„Wunderblätter aus Kolbermoor“

von Redaktion

Traditionelle heimische Gewerbebetriebe mit langer Firmengeschichte gehören zum geschäftlichen Leben einer jeden Stadt – so auch in Kolbermoor. Eines der ältesten Unternehmen der Mangfallstadt, die Firma Kohnle in Lohholz, ein Spezialist für Kreissägeblätter und Hartmetall-Werkzeuge, kann in diesem Jahr auf 60 Jahre Betrieb zurückblicken.

Kolbermoor – Die Geschäftsleitung nahm das 60-jährige Bestehen zum Anlass, gemeinsam mit aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern, Freunden und Geschäftspartnern dieses Ereignis festlich zu begehen.

Nach der Begrüßung durch Geschäftsführer Michael Kohnle, der bereits die dritte Familiengeneration in der Firma repräsentiert, bot sich die Gelegenheit, die Produktionsstätten und das Firmengelände bei einer Betriebsbesichtigung näher in Augenschein zu nehmen.

Interessiert nahmen dabei insbesondere die nicht mehr aktiven Mitarbeiter Veränderungen und Altbekanntes in den Werkshallen zur Kenntnis. Als besonderen Einfall hatte man parallel auch eine Führung für die Kinder der Mitarbeiter organisiert, die an vielen Maschinen, an denen sonst ihre Väter und Großväter arbeiten, nun einmal selbst Hand anlegen durften.

Nach der Besichtigung und einem gemeinsamen geselligen Abendessen unternahm Michael Kohnle, unterstützt von einer liebevoll zusammengestellten Fotopräsentation, einen kurzweiligen Streifzug durch die wechselvolle Firmengeschichte.

So erfolgte die Gründung der Firma durch Gerhard Kohnle im Jahr 1957 noch in einer kleinen Garage in der Brückenstraße. Nach dem Weggang eines anfänglichen Teilhabers bemühte man sich dann jedoch schnell um größere Räumlichkeiten und errichtete die ersten Gebäude am heutigen Firmensitz in Lohholz. Im Jahrhundertwinter 1962/63 konnten diese dann bezogen werden.

Schon im Jahr 1965 sorgte die Firma, die sich auf Hartmetallprodukte wie beispielsweise Sägeblätter spezialisiert hatte, auf der Messe in Hannover erstmals für Aufsehen – die nationale Fachpresse sprach damals sogar von den „Wunderblättern aus Kolbermoor“. Nach dem Eintritt vieler verdienter Mitarbeiter und mehreren Erweiterungen der Produktionsanlagen wurden besonders in den 70er-Jahren wegweisende Investitionen getätigt.

Mit Anschaffungen modernster Geräte hielt und hält die Firma auch heute noch stets Schritt mit der aktuellen Entwicklung. Im Jahr 1996 wurden Produktion und Firmenanlagen in zwei eigenständige GmbH überführt, eine Maßnahme, die sich im Jahr 2008 als äußerst weitsichtig erwies. Durch die weltweite Finanzkrise, die von den USA ausgehend auch den deutschen Markt erfasste, brach der Umsatz der Firma abrupt um gut 50 Prozent ein, woraus aufgrund der kurzen Lieferfristen und der zeitnahen Produktion bereits binnen weniger Wochen erhebliche Schwierigkeiten resultierten. In noch weitgehend unverschuldetem Zustand entschied man sich zum Gang in die Insolvenz, wodurch die Firma erstmals seit Gründung zeitweise nicht mehr in den Händen der Familie Kohnle lag. Doch aufgrund guter Beratung und einem glücklichen Händchen bei der Geschäftsführung konnte bereits Anfang 2009 eine vergleichsweise vorteilhafte Planinsolvenz mit Eigenverwaltung, bei Firmen dieser Größenordnung eigentlich weniger üblich, angetreten werden. Im September 2009 wurde man wieder in die Solvenz entlassen.

Die folgenden Jahre waren geprägt vom Wiederanfang, Mitarbeiter wurden eingestellt, eine 2007 begonnene neue spektakuläre Marketingkampagne zum Thema „Bodypainting“ weiter ausgearbeitet und das Lager- und Produktionssystem mittels ID-Chips modernisiert. Seit 2012 ist man mit der Abteilung „iblade“ auch in der Softwareentwicklung für Maschinenprogramme tätig und konnte hier bereits einige Kunden gewinnen.

Kohnle-Neuerung:
Geklebte Sägezähne

Auch technisch geht man in den letzten Jahren neue Wege, etwa mit geklebten statt gelöteten Sägezähnen, mit denen man aktuell ein weltweites Alleinstellungsmerkmal besitzt. Möglich gemacht hätten diesen Aufschwung die zahlreichen treuen Mitarbeiter, die teilweise über Jahrzehnte hinweg der Firma treu geblieben sind, so Kohnle. Das Kolbermoorer Unternehmen beschäftigt aktuell knapp 40 Mitarbeiter.

Aktuell liegt der Export-Anteil des Unternehmens bei 50 Prozent – weltweit werden die Produkte „made in Kolbermoor“ ausgeliefert, darunter neben Europa auch nach Russland, Südafrika, die Arabischen Emirate, die USA, Indien etc. „Sogar im Busch wird mit unseren Sägeblättern geschnitten“, schmunzelt Kohnle.

Mit einem kleinen Präsent bedankte sich die Geschäftsleitung insbesondere bei denjenigen, die aus der Rente zur Jubiläumsfeier gekommen waren. Im Gegenzug dankte auch die aktive Belegschaft für viele gemeinsame Jahre in einem hervorragenden Betriebsklima mit einer eigens hergestellten Metallskulptur.

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