Kolbermoor – Bereits im Stadtrat waren die Pläne für die Bebauung des noch freien Areals am Hassler-Kreisel kontrovers und mitunter auch hitzig diskutiert worden – letztendlich gab eine Stimme Mehrheit den Ausschlag dafür, dass die Blutbuche fallen soll. Damit ist der Weg nun frei für das geplante Wohn- und Geschäftshaus mit Laden- und Gewerbeflächen, aber auch Wohnen und Boardinghouse-Appartements (wir berichteten).
Doch so einfach wollen Grüne Liste und Bund Naturschutz den ihrer Ansicht nach doch so schönen und prägenden Baum nicht aufgeben – und formieren sich zu Widerstand. Im Rahmen einer Informationsveranstaltung wollten sie nun über die verbleibenden Möglichkeiten aufklären und den Sachverhalt aufzeigen.
Knapp zwei Dutzend Interessierte waren dem Ruf der Grünen Liste um deren Vorsitzenden Bernhard Bystron gefolgt und machten sich vor Ort ein Bild. Dabei stößt den Grünen, wie es die langjährige Vorsitzende und Ex-Stadträtin Else Huber zusammenfasst, nicht nur die geplante Fällung der Blutbuche auf; auch die Baupläne an sich betrachten sie als viel zu massiv. „Das Gelände wird bis auf den letzten Quadratzentimeter bebaut, das dient alles nur der Gewinnmaximierung“, ärgert sich Huber.
Weiteres Manko:
die Erschließung
Ein weiteres Manko sehen Grüne und Bund Naturschutz in der Erschließung und Verkehrssituation: Neben der Tiefgarage seien entlang des Rewe-Marktes auf gesamter Länge Stellplätze vorgesehen, dieser Verkehr würde dann kurz vor dem Kreisel in die Hasslerstraße einmünden – „und sicherlich auch noch weitere Autos, die dann in der Praxis diese Ausfahrt aus dem Spinnereigelände nutzen werden“, befürchtet Huber. Dabei würden jedes Mal die Geh- und Radwege entlang der Hasslerstraße durchschnitten. „Eine sehr unbefriedigende Situation.“
Schockiert zeigt sich Huber von Aussagen im Stadtrat, dass die Fläche doch sowieso keine Aufenthaltsqualität berge. „Was sind wir nur für Menschen, muss bei uns jedes Grün erlebbar sein? Grün ist auch dann etwas wert, wenn man nicht auf einer Bank darin sitzen kann“, unterstreicht sie und verweist dabei auf die Bedeutung der Blutbuche, die als „Stadtklimaanlage“ betrachtet werden sollte, die täglich „unglaublich viel Feinstaub aus der Luft filtert und Sauerstoff produziert“.
Grüne Liste und Bund Naturschutz setzen nun auf den nächsten Verfahrensschritt im Bauleitplanverfahren: die öffentliche Auslegung der Baupläne. Denn in diesem Zeitraum (18. August bis 19. September) können die Pläne von den Bürgern im Rathaus (Bauverwaltung) eingesehen werden – und sie können ihre Stellungnahmen und auch Einwände dagegen abgeben. Huber hofft nun, dass viele von diesem Mitspracherecht Gebrauch machen – und dass nicht „die Scheu, ins Rathaus zu gehen“, überwiegt. Des Weiteren will sie weiter Unterschriften für den Erhalt der Blutbuche sammeln (Else Huber, Telefon 08031/ 299604). Die ersten rund 300 Unterschriften waren bereits, wie berichtet, zur Stadtratssitzung übergeben worden.
In Kolbermoor kann im Übrigen ein Baum wie die Blutbuche am Hassler-Kreisel, geschätzt 50 bis 60 Jahre alt, nicht ohne Weiteres gefällt werden: Er unterliegt der Baumschutzverordnung der Stadt. Bäume mit mehr als 80 Zentimeter Stammumfang dürfen seit Inkrafttreten der Baumschutzverordnung im Februar 1996 nur noch mit Genehmigung durch die Stadt und aus triftigem Grund gefällt werden. Davon ausgenommen sind abgestorbene Bäume und auch Bäume, von denen eine unmittelbare Gefahr ausgeht – ebenso Fichten, Birken und Obstbäume. Ersatzpflanzungen sind dann durchzuführen.
Eine Lockerung für bestimmte Arten (Tannen, Kiefern, Lärchen, Erlen, Weiden, Pappeln etc.) trat im Herbst 2004 in Kraft – wobei damals die Baumschutzverordnung an sich auf dem Spiel stand. Die CSU-Stadtratsfraktion hatte im September 2004 beantragt, die Baumschutzverordnung aufzuheben – weil sie in der Vergangenheit oft zu Problemen geführt habe. Zahlreiche Bürger hätten sich beklagt, keine Fällgenehmigung erhalten zu haben, andere hätten ihre Bäume ohne Genehmigung entfernt oder Neupflanzungen erst gar nicht vorgenommen.
Baumschutz-
Verordnung
auf der Kippe
Die CSU-Fraktion zeigte sich in ihrer Antragsbegründung davon überzeugt, dass die Aufhebung der Baumschutzverordnung „die mündigen Bürger“ dazu veranlassen würde, „ausreichende Baumpflanzungen vorzunehmen, wenn der Umgang mit diesen Bäumen nicht so reglementiert wäre“.
Doch aus dem Kippen der Baumschutzverordnung wurde es letztendlich nichts: Stadtverwaltung wie auch Kreisfachverwalter Harald Lorenz (Landratsamt) rieten dringend von der Aufhebung ab. Die Verwaltung zeigte sich aber zur Lockerung bei einigen Baumarten wie Tannen, Lärchen, Pappeln, Weiden und Erlen bereit. Im Stadtrat kam es schließlich zur hitzigen Debatte: Grüne, SPD und REP wollten die Baumschutzverordnung beibehalten, Freie Wähler und fast die gesamte CSU-Fraktion plädierten für die Abschaffung – einzig der damalige CSU-Stadtrat Herbert Ernst stellte sich gegen seine Fraktion und gab mit seiner Stimme (11:12) den Ausschlag zum Erhalt der Verordnung.
In jüngster Sitzung des Stadtrates nun ein anderes Bild: Zusammen mit der Grünen Liste und Teilen der Parteifreien sprach sich die CSU-Fraktion (bis auf eine Ausnahme, wie berichtet) für den Erhalt der Blutbuche aus und stellte sich hinter den entsprechenden Antrag der Grünen – dem allerdings die Ratsmehrheit mit 12:11 Stimmen eine Absage erteilte.
Wenig Überlebenschancen gibt im Übrigen der Baumexperte im Rathaus der Blutbuche, falls um sie im Falle einer Umplanung „herumgebaut“ würde – gerade diese Baumart habe ein sehr empfindliches Wurzelwerk und würde bei umliegender Bautätigkeit, wenn auch erst Jahre später, nach und nach absterben.