Kolbermoor – Am Brennerbasistunnel wird in Österreichs Tiefen seit Jahren auf Hochtouren gearbeitet – und die Bauarbeiten schreiten gut voran. Über die neue Tunnelstrecke sollen künftig Güterzüge schneller – und vor allem wesentlich mehr den Brenner überqueren können. Klares Ziel: Den Lkw-Verkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern.
Für das Inntal und die Region Rosenheim bedeutet das: Der Güterzugverkehr wird höchstwahrscheinlich zunehmen, davon sind zumindest die Experten überzeugt, unter anderem Karl Fischer vom Logistik-Kompetenz-Zentrum Prien, der sich mit Güterverkehr auf der Schiene intensiv befasst.
Wie also auf das Mehr an Güterzügen reagieren? Die Deutsche Bahn sieht die Lösung in einer neuen Zulauftrasse durch die Region Rosenheim – ob im Westen oder Osten, alles offen. Lediglich Voruntersuchungen fanden bislang statt, die grobe Korridore, wo überhaupt Bahntrassen möglich wären, ergaben. Und die Aufregung darüber war in einzelnen Gemeinden bereits groß (wir berichteten).
Deutsche Bahn und Bund setzen nun auf Dialog: Sie wollen Kommunen, Bürger, Initiativen einbinden, mit ihnen Lösungsvorschläge diskutieren, Möglichkeiten abklopfen. In sogenannten Gemeindeforen sollen Vertreter auf lokaler Ebene eingebunden werden, übergeordnet dann ein Regionalforum – und das alles gesteuert durch einen Lenkungskreis. „Diese Form der Öffentlichkeitsbeteiligung hat sich nach Aussage der Projektverantwortlichen bereits bei mehreren internationalen Großprojekten bewährt, unter anderem beim Gotthard-Tunnel“, erläuterte Bürgermeister Peter Kloo in jüngster Sitzung des Stadtrates, wo der mögliche Nordzulauf zum Brennerbasistunnel Thema war. Denn: Auch Kolbermoor ist im „erweiterten Planungsraum“ von möglichen Trassenplänen betroffen – ebenso wie die Nachbargemeinden Bad Aibling, Großkarolinenfeld, Bad Feilnbach, aber auch Tuntenhausen, Rosenheim, Schechen, Vogtareuth, Prutting, Stephanskirchen, Riedering und Rohrdorf.
Gemeinden aus Ost und West im Dialog
Eben diese Kommunen wurden nun in Vorbesprechungen in zwei Gemeindeforen aufgeteilt – wobei die Unterteilung querbeet und nach bewährtem Prinzip erfolgte: Jeweils Gemeinden östlich wie auch westlich des Inns sind in einem Forum vertreten, um differenziert diskutieren zu können. „Wären in einem Forum, wie von einigen Bürgermeistern gefordert, alle Ostgemeinden vertreten, im anderen alle Westgemeinden, ergäbe sich kaum eine ernsthafte Diskussion, weil man sich eh einig wäre, die Trasse soll lieber bei den anderen verlaufen“, gab Bürgermeister Kloo Einblick in die Vorberatungen.
Somit ist Kolbermoor nun mit Bad Feilnbach, Rosenheim, Stephanskirchen, Riedering und Rohrdorf in einem Forum; das zweite Gemeindeforum besteht aus Bad Aibling, Tuntenhausen, Großkarolinenfeld, Schechen, Prutting und Vogtareuth. Die Kommunen müssen dazu nun jeweils vier Vertreter benennen, die sie im Forum repräsentieren sollen – „wobei ausdrücklich nicht nur Stadträte gewünscht sind, sondern auch Vertreter aus Wirtschaft, Landwirtschaft, aus den Verbänden, wichtig wäre mir auch der ÖPNV“, so Kloo.
Doch wen entsenden? Um Vorschläge bat der Bürgermeister in der Sitzung zum einen die Stadträte – zum anderen sind auch Vorschläge aus der Öffentlichkeit willkommen. Wer letztendlich dann entsandt wird, das behält sich allerdings der Stadtrat vor. In der Oktober-Sitzung (25. Oktober) soll die Entscheidung fallen, weil die Gemeindeforen im November ihre Arbeit aufnehmen sollen. „Der Zeitplan ist straff, es bleibt etwa ein Jahr Zeit, aber es wird sicher auch spannende Diskussionen geben“, ist Kloo überzeugt.
Gezielt junge Menschen ansprechen würde gerne Andrea Rosner (Grüne), schließlich handle es sich um eine Zukunftsaufgabe. „Es wäre schön, wenn sich dafür Jugendvertreter fänden.“
Für Vorschläge:
Beteiligung der
Öffentlichkeit
Dagmar Levin (SPD) legt vielmehr Wert darauf, Vertreter mit einer gewissen Persönlichkeit zu entsenden – „denn die Diskussionen, vor allem mit den notorischen Gegnern Stephanskirchen und Rohrdorf, werden hart sein.“ Angetan zeigte sie sich, die Öffentlichkeit an der Suche nach geeigneten Vertretern zu beteiligen. „Mit Bürgerbeteiligung haben wir in Kolbermoor bereits gute Erfolge erzielt.“ Auch Dieter Kannengießer (Parteifreie) begrüßte die Vorschläge hinsichtlich Bürgerbeteiligung und das Einbinden der Jugend.
Die CSU um Sebastian Daxeder legt indes Wert darauf, im Vorfeld gewisse Positionen mit den zu entsendenden Vertretern abzustimmen, schließlich würden sie Kolbermoor vertreten. „Wir sollten unsere Interessen sammeln und bündeln.“ Bürgermeister Kloo verwies indes auf die ergebnisoffene Form der Dialogkreise. Natürlich würden aber im Verlauf des Dialogs Rückkopplungen stattfinden. „Es geht einzig und allein darum, eine mögliche Trasse zu finden und die jeweiligen Vor- und Nachteile abzuwägen“, führte Kloo aus und fügte hinzu: „Und die letzte Entscheidung wird bei einem derartigen Großprojekt nicht bei uns und auch nicht beim Bund oder der Deutschen Bahn liegen, sondern beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig.“