Ein kluger Kopf, der unter die Haut geht

von Redaktion

Interview Starbulls-Verteidiger Sean Giles (30) über Rosenheim, Interessen und den Blick in die Zukunft

Rosenheim – Sean Giles ist ein kluger Kopf – auf dem Eis, aber auch abseits davon. Der 30-Jährige hat an der Robert Morris University, für die er vier Jahre lang spielte, einen Abschluss in Biomedizintechnik gemacht. Danach führte ihn sein Weg über Knoxville in der SPHL und Jacksonville in der ECHL zunächst zum HC Prešov in die Slowakei. Über die Fife Flyers in Schottland ging es für den US-Amerikaner schließlich mit deutschem Pass nach Regensburg und von dort nun zu den Starbulls Rosenheim. Die OVB-Sportredaktion hat den Neuzugang beim Eishockey-Zweitligisten genauer unter die Lupe genommen.

Letzte Saison haben Sie mit ihrem ehemaligen Team Regensburg die Starbulls aus den Play-offs geworfen. Mussten Sie sich am ersten Tag in der Kabine erst einmal entschuldigen?

(lacht) Es ging weniger um die Serie an sich, sondern mehr um den Einsatz auf dem Eis. Wir hatten harte Duelle, und meine Rolle ist es nun mal, den Top-Spielern des Gegners unter die Haut zu gehen. Ich habe mich definitiv bei Shane Hanna und Lewis Zerter-Gossage für ein paar Schlachten im Laufe des Jahres entschuldigt. Aber die Starbulls hatten schon letzte Saison eine starke Mannschaft – diese Serie war sogar einer der Gründe, warum ich unbedingt hierher wollte. Das Team hat richtiges Eishockey gespielt, und die Stimmung in der Halle war die ganze Saison über überragend. Es ist schwer, hier als Gegner zu spielen. Ich freue mich darauf, das in den Play-offs nun auf der Heimseite zu erleben. Wir haben noch Arbeit vor uns, aber es wird ein gutes Jahr.

Wie läuft denn die Eingewöhnung im neuen Team?

Sehr gut. Wir haben viele neue Gesichter in der Kabine, was es etwas einfacher macht, wenn man nicht der einzige Neuling ist. Die Jungs, die schon länger hier sind, haben uns extrem gut aufgenommen. Man fühlt sich sofort als Teil der Mannschaft.

Mit ihrem neuen Trainer Jari Pasanen gibt es auch ein neues System. Wie liegt ihnen dieser Spielstil?

Es ist definitiv eine Umstellung. Eishockey ist so schnell – da musst du instinktiv wissen, was zu tun ist. Wenn du erst nachdenken musst, wo du stehen sollst, bist du zu spät. Du musst einfach reagieren. Im ersten Monat mussten wir alle hart daran arbeiten. Wir verbringen viel Extra-Zeit im Videoraum, um das System zu verinnerlichen. Aber wir kommen von Tag zu Tag besser auf dieselbe Wellenlänge.

Bei der Recherche fällt ihr akademischer Hintergrund auf: Sie haben einen Abschluss in Biomedizintechnik.

Stimmt. Mein Vater war Ingenieur, deshalb wollte ich in diese Richtung gehen, habe aber auch mit einem Medizinstudium geliebäugelt. Biomedizintechnik war die perfekte Kombination: Es geht um Dinge, die in den Körper kommen – Herzschrittmacher, Hüftimplantate und Ähnliches. Ein hartes Studium, das ich bisher noch nicht praktisch nutzen konnte. Wir werden sehen, ob es mir später hilft.

Planen Sie, nach der Eishockey-Karriere in diesem Bereich zu arbeiten?

Das weiß ich noch nicht. Als ich nach Europa kam, dachte ich, es wird vielleicht nur ein einziges Jahr. Aber es hat mir super gefallen, die Saison war gut, und dann ergab sich die Chance auf den deutschen Pass. Das hat alles verändert, weil ich als deutscher Spieler in dieser Liga natürlich ganz anders wahrgenommen werde. Jetzt fokussiere ich mich voll darauf, so lange wie möglich auf hohem Niveau zu spielen.

Bleibt neben Eishockey noch Zeit für andere Hobbys?

Ich spiele gerne Golf und habe diesen Sommer einige Plätze in der Region ausprobiert. Ansonsten gehe ich viel mit dem Hund spazieren – und ich helfe Nachwuchsspielern. Ich analysiere Videos für sie und unterstütze sie bei der Vereinssuche. Wenn ich nicht selbst auf dem Eis stehe, helfe ich jungen Talenten.

Also quasi als Scout oder Agent?

Genau, wie ein Agent. Erst gestern habe ich meinem ersten Profi in Nordamerika zu einem Vertrag verholfen. Ein Trainer meinte neulich zu mir, dass er früher Agent für Spieler war, gegen die er selbst angetreten ist. Das habe ich für mich aber ausgeschlossen – gegen eigene Klienten spiele ich nicht (lacht). Es macht einfach Spaß, mein Wissen weiterzugeben.

Letztes Jahr wurden Sie zum „Mr. Movember“ gekürt. Was bedeutet ihnen diese Auszeichnung?

Das ist eine großartige Aktion für den guten Zweck. Im Team haben wir damals beschlossen, uns Schnauzbärte wachsen zu lassen, um Aufmerksamkeit zu schaffen und etwas Spaß zu bringen. Von dem Award wusste ich gar nichts, bis mich jemand nominiert hat. Jetzt strebe ich die Titelverteidigung an – stellt euch diesen November also auf einen ordentlichen Oberlippenbart ein!

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