Rosenheim – Das Jahr 1982 hat einige bemerkenswerte Premieren erlebt: Erstmals wurde ein amtierender deutscher Bundeskanzler per konstruktivem Misstrauensvotum aus dem Amt befördert – anstelle von Helmut Schmidt regierte nun Helmut Kohl. Mit Nicole und dem Song „Ein bisschen Frieden“ gewann Deutschland zum ersten Mal den Grand Prix Eurovision de la Chanson (heute: Eurovision Song Contest). In den USA wurde erstmals die Cola in einer Light-Version auf den Markt gebracht und mit dem Commodore C64 kam der legendäre Heimcomputer in die Läden. In Düsseldorf gründete sich die Punkrock-Band „Die Toten Hosen“.
Was 1982 in Rosenheim passierte, war auch irgendwie eine Revolution. Die Eishockeyspieler von der Mangfall wurden völlig überraschend erstmals deutscher Meister und begründeten damit ein komplettes Jahrzehnt als Spitzenmannschaft. In einer Sonderfolge des Podcasts „Hart gecheckt“, die am heutigen Donnerstag erscheint, erzählt die OVB-Sportredaktion die Geschichte hinter diesem sensationellen Titelgewinn nach.
Es war nicht nur die Saison, in der sich Rosenheim zu einer temporären Eishockey-Hochburg aufschwang, auch einzelne Spieler zeigten damals mächtig auf – unter anderem ein junger, relativ zurückhaltender Torhüter namens Karl Friesen, der in Kanada aufgewachsen ist, und ein 17-jähriger Angreifer, der mitten in der Saison in die Mannschaft nachgerückt war. Markus Berwanger aus dem eigenen Rosenheimer Nachwuchs konnte an der Seite der routinierten Angreifer Hans Zach und Gerhard Baldauf wachsen. Und so wurde es „seine“ Saison: vom ersten Vertrag bis hin zum Doppel-Torschützen im Finale.
In „Hart gecheckt – Zeitreise“ erzählt Berwanger von dieser ungewöhnlichen Saison. Der dreimalige Rosenheimer Meisterspieler offenbart, wie hoch sein erster Vertrag dotiert war und wie viel es nach dem überraschenden Triumph als Meisterprämie gegeben hat. Er spricht über den Moment, in dem er in die Stammformation neben seinen erfahrenen Sturmpartnern rutschte. Und er verrät, warum das Abschlusstraining vor dem zweiten Halbfinalspiel gegen Landshut zum völligen Chaos geriet.
Der Titelgewinn war wahrlich eine Sensation, denn niemand hatte den Sportbund vor Saisonbeginn als Anwärter auf die Meisterschaft auf dem Zettel. Das war auch nach der Hauptrunde noch so der Fall, denn diese schlossen die Rosenheimer als Tabellenfünfter ab. Dann aber legte die Mannschaft von Trainer Dr. Pavel Wohl so richtig los, eliminierte im Viertelfinale den amtierenden Meister SC Riessersee, schaltete im Halbfinale den herausragenden Hauptrundengewinner EV Landshut aus und ließ sich im Finale auch von Vizemeister Mannheimer ERC nicht mehr stoppen.
Es war eine neue Euphorie, die in Rosenheim im Frühjahr 1982 entstanden war. Über diese Begeisterung spricht der langjährige OVB-Sportchef Hans-Jürgen Ziegler in „Hart gecheckt – Zeitreise“. Er hat die Spiele damals noch als Fan verfolgt, war bei allen Halbfinalpartien gegen Landshut und dem entscheidenden Endspiel gegen Mannheim im Stadion. Für ihn waren die Geschehnisse in den Play-offs 1982 der Beginn einer Ära im Rosenheimer Sport. Ziegler war fortan mittendrin, statt nur dabei – auch bei den weiteren deutschen Meistertiteln des Sportbunds in den Jahren 1985 und 1989. Aber das sind dann wieder Themen für weitere Folgen von „Hart gecheckt – Zeitreise“.
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