Stadtentwicklung

Bürger zeigten offene „Baustellen“ auf

von Redaktion

Wo liegen die Pluspunkte Kolbermoors? Was muss noch angepackt werden? Mit diesen und weiteren Fragen zur Stadtentwicklung beschäftigte sich die „Bürgerwerkstatt“, die jüngst im Rathaus stattfand und die großen Anklang fand.

Kolbermoor – Kolbermoor ist, was Stadtentwicklung angeht, in den letzten Jahren wahrlich kein unbeschriebenes Blatt gewesen. Seit Beginn der Umbauarbeiten auf dem Gelände der alten Spinnerei hat sich insbesondere die westliche Innenstadt stark gewandelt. Mit dem Großprojekt „Bahnhof“ ist nun der Startschuss für das Blickfeld des historischen Stadtkerns und der östlichen Innenstadt gefallen. Auch hier gilt es in Zukunft, neue Wege zu gehen um Verkehr, Wohnungsbau und Geschäftsleben weiter zu verbessern.

Für die Stadt Kolbermoor ist dies Grund genug, schon jetzt in einer frühen Phase der Planungen alle Bürger am Prozess zu beteiligen. So begrüßte Bürgermeister Peter Kloo eine ansehnliche Anzahl interessierter Kolbermoorer zur großen „Bürgerwerkstatt“ im Sitzungssaal des Rathauses. Kloo freute sich über die starke Beteiligung und erläuterte zu Beginn die Maßnahmen des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (ISEK), das Kolbermoor schon seit einiger Zeit ins Auge gefasst hat.

Das Konzept dient insbesondere der Festlegung wichtiger städtebaulicher Eckpfeiler, die in den kommenden Jahren sukzessive erreicht werden sollen.

Von Planerseite begleitete Sandra Urbaniak, Architektin und Stadtplanerin, den Nachmittag. Urbaniak erläuterte zunächst die bereits durchgeführte Analyse. Unter Zuhilfenahme verschiedenfarbiger Karten des Innenstadtbereichs erläuterte sie Kenndaten wie Gebäudehöhe, Nutzung und Verkehr. Als Ergebnis der umfangreichen Begehungen und Analysen entstand schließlich eine sogenannte „Qualitätskarte“, die Plätze und Bauwerke hinsichtlich ihrer nach verschiedenen Kriterien festgelegten Qualität beurteilt, sowie eine dazu analoge „Mängelkarte“.

Dabei stützte sich die Beurteilung der Stadtplaner auf einige zentrale Säulen. So wurde Mobilität, insbesondere hinsichtlich Straßenverkehr und Barrierefreiheit, ebenso berücksichtigt wie die Wohnqualität in den von der Rosenheimer Straße zurückgesetzten Nebenstraßen. Ein besonderes Augenmerk wurde auch auf die Geschäftshäuser in der „ersten Reihe“ gelegt, die gemeinsam mit den Wohnhäusern die Kategorie „allgemeine Baustruktur“ bilden.

Schlussendlich waren auch generationenübergreifende Freizeitanlagen im Sinne öffentlicher Plätze eine Kriterienkategorie. Mittels der fachmännischen Begehungen wurden einige neuralgische Punkte des Stadtzentrums ausgelotet, an denen ein städtebaulicher Einsatz notwendig wäre. Urbaniak nannte hier insbesondere das Gelände um den Spinnereikreisel als westlichen Abschluss der Innenstadt, die gesamte Rosenheimer Straße als wichtigsten Verkehrsweg sowie das bereits im Umbau befindliche Umfeld des Bahnhofes.

Im Übrigen decken sich diese Experteneinschätzungen auch mit den Ergebnissen der durchgeführten Online-Bürgerbefragung. Bürgermeister Kloo wies ebenfalls auf diese erfolgreiche Methode der breiten Datenerfassung hin und erhoffte sich von der nachfolgenden offenen Diskussionsrunde wertvolle „Inputs“ seitens der Bevölkerung, auch im Hinblick auf zukünftig festzulegende Wettbewerbsvorgaben.

In der Tat entspann sich im Rathaussaal an die Ausführungen der Stadtplanerin anschließend eine sehr lebhafte Diskussion, an der sich beinahe alle Anwesenden mit Freude beteiligten. Unter den Redebeiträgen waren viele Wünsche und Anregungen, aber auch Lob und Kritik hinsichtlich bereits bestehender Anlagen. Ein zentraler Wunsch betraf beispielsweise die Situation in der Rosenheimer Straße. Während eine Bürgerin fehlende Querungsmöglichkeiten und ungünstige Ampelschaltungen monierte, wiesen andere auf die Parkmöglichkeiten vor den Geschäften hin und wünschten sich eine Entlastung vom allgegenwärtigen Schwerlastverkehr.

Bürgermeister Kloo konnte bei einigen Themen Zusagen machen, erläuterte aber auch Grenzen der städtischen Einflussnahme, als beispielsweise von mehreren Anwesenden die unansehnliche Farbgebung einiger Innenstadtgebäude angesprochen wurde.

Zur allgemeinen Belebung der Innenstadt schlug eine Bürgerin die Etablierung von Märkten vor, „die zur Abwechslung keinen Eintritt kosten“ und wies auf das fehlende Angebot für Jugendliche und junge Erwachsene hin.

Stadt mit vielen

positiven Aspekten

Einig waren sich die Anwesenden, die nach positiven Aspekten des Stadtbildes gefragt wurden. Die gut sortierte Stadtbibliothek, das Tonwerksgelände oder die frisch restaurierte Arbeitersiedlung waren nur einige der begeisterten Nennungen.

Schlussendlich füllten die Anregungen der Bürger zwei große Flipcharts und bilden so nun eine solide Grundlage für den weiteren Entscheidungsprozess.

Zum Abschluss des Nachmittags luden Urbaniak und Kloo zur Besichtigung vieler Stellen ein, die im Rahmen der Diskussion genannt wurden. In einem kleinen Stadtrundgang vom Rathaus über die Rosenheimer Straße zum Bahnhof, weiter zur Kirche und zurück zum Rathaus bestand nochmals Gelegenheit, spezielle Fragen zu erörtern und Wünsche zu äußern, was von den Anwesenden gerne genutzt wurde.

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