Kolbermoor – Als Mitwirkender, Organisator oder sogar Gründer hat Zellner viele Festivitäten ehrenamtlich und mit großem Engagement geprägt.
Begonnen hat dieses Engagement des heute 70-jährigen Kolbermoorers für das soziale Leben in der Mangfallstadt schon früh: Bereits mit 13 Jahren arbeitete er auf Wunsch des damaligen Schuldirektors in der Volksbücherei in den Räumlichkeiten der Mangfallschule mit. Aktiv war Zellner zu dieser Zeit auch in der katholischen Landjugend, wo er mit einigen Kameraden einen Ferienjob im Tonwerk annahm, um dem legendären Zeltlager, das Pfarrer Eugen Klaas am Wolfgangsee ins Leben gerufen hatte, einen Außenbordmotor für das Ausflugsboot zu finanzieren.
Seinem Organisationstalent und der Freude an der Zusammenarbeit blieb er auch in seinem Beruf als kaufmännischer Angestellter im öffentlichen Dienst treu. Für das Landratsamt organisierte er die „Jugendolympiade“, bei der damals 1000 Jugendliche im Wettkampf zusammenkamen. Durch diese und andere Tätigkeiten mit Organisation und Planung vertraut, übernahm Zellner schließlich seine erste große Aufgabe in Kolbermoor, als er auf Bitten des damaligen Vorsitzenden des Gewerbeverbandes, Alois Hackenberg, als Organisator des Bürgerfestes einsprang und diesen Posten neun Jahre lang behielt. In der Anfangszeit war dies durchaus schwierig – „es gab ja noch kein Handy, wir mussten damals alles von einem einzigen Telefon aus regeln, das sich im alten Rathaus befand“, erinnert er sich. Besonders beeindruckt hätten ihn die gute Zusammenarbeit der Vereine und die besonderen Begegnungen mit heute aufgelösten Gruppierungen wie dem griechischen oder türkischen Verein.
„Stadtfestival“
und Fischmarkt
Neben dem Bürgerfest, das nun schon einige Organisatoren mehr erlebt hat und sich immer noch hoher Beliebtheit erfreut, arbeitete Zellner in den folgenden Jahren auch an anderen, heute nicht mehr existenten Veranstaltungen mit. So organisierte er zweimal ein Kolbermoorer „Stadtfestival“ mit, oder gar einen Fischmarkt nach Hamburger Art – worüber die Kolbermoorer Geschäftsleute nach Zellners Aussage so gar nicht erfreut waren, deckten sich doch die Bürger nur zu gern auf Wochen mit den preiswerten Waren ein.
Beim Christkindlmarkt, der sich in den letzten Jahren besonders gut entwickelt hat, war Zellner von Anfang an dabei. Gemeinsam mit Herbert Ernst, ebenfalls eine Persönlichkeit aus den Reihen des Gewerbeverbandes, begann der Markt mit nur sechs Buden und großen Hürden, musste sogar mehrmals umziehen, ehe der Rathausplatz als Austragungsort zur Tradition wurde.
Hält man sich diese Vielzahl an unterschiedlichsten Veranstaltungen, wobei hier nur die wichtigsten genannt sind, vor Augen, erscheint auch die Tätigkeit im Ortskartell, die Zellner seit nunmehr 18 Jahren ausübt, als logische Folge der unermüdlichen Zusammenarbeit mit Bürgern und Vereinen. Als Vorsitzender ist er erster Ansprechpartner und Vermittler und stellt das durch seine langjährige Verwaltungstätigkeit erworbene vereinsrechtliche Wissen gerne zur Verfügung. So sind viele heute gültige oder modernisierte Vereinssatzungen von der Feuerwehr bis hin zum Obst- und Gartenbauverein unter Zellners Mitwirkung entstanden. Auch bei Vereinsneugründungen stand er jederzeit mit Rat und Tat zur Verfügung.
Bei seiner Tätigkeit verfügt Zellner auch über einen guten Überblick über die allgemeinen Probleme von Vereinen. „Außer den Sportvereinen haben fast alle mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen“, weiß er anhand vieler Beispiele zu erklären. Sein eigener Posten bleibt davon nicht verschont: Gerne würde er sein Amt demnächst übergeben, hat aber aktuell Schwierigkeiten, einen Nachfolger zu finden.
Bereits zurückgezogen hat er sich aus seiner kommunalpolitischen Tätigkeit, innerhalb derer er lange Jahre als Stadtrat für die CSU wirkte. Die Bürgermeisterwahl des Jahres 2002, die er nur hauchdünn verlor, ist vielen Bürgern in Erinnerung geblieben. Für Zellner aber markierte das nicht etwa das Ende, sondern im Gegenteil den Anfang einer, wie er betont, sehr guten Zusammenarbeit mit dem an seiner statt gewählten Bürgermeister Peter Kloo. Gerne erinnert er sich an viele gemeinsam getragene Abstimmungen im Stadtrat zurück, wie auch an die Arbeit innerhalb seines Ortsverbandes, aus dessen Vorstandschaft er in diesem Jahr ebenfalls ausgeschieden ist.
Aufbau eines
Vereinsarchivs
Ganz loslassen kann und will Zellner sein ehrenamtliches Engagement aber nicht: Als großes Ziel verfolgt er schon seit einiger Zeit den Aufbau eines Vereinsarchivs. In seinem Büro empfangen den Besucher Schränke voller Aktenordner, die fein säuberlich beschriftet Geschichte und Geschichten der Vereine und Einrichtungen beinhalten. Auf den Deckeln liest man Namen längst aufgelöster und vergessener Gruppen, von denen oft nur noch wenige Unterlagen existieren; über die bestehenden Vereine findet sich von tagesaktuellen Zeitungsausschnitten bis hin zu Gründungsurkunden aus dem 19. Jahrhundert fast alles.
„Die Vereinsarbeit hat mich auch nach 30 Jahren nicht losgelassen“, bekennt Zellner, dem von der Stadt auch eine Räumlichkeit für das Archiv in Aussicht gestellt wurde. Hier sollen Vereinsmitglieder und -vorstände archivwürdige Unterlagen einlagern und später einsehen können, womit das bekannte Phänomen der bei Übergaben oder Auflösungen verloren gegangenen Schriftstücke hoffentlich bald der Vergangenheit angehören wird.
Für Günther Zellner, der selbst in 16 örtlichen Vereinen Mitglied ist, ist es nichts weniger als die Krönung seines Lebenswerks.