Kolbermoor – In der Juli-Sitzung von Stadtrat und Bauausschuss hatten die Investoren von Werndl & Partner ihre Pläne für die noch unbebaute Fläche am Hassler-Kreisel erstmals öffentlich vorgestellt: ein Wohn- und Geschäftshaus mit Ladenflächen, Büroräumen, Boardinghouse-Appartements und kleinen Wohnungen. Herzstück des Bauprojektes soll ein begrünter Innenhof sein. Doch für diese Pläne müsste die Blutbuche weichen.
Nach kontroverser Diskussion im Stadtrat verfehlte schließlich ein Antrag der Grünen Liste auf Erhalt der Blutbuche mit 11:12 Stimmen knapp die Mehrheit – und die von den Investoren beantragte Bebauungsplanänderung mit den entsprechenden Bauplänen wurde auf den Weg gebracht (wir berichteten).
Von der Abstimmungsniederlage im Stadtrat ließen sich Grüne Liste und auch der örtliche Bund Naturschutz nicht entmutigen, sie zogen weiter in den Kampf um die Blutbuche – und forcierten eine Unterschriftenaktion. Erste Unterschriften waren bereits im Juli für den Erhalt der Blutbuche gesammelt und in der Stadtratssitzung übergeben worden (330 Unterschriften). In den vergangenen Wochen unterzeichnete nun eine Vielzahl Bürger die Forderung um Erhalt von Buche und Grünfläche – insgesamt 1113 Unterschriften übergaben jetzt Else Huber und Caroline Schwägerl stellvertretend für Grüne Liste und Bund Naturschutz im Rathaus an Bürgermeister Peter Kloo.
Der Rathaus-Chef versprach, die Unterschriften als Einwand mit ins Bebauungsplanverfahren einfließen zu lassen, das derzeit läuft. Bis vergangenen Dienstag konnten sich auch die Bürger im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung zur Bebauungsplanänderung äußern und ihre Meinung kundtun.
Sämtliche Einwände werden nun von der Bauverwaltung im Rathaus aufbereitet und schließlich dem Bauausschuss zur Vorberatung und letztendlich dem Stadtrat zur Abwägung und Entscheidung vorgelegt. „Die Entscheidung, ob man den Argumenten der Gegner folgt oder ob die stadtplanerischen Aspekte höher zu bewerten sind, liegt bei den Stadträten“, erklärte Bürgermeister Kloo.
Ob sämtliche Unterlagen bereits bis zur Oktober-Sitzung des Bauausschusses (10. Oktober) aufbereitet sein werden, hält der Rathaus-Chef indes für unwahrscheinlich. „Wahrscheinlich nicht“, wiegelt er ab angesichts der Unmenge an Punkten, die bereits für die Oktobersitzung anvisiert sind. Somit könnte die Spinnerei-Bebauung erst im November Thema in den Gremien werden – außer, eine Sondersitzung wird anberaumt.
Hoch zufrieden angesichts von über 1000 Unterschriften zeigte sich Else Huber bei der Übergabe – „und dabei ist die Liste bereits bereinigt um diejenigen, die beispielsweise unleserlich waren“, ergänzt sie. „Da sind noch eine ganze Menge weggefallen.“
Ein Großteil der Unterschriften entstammt laut Huber den Listen, die in den letzten Wochen in der Bäckerei Weiß und bei Farben Schiffmann ausgelegen sind. „Die Leute sind regelrecht dorthin geströmt“, schildert Else Huber ihren Eindruck. „Ein Selbstläufer.“ Diese Erfahrung habe auch sie selbst gemacht, als sie auf Unterschriftentour gegangen ist. „Acht von zehn haben sofort unterschrieben.“ Ihr Eindruck: Viele Bürger seien sehr erbost über die Baupläne, hätten Grünfläche und Blutbuche gerne erhalten. „Die Aufregung ist groß“, unterstreicht Huber.