Mühldorf – In der 2. Bundesliga Männer Süd startet am Samstag die Saison 2026/27 mit Titelverteidiger Blue Volleys Gotha als Topfavorit. Neben Gotha hoffen mehrere Herausforderer auf eine vordere Platzierung und den Einzug in die Play-offs, die seit ihrer Einführung die Liga nachhaltig verändert haben. Die Blue Volleys Gotha gehen nach Süd-Meisterschaft und dem ersten alleinigen Zweitliga-Meistertitel der Vorsaison zwangsläufig als Maßstab in die neue Spielzeit.
Für die Konkurrenz ist die Rollenverteilung klar. „Gotha hat einfach das beste Gesamtpaket und die Erfahrung, was es braucht, um die Liga zu gewinnen“, sagt Axel Roscher, Mannschaftsverantwortlicher der L.E. Volleys. „Gotha ist erneut Favorit aufgrund des Kaders, ihres Umfeldes und der Strukturen“, pflichtet Marcus Bohle, Teammanager des TSV Grafing, bei. Auch bei den Baden Volleys SSC Karlsruhe II fällt die Wahl auf den Titelverteidiger; Trainer Joachim Greiner bezeichnet Gotha als „das beste Team der letzten Saison“, das sich sogar noch einmal verstärkt habe.
Gothas Trainer Robert Werner nimmt diese Rolle mit Zurückhaltung an. Das neue Play-off-Format erschwere es, einen klaren Favoriten zu benennen, zudem seien neue Teams hinzugekommen. „Die Karten sind ein Stück weit neu gemischt“, sagt Werner. Einer der spannendsten Herausforderer könnte Eltmann werden: Die CERATONIA Volleys haben ihren Kader umfassend erneuert und mit zahlreichen Neuzugängen individuelles Potenzial hinzugewonnen.
In Dachau beantwortet Teammanager Sven Lehmann die Favoritenfrage selbstbewusst mit „Wir. Ganz einfach. Wer es seinem eigenen Team nichts zutraut, kann gleich zuhause bleiben.“ An der Elbe sieht man die Lage differenzierter. „Saisonfavorit ist ganz klar Titelverteidiger Blue Volleys Gotha. Aber auch Eltmann, Dachau und Grafing werden wieder eine gewichtige Rolle in der Liga spielen“, erklärt VC-Dresden-Coach Peter Hesse. In Mühldorf traut Kapitän Fabian Bartsch dem TSV Grafing „aufgrund der vorhandenen Kaderstärke und Vielseitigkeit“ eine Spitzenplatzierung zu.
Die Einführung der Playoffs in der vergangenen Saison hat die 2. Bundesliga Süd spürbar verändert. Vor allem die Bedeutung jedes einzelnen Spiels ist gestiegen. „Die Einführung der Play-offs in der letzten Saison hat den Run auf die begehrten Plätze enorm vergrößert“, berichtet Eltmanns Teammanager Rudolf Werner. Laut Angaben von SV-Schwaig-Manager Felix Reschke verschieben sich dadurch auch die Zielsetzungen vieler Vereine: „Es wird nicht mehr ausschließlich darum gehen, aufzusteigen oder den Abstieg zu vermeiden. Ziele wie ‚Wir wollen in die Play-offs‘ oder ‚Wir wollen den Anschluss an die Play-offs halten‘ geben den Mannschaften zusätzliche Zwischenziele.“
Die sportlichen Philosophien und Charakterbilder der Teams fallen dabei höchst unterschiedlich aus. Bei den Keiler Volleys in Stuttgart tritt man laut Vereinsangaben als ehrgeiziger, bodenständiger Charakter mit einer gesunden Portion Selbstironie auf. Bei den L.E. Volleys steht Lernbereitschaft im Zentrum: Viele junge Spieler wollen den nächsten Schritt machen und sich in der 2. Bundesliga beweisen. Aufsteiger Mömlingen versteht sich laut Vorstand Björn Schönfeldt als „ambitionierten Neuankömmling“. Am Bundesstützpunkt in Friedrichshafen ist es nach Angaben von Bundesstützpunkttrainer Adrian Pfleghar das zentrale Ziel, junge Spieler individuell und als Mannschaft weiterzuentwickeln.
In Dresden ist der Teamgeist prägendes Merkmal. Coach Hesse betont: „Die Mannschaft ist der Star. In unserem Team gibt es keinen Überflieger.“ Bei den Baden Volleys SSC Karlsruhe II setzt Coach Greiner auf das Motto „Alles kann, nichts muss“ – als zweite Mannschaft könne sein Team befreit aufspielen. In Eltmann richtet sich der Fokus hingegen kompromisslos auf eine möglichst hohe Endplatzierung: Das Team will alles geben, um am Saisonende das Maximum herauszuholen.
Unter dem Label „Fighting Bayrisch“ geht es beim TSV Grafing nach den Worten von Teammanager Marcus Bohle um unbedingten Willen, vollen Einsatz, Leidenschaft und Geschlossenheit. Der TuS Kriftel fasst seine Herangehensweise mit dem Saisonziel „Unser Maximum. In jedem Spiel.“ zusammen, wie Teammanager Danny Schleuning betont. Beim SV Schwaig steht der Begriff „Umbruch“ über der Saison: Das Durchschnittsalter wurde deutlich gesenkt, der Bundesliga-Kader auf zwölf Stammspieler ausgerichtet und um vier Perspektivspieler ergänzt.
Auch andernorts hat sich im Sommer viel bewegt. Mühldorf geht mit acht Abgängen und sieben Neuzugängen in die neue Spielzeit, darunter vier Spieler aus der eigenen Struktur und mehrere Rückkehrer. „Unser realistisches Ziel ist der sichere Erhalt der Klasse und insgeheim wünschen wir es uns, im vorderen Mittelfeld und bei den Play-offs anzuklopfen“, formuliert Kapitän Fabian Bartsch die Ambitionen. Mit Iven Ferch stößt zudem ein Rückkehrer aus der 1. Bundesliga zum TSV. In Eltmann fiel der Umbruch ähnlich groß aus: Sechs Spieler haben ihre Bundesliga-Karriere beendet oder den Verein verlassen, sieben neue Akteure kamen hinzu.
In Karlsruhe wurde der Fokus vor allem auf die Zuspielposition gelegt. Zwei erfahrenere Zuspieler sollen laut Vereinsangaben zusätzliche Stabilität geben. Die L.E. Volleys setzen auf den Überraschungseffekt: „Yannick Siebeck wird neuer Kapitän und die Mannschaft anführen. Das ist für ihn eine neue Rolle, die er sehr gut annimmt. Und mit Julius Weckebrodh haben wir einen Jungnationalspieler als Shootingstar in unseren Reihen“, blickt Teammanager Axel Roscher voraus. Regensburg wiederum hat seinen Spielerkern weitgehend zusammengehalten. Drei Neuzugänge kompensieren die Abgänge langjähriger Spieler, parallel wurde der Verein strukturell auf neue Beine gestellt.
Beim Titelverteidiger Gotha ist die Entwicklung eher von kontinuierlicher Professionalisierung als von einem radikalen Umbruch geprägt. Trainer Robert Werner sieht den Verein auf mehreren Ebenen gewachsen. Grafing hat sich laut Geschäftsführer und Teammanager Marcus Bohle „quantitativ, aufgrund der letztjährigen Verletzungsmisere, aber auch qualitativ auf den Angriffspositionen verstärkt“. In Dachau hat der Rückzug aus der 1. Bundesliga eine besondere Konstellation geschaffen: Erfahrene Erstligaspieler und Akteure der bisherigen zweiten Mannschaft wurden zusammengeführt. „Nach dem Rückzug aus der ersten Liga sind die erfahrenen Dachauer Spieler mit runter und die anderen hochgezogen worden. Jetzt sitzen alle im selben Boot: Erfahrung plus Hunger. Für uns war das kein Bruch, sondern ein Glücksfall“, sagt Teammanager Sven Lehmann.
Bei den Volley YoungStars Friedrichshafen stehen naturgemäß große personelle Veränderungen an. „Altersbedingt haben uns neun Spieler in Richtung Bundesliga und 2. Liga verlassen“, erklärt Bundesstützpunkttrainer Adrian Pfleghar. Beim Aufsteiger Mömlingen ist der Kern der Meistermannschaft zusammengeblieben, der Kader wurde punktuell verstärkt.
So gehen die Teams der 2. Bundesliga Männer Süd mit teils grundverschiedenen Voraussetzungen, Zielen und Philosophien in die neue Saison – vereint durch die Jagd auf Play-off-Plätze und den Versuch, den Champion Blue Volleys Gotha zu stürzen.re