Herr Franke, Sie können auf 20 abwechslungsreiche Jahre als Kirchenmusiker in der Stadtkirche Kolbermoor zurückblicken. Welche Ereignisse sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
In so einer langen Zeit hat sich natürlich vieles ereignet, was einem im Gedächtnis bleibt. Schön ist es immer, wenn nach einer intensiven Zeit der Vorbereitung, des Probens und Übens eine musikalische Aufführung oder eine Gottesdienstgestaltung gut gelingen. Ein außergewöhnliches Ereignis war natürlich die Feier der Orgelweihe 2012 in Wiederkunft Christi, denn hier war ja die Vorlaufzeit besonders lang, aufwendig und intensiv. In Erinnerung geblieben sind mir über die Jahre auch Begegnungen und Konzerte mit vielen anderen Chören und Gruppen aus der Region, aus In- und Ausland und – auch das bleibt ja leider nicht aus – das Gedenken an liebe Menschen, die schon verstorben sind, denen man aber oft viel zu verdanken hatte.
Welchen Stellenwert hat die Musik im Gottesdienst für Sie?
Musik ist ja immer eine Herzenssache. Wenn man nicht mit Begeisterung dabei ist, wird eine Musik bei allem Können nicht gut gelingen. Zweitens gehört vor allem im Gottesdienst viel Einfühlungsvermögen und Achtung der Liturgie dazu. Dann kann Kirchenmusik dazu beitragen, „die Herzen mächtig zu Gott und zum Himmel emporzuheben“, wie es in den Texten des II. Vatikanischen Konzils so schön blumig heißt. Man stelle sich zum Beispiel nur einmal eine Festmesse an Weihnachten ohne Musik und Gesang vor: Hier zeigt sich dann ganz klar, dass die Musik ein wesentlicher Bestandteil der Liturgie ist und nicht ein bloßer Zierat oder eine banale Umrahmung. Dies in einer adäquaten Art zu gewährleisten, war und ist meine Aufgabe als Kirchenmusiker. Damit verbunden ist für die Zukunft auch der Wunsch, dass weiterhin viele Kolbermoorer sich für Musik begeistern können und auch entgegen dem allgemeinen Trend des „Sich-nicht-verpflichten-Wollens“ aktiv in den Chören mitsingen, ihre Kinder in den Kinder- oder Jugendchor schicken, wo sie eine qualifizierte Anleitung erhalten.
Sie sind seit einigen Jahren auch Vorsitzender des Kulturvereins „pizzicato“ Kolbermoor, der in jeder Saison nicht nur kirchliche, sondern auch weltliche Veranstaltungen organisiert. Wie ist es zu dieser besonderen Mischung gekommen?
Das hat alles mit der „Aktion Pfeifenorgel für Wiederkunft Christi“ angefangen: Auf der Suche nach Ideen, um Spenden für das Orgelprojekt zu sammeln, haben wir viele Musiker und Künstler angesprochen. Viele haben mit ihren Benefizveranstaltungen dabei mitgeholfen. Ab dem Jahr 2004 haben wir „pizzicato“ aus der Taufe gehoben und so dem „Kind“ einen Namen und einen Rahmen gegeben. Durch glückliche Fügung konnten wir dann Gerhard Polt und auch „Herbert & Schnipsi“ in den Mareissaal bekommen. Dadurch erzielten wir größere Aufmerksamkeit und ein breiteres Publikum, von da an bekam das Ganze eine gewisse Eigendynamik, der Orgelbauverein ging über in den „pizzicato Kulturverein Kolbermoor“, der mit diesem – wie ich finde – gelungenen Mix aus Konzert und Kabarett ein wichtiger Kulturträger in Kolbermoor geworden ist und für ein breit gefächert interessiertes Publikum Angebote macht. Auch die jetzt beginnende neue Spielzeit folgt natürlich wieder diesem Grundkonzept.
Interview: Leonhard Sedlbauer