Bundestagswahl in Kolbermoor

AfD erhielt enormen Zuspruch

von Redaktion

Herbe Verluste für die CSU, eine schwache SPD – und starke Zugewinne für die AfD. Weitaus deutlicher als bundesweit fällt das Wahlergebnis bei der Bundestagswahl in Kolbermoor aus. In einzelnen Stadtteilen erhielt die AfD gar über 20 Prozent Zustimmung, unter anderem in Lohholz.

Kolbermoor – Alles andere als durchschnittlich haben die Kolbermoorer Bürger am Sonntag an der Wahlurne abgestimmt: Sie bescherten der CSU herbe Verluste (-13,8 Prozentpunkte), während die SPD auf vergleichsweise schwachem Niveau blieb. Zweitstärkstes Ergebnis und damit noch vor der SPD fuhr in der Mangfallstadt die AfD ein: mit 17,7 Prozent (Zweitstimmen). Damit steht das Kolbermoorer AfD-Ergebnis auch landkreisweit an der Spitze; noch vor Riedering (17,2) und Ramerberg (16,9). AfD-Kandidat Andreas Winhart kam in Kolbermoor auf 16,6 Prozent Erststimmen (landkreisweit 13 Prozent).

Ein deutliches Minus musste in Kolbermoor die CSU einstecken: Sie rutschte gegenüber 2013 von 50,6 auf 36,8 Prozent ab (-13,8). Ein klein wenig geringer die Verluste für die in Kolbermoor lebende Erststimmen-Kandidatin Daniela Ludwig: -12,5 Prozentpunkte gegenüber 2013, von 56 auf nun 43,5 Prozent. Ludwig liegt in ihrer Heimatstadt dennoch unter dem Stimmkreis-Gesamtergebnis von 46 Prozent. 4851 Wähler haben in Kolbermoor der CSU-Kandidatin ihr Kreuzchen gegeben.

Überdurchschnittlich gute Ergebnisse fuhr Daniela Ludwig mit über 45 Prozent in Lohholz, im Bereich östlich der Carl-Jordan-Straße und westlich der Brückenstraße ein, bei über 50 Prozent landete sie in Pullach (50,8) und im Briefwahlbezirk für Lohholz und die Siedlung (52,6 Prozent).

SPD musste Platz
zwei „räumen“

Leichte Verluste gegenüber 2013, aber immer noch über dem landkreisweiten Durchschnitt: das Ergebnis der SPD in der Mangfallstadt. 13,4 Prozent der Erststimmen (-0,75) und 13,5 Prozent der Zweitstimmen (-3,7) konnte die Partei um ihren Direktkandidaten Abuzar Erdogan erringen. Und dennoch: Platz zwei hinter der CSU musste die SPD in Kolbermoor „räumen“. Deutlich mehr Stimmen entfielen auf die AfD, die damit zweitstärkste Kraft im Kolbermoorer Abstimmungsverhalten ist.

Einzig in einigen wenigen Wahlbezirken blieb die SPD auf Platz zwei hinter der CSU: westlich der Brückenstraße (17,2 Prozent Erststimmen) sowie in zwei Briefwahllokalen (Carl-Jordan-/Brückenstraße und südlich der Staatsstraße).

Die Zugewinne, die die AfD gegenüber 2013 in der Mangfallstadt erreichen konnte, sind enorm: ein Plus von 11,8 Prozentpunkten bei den Erststimmen für Direktkandidat Andreas Winhart (16,6 Prozent); bei den Zweitstimmen +12,1 auf 17,7 Prozent. Immerhin 1798 Kolbermoorer haben der AfD ihre Stimme gegeben. Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 76 Prozent (13433 Wahlberechtigte; 2013: 66,6 Prozent).

Dabei hatte die AfD in Kolbermoor offenbar reine „Hochburgen“: Im Wahlbezirk Lohholz, aber auch in Kolbermoor-Ost (Filzenstraße, Am Graben, Karolinenhöhe) und in Teilbereichen der Innenstadt sowie in Mitterhart kam Winhart auf über 20 Prozent. „Spitzenreiter“: das Wahllokal Trachtenheim Angerbauerstraße mit 20,8 Prozent. Zweitstimmen erreichte die AfD in Lohholz und Kolbermoor-Ost gar über 23 Prozent.

Die Plätze vier und fünf machen sich in Kolbermoor FDP und Grüne streitig: Bei den Erststimmen hat Grünen-Kandidat Korbinian Gall mit 7,7 Prozent die Nase vorn; Michael Linnerer (FDP) kam auf 7,1 Prozent. Bei den Zweitstimmen liegt in Kolbermoor die FDP auf Platz vier mit knapp 10 Prozent (+2,9), Grüne knapp 8Prozent (+3,4). FDP-„Hochburg“ scheint die Innenstadt (Wahllokal Rainerstraße) zu sein: wo die Liberalen mit 13,8 Prozent noch vor der SPD liegen (Zweitstimmen). Wahlkreisweit kamen Grüne und FDP auf 10 und 11 Prozent.

Hoher Anteil

an Briefwählern

Hochzufrieden – bis auf einige wenige Ausnahmen beim Auszählen – äußerte sich gestern Kolbermoors Wahlleiter Albert Paukert über den Verlauf des Wahltags: „Ein ganz normaler Wahltag ohne besondere Vorkommnisse.“ Das erste Endergebnis, ein Briefwahllokal, lag bereits um 19.15 Uhr vor; Wermutstropfen und einsames Schlusslicht war indes ein Wahllokal in der Pauline-Thoma-Schule, das erst um 21 Uhr lieferte.

Deutlich erhöht hat sich bei der jüngsten Wahl der Anteil der Briefwähler: 3677 Wahlunterlagen waren im Rathaus ausgegeben worden, 3554 kamen zurück (2013: rund 2800 Briefwähler). Dementsprechend hatte Paukert die Einteilung der Wahlbezirke im Vorfeld bereits umgestellt (wir berichteten) und unter anderem sechs Briefwahllokale eingerichtet. Diese Neueinteilung hätte sich bewährt und sei nun auch für die Landtagswahlen im kommenden Jahr (September 2018) so vorgesehen.

„Besonders große Besitzstandsängste“

Das sinkende Vertrauen der Wähler in die Volksparteien und der enorme Zuspruch, den die AfD vor allem in Kolbermoor erfährt, wo sie landkreisweit Spitzenreiter und deutlich zweitstärkste Kraft ist, treibt Bürgermeister Peter Kloo (SPD) Sorgenfalten ins Gesicht. Gerade in den klassischen Siedlungsgebieten wie Lohholz und im Kolbermoorer Norden war der Zuspruch für die AfD außerordentlich groß. Wir haben mit dem Bürgermeister über diese besonderen Ergebnisse der Bundestagswahl gesprochen:

Gibt es eine Erklärung für über 20 Prozent AfD im Kolbermoorer Norden und in Lohholz?

Kloo: „Möglicherweise sind dort die Besitzstandsängste besonders groß, die AfD hat eben diese Verlustängste sehr stark angesprochen. Eventuell ist dieser Aspekt von den anderen Parteien nicht ernst genug genommen worden. Doch gerade für die Volksparteien ergibt sich das Problem, dass die drängenden Fragen eben nicht mit Ja oder Nein beantwortet werden können, wie es die AfD gern macht. Es gibt jeweils ein Riesenpaket an Sichtweisen, doch der Bürger ist oft nicht dazu bereit, sich das anzuhören.“

Landkreisweit ist Kolbermoor mit 17,7 Prozent AfD-Spitzenreiter: Worin mag das begründet sein?

Kloo: „Zum einen haben wir hier in Kolbermoor eine sehr heterogene Bevölkerungsstruktur, zum anderen gibt es viele Ängste durch Themen wie Wohnungsnot, Zuzug etc. Wir hatten in der Vergangenheit immens hohen Zuzug, was starke Veränderungen mit sich bringt, was wiederum zu Ängsten führt. Hinzu kommt, dass die AfD viele Protestwähler angezogen hat, die einfach nur ihren Frust kundtun wollten.“

Führt das Ergebnis zu Konsequenzen auf kommunaler Ebene beziehungsweise ist vor Ort ein Gegensteuern möglich?

Kloo: „Nein. In der Kommunalpolitik finden diese platten Parolen der AfD keine Angriffspunkte mehr, weil es um Konkretes geht. Hier geht es um Sachfragen und um Ergebnisse, die es nachzuweisen gilt.“

Interview: Rosi Gantner

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