Kolbermoor – Seit vergangenem Herbst ist es Thema im Rathaus: das „integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept“ ISEK – ein „Fahrplan“ für die weitere Stadtentwicklung, der derzeit erarbeitet wird und der Basis sein wird für staatliche Zuschüsse und Förderungen für Baumaßnahmen im Innenstadtbereich.
Ein erstes Grundkonzept mit Bestandsaufnahme, Umgriff und Entwicklungsmöglichkeiten wurde im Sommer im Stadtrat bereits vorgestellt; überdies ein Einzelhandelskonzept. Nun sind die Bürger in Sachen Stadtentwicklung an der Reihe: Sie sollen diesen Samstag, 23. September, im Rahmen einer „Bürgerwerkstatt“ in das Thema Stadtentwicklung miteingebunden werden.
Ab 13.30 Uhr stellen im großen Sitzungssaal des Rathauses die Fachplaner ihr Grundkonzept für die Innenstadt vor und informieren die Bürger über den Stand der Dinge. Dann folgt ein kleiner Stadtrundgang, wo Fragen vor Ort geklärt werden können: vom Rathausplatz über die Flurstraße und das Wohngebiet entlang der Bahn bis zum Bahnhof und zur Tonwerksunterführung; zurück über die Innenstadt und die Rosenheimer Straße wieder zum Rathaus. Dort kann dann noch einmal abschließend mit den Fachplanern und Vertretern der Stadt diskutiert werden. Alle an der Stadtentwicklung interessierten Bürger sind zur „Bürgerwerkstatt“-Veranstaltung willkommen.
Zum Hintergrund: Die Stadt Kolbermoor wurde bereits im Jahr 1985 in das Bayerische Städtebauförderungsprogramm aufgenommen, später erfolgte dann der Wechsel in das Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“. Mithilfe der Städtebauförderung wurde in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Sanierungsmaßnahmen zur gestalterischen und funktionalen Aufwertung der Stadtmitte durchgeführt, wie die Neugestaltung der Straßen- und Platzräume im Ortskern, das Schaffen von Parkraum (Parkdeck am Rathaus) und die Sanierung der historischen Gebäude der ehemaligen Arbeitersiedlung der Spinnerei.
Voraussetzung für die Förderung dieser Maßnahmen mit Mitteln der Städtebauförderung war die Ausarbeitung von vorbereitenden Untersuchungen sowie die Ausweisung eines Sanierungsgebietes. Sanierungsziele wurden entwickelt und ein Maßnahmenkonzept erstellt. Da sich die städtebauliche Sanierung über einen langen Zeitraum erstreckt, müssen die einmal erarbeiteten Konzepte regelmäßig überprüft und fortgeschrieben werden. Die Stadt Kolbermoor hatte daher das Büro AKFU Architekten und Stadtplaner mit der Ausarbeitung eines integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (ISEK) beauftragt, um das Maßnahmenkonzept und die bestehenden Sanierungsziele für die Innenstadt zu überprüfen, zu aktualisieren und zu ergänzen.
Die Ergebnisse dieser Untersuchung wurden bereits im Stadtrat vorgestellt (wir berichteten). Einer der Schwerpunkte ist dabei die Sanierung des Bahnhofsgebäudes und die Verbreiterung der Tonwerksunterführung samt Anbindung an die Hasslerstraße. Zudem wurden Überlegungen angestoßen, für Bahnpendler ein Parkdeck zu errichten. Auch einen Blick in Richtung Spinnereigelände warfen die Planer: Und beurteilten die noch freie Fläche am Hassler-Kreisel, auf dem sich die viel diskutierte Blutbuche befindet, als „städtebauliche Lücke“ – wobei das eigentliche ISEK-Gebiet das Spinnereiareal nicht mehr erfasst, sondern am Hassler-Kreisel/ Brückenstraße endet.
Nun sollen – nach der bereits erfolgten Online-Befragung im Herbst 2016 – die Bürger erneut am ISEK-Planungsprozess beteiligt werden. Ziel der Bürgerwerkstatt ist es nach Angaben der Stadt, Bürger aller Generationen in den Planungsprozess zur Ausarbeitung des integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes einzubinden, um zu erfahren, welche Themen sie beschäftigen, was sie als besondere Qualität schätzen und wo sie Handlungsbedarf sehen, zum Beispiel bei den Themen Wohnen und Einkaufen in der Innenstadt, Verkehr und Parkplätze in der Innenstadt, Gestaltung öffentlicher Raum, Barrierefreiheit, Freizeit- und Kulturangebot, Ausstattung mit Grün- und Freiflächen oder Fuß- und Radwegvernetzung. rg/re