Kolbermoor – Emma Holzmann ist eine würdige „Nummer eins“: Ihr Leben ist eng mit dem Kolbermoorer Freibad verbunden. Ihr Elternhaus steht an der Breitenbergstraße, mit ihrem Mann kaufte sie dann auf der anderen Seite des Bades, in der VdK-Siedlung, ein eigenes Heim. Schwimmen lernte sie allerdings in der Mangfall. „Das haben wir uns als Kinder untereinander beigebracht“, erinnert sie sich, „die Eltern waren nicht beim Baden“. Auch mit der Schule sei man an die Mangfall gegangen, weil sich viele in der Klasse „das Zehnerl Eintritt“ nicht hätten leisten können. Dann war freilich das Freibad das erklärte Ziel.
Emma Holzmann arbeitete in der Spinnerei, ihr Mann in Redenfelden als Kraftfahrer. Drei Kinder kamen zur Welt, und Emma ging „nur“ noch halbtags in die Spinnerei. Wenn Zeit blieb, ging es ins Freibad – mit den Kindern. Den Drang zum Wasser hätte Tochter Petra im Alter von zwei Jahren allerdings fast mit dem Leben bezahlt: Im September – die Saison war schon vorbei – erkundete sie mit dem Nachbarsmädchen das Bad, fiel ins Wasser und ging prompt unter. Das Nachbarsmädchen rannte vor Schreck weg, aber zum Glück war der damalige Bademeister Alois Wittmann noch im Bad. Er hörte das Platschen und holte die kleine Petra, die schon am Boden trieb, aus dem Becken.
Diese unerfreuliche Geschichte konnte die Freude der Familie am Freibad aber nicht trüben. Jeder, Eltern wie Kinder und inzwischen fünf Enkelkinder, hatte und hat stets Saisonkarten. Emma Holzmanns Ehemann, der dann mit 92 Jahren starb, wollte mit 90 noch zum Schwimmen gehen (die Tochter konnte es ihm dann ausreden, weil er doch nicht mehr ganz so fit war). Gemeinsame Urlaubsziele waren – man ahnt es – stets am Gardasee oder an der Adria gelegen.
Emma Holzmann kommt, wenn das Wasser 24 Grad hat, dreimal am Tag („bei 23 Grad frische ich mich nur kurz ab“). Das erste Mal schwimmt sie 200 Meter, dann jeweils 100. Ist zuviel Betrieb im Becken, hängt sie sich halt nur an den Rand und erfrischt sich auf diese Weise. Nach dem Bad geht’s über die Straße nach Hause. Dann rastet sich Emma Holzmann aus – um schließlich wieder ins Bad zu kommen. Auf der Straße ist sie nach drei Hüftoperationen übrigens auf einen Rollator angewiesen…
Tochter Petra Hotter schwimmt jeden Tag zwei Kilometer, auch wenn es regnet. Kann sie einen Tag wirklich nicht kommen, werden am nächsten Tag vier Kilometer fällig. Heuer hat sie es schon auf 192 Kilometer gebracht. Auch ihr Mann Helmut Hotter ist begeisterter Schwimmer.
Emma Holzmanns Schwiegersohn hatte auch die Ankündigung entdeckt, dass es für ebenfalls 85-Jährige im Jubiläumsjahr des Bades die Gratis-Saisonkarte gibt. „Das ist ein Schmarrn, hab ich geglaubt,“ erinnert sich Emma Holzmann, die im Januar bereits Geburtstag hatte. Dann aber eilte sie gleich über die Straße und konnte sich noch die „Nummer eins“ der Jubiläumskarten sichern.
Die rüstige Kolbermoorerin will auf jeden Fall bis zum 90. Geburtstag zum Schwimmen gehen, „wenn nix dazwischen kommt“, schmunzelt sie. „Das Wasser tut so gut, es macht einfach Spaß“. Vielleicht gibt es dann ja zum 90-jährigen Bestehen des Bades auch wieder eine Saison-Freikarte für alle 90-Jährigen…