab: Man muss die Stimmung im Raum ein bisschen lesen, aber Spaß haben und ehrgeizig sein.

Sie hatten einen ganz besonderen Sommer, denn Sie haben geheiratet!

Ja, genau. Ich habe im Juli geheiratet und wir warten auf den November und auf unser Erstgeborenes hier. Meine Frau und ich freuen uns sehr darauf.

Es wird ein Rosenheimer?

Ja, es wird in Rosenheim geboren. Also ein kleiner Rosenheimer Junge.

Es gibt die vier Jahreszeiten und in Rosenheim aktuell noch eine fünfte. Sie haben schon eine Lederhose?

Ja, ich habe die Hose und alles gekauft. Wir gehen mit dem Team hin und ich freue mich wirklich darauf. Ich habe gehört, dass das eine große Sache in Deutschland ist. Es wird mir Spaß machen, die Hose anzuziehen und zu versuchen, so deutsch wie möglich auszusehen.

Wie sieht die Lederhose an Ihnen aus?

Sie ist ein bisschen eng. Vielleicht braucht es ein bisschen Wasser oder so, um sie zu weiten – oder auch Bier (lacht). Wir werden sehen.

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