Kolbermoor – Seit den letzten Stadtratswahlen hat Vroni Gmeiner den Posten der Inklusionsbeauftragten, Dr. Berthold Suldinger den des Seniorenbeauftragten der Stadt. Da sich ihr „Klientel“ überschneidet, bieten sie die Sprechstunden aber gemeinsam an. In diesen Jahren habe man festgestellt, dass die Nöte allgegenwärtig seien, so Vroni Gmeiner. Als Hauptproblem hätten sich aber die fehlenden behinderten- oder rollstuhlgerechten Wohnungen herausgestellt. Da gibt es etwa die Frau, die im zweiten Stock eines Hauses ohne Lift wohnt – und die wegen ihrer Gehbeschwerden ihre Wohnung nicht mehr verlassen kann. Deshalb hat man sich beispielsweise stark engagiert, dass beim Umbau des städtischen Wohnhauses Am Glasberg 15 einige barrierefreie Wohnungen entstehen. Dafür ist für das Gebäude auch ein neuer, größerer Lift an der Außenfassade nötig geworden, der auch „fast einstimmig“, wie sich Vroni Gmeiner erinnert, im Stadtrat genehmigt worden sei. Bei einer Ortsbesichtigung sei sie nicht einmal mit ihrem kleinen Junior-Rollstuhl in den vorhandenen Lift gekommen.
Auch in Sachen Behindertentoiletten habe sich viel in Kolbermoor getan. Auch im Mareis-Keller gibt es jetzt eine (vorher habe man die des Saals aufsuchen müssen, was eine sehr aufwendige Sache gewesen sei); ebenso in den neuen Anlagen im Alten Friedhof. Die Zusammenarbeit mit Stadtrat und mit Bürgermeister Peter Kloo sei sehr gut: Das Bewusstsein für die Belange von Senioren und Behinderten sei da. So sei auch allen klar gewesen, dass die Stadtbusse behindertengerecht ausgelegt sein müssten. Und für das neue Feuerwehrhaus in Pullach wird ebenfalls eine Behinderten-Toilette eingeplant.
Auch bei den Gehsteigabsenkungen schaue es gar nicht schlecht aus in Kolbermoor. Wenn sich ein Rollstuhlfahrer bei Vroni Gmeiner über eine angeblich zu hohe Kante beschwert, bekommt er schon mal einen Tipp aus der Praxis: „Die Kante schief anfahren“, rät sie, „dann klappt es bis zu einem guten Zentimeter Höhe“. Denn ganz eben darf der Übergang Gehweg/Straße auch wieder nicht sein – Sehbehinderte oder Blinde müssen sich mit ihrem Stock an der Kante orientieren können.
Viele der Hilfesuchenden kommen, weil sie Unterstützung brauchen, einen Antrag für eine Höherstufung im Pflegegrad oder einen Behindertenausweis, Hilfe für den Umgang mit der Krankenkasse oder dem MDK, dem Medizinischen Dienst der Krankenkasse, so Dr. Suldinger. Oder sie wollen wissen, wie man eine Patientenverfügung verfasst.
Andere brauchen Hilfe bei der Lösung von familiären Problemen. Hier versucht der Seniorenbeauftragte auf eigene Initiative aber durchaus, auch „die andere Seite“ zu hören, was das gefühlte Problem oft in ein ganz anderes Licht tauche. Manche brauchen eine Erklärung für ein amtliches Schreiben, das sie bekommen haben; andere wiederum brauchen einfach irgendjemanden zum Reden. Oft werden sowohl Vroni Gmeiner als auch Dr. Berthold Suldinger von ihren Schützlingen auch privat angerufen, was beide aber im Rahmen ihres Ehrenamtes absolut akzeptieren. Nur wenn jemand etwa fordert, der Kolbermoorer Stadtbus müsste sonntags ein bestimmtes Ziel ansteuern, weil er da unbedingt hin möchte, wollen auch die beiden Beauftragten nicht weiterhelfen…
Vroni Gmeiner und Dr. Suldinger können sich auf ihr Angebot an Hilfestellungen konzentrieren, weil sie nicht, wie in anderen Orten üblich, Veranstaltungen anbieten müssen. „In Kolbermoor gibt es genügend Veranstaltungen für Senioren und Behinderte, da müssen nicht wir auch noch einen Ausflug oder ein Schafkopfturnier organisieren,“ sind sich die beiden einig.