Auch bei Pferden stellt sich die Frage nach dem Gewicht

Die mobile Waage sorgt für Klarheit

von Redaktion

Immer mehr Pferdebesitzer und Reiter kümmern sich nicht nur um das eigene Gewicht, sondern auch um das ihres vierbeinigen Lieblings: Ist er zu dick, zu dünn – und wieviel wiegt er genau, so dass auch Medikamente oder Wurmkuren passend dosiert werden könen? Antworten dazu kann die mobile Pferdewaage liefern, die jetzt auf einer Reitanlage in Schlarbhofen zu Gast war.

Kolbermoor – Brigitte Lummer ist seit 2012 Einstellerin im Aktivstall von Christine und Franz Schlarb und organisiert seither zweimal im Jahr den Besuch der mobilen Pferdewaage von Beate und Albin Strahl aus Rettenbach. Diesmal haben sich 13 Pferde angemeldet; einige kommen auch aus Nachbarställen. Ihren Besitzern ist das Wissen um das Gewicht ihrer Pferde wichtig: Sind sie zu schwer, werden Sehnen und Gelenke beispielsweise über Gebühr belastet. Das Gewicht wird in einem eigenen Wiegepass vermerkt. Dazu können die Wiege-Profis auf Wunsch auch eine BCS-Bestimmung übernehmen – hier geht es um den „Body Condition Score“ des Pferdes. Dabei wird das Pferd in sechs Zonen eingeteilt (Hals, Schulter, Rücken, Brustwand, Hüfte und Schweifansatz), und jede dieser Zonen wird auf Fett- und Muskelgehalt geprüft. Jeder Bereich wird bewertet (von 1 – extrem mager bis 9 – extrem fett). Der Durchschnittswert, so Albin Strahl, sollte bei einem Freizeitpferd nicht über 6 sein; bei einem Turnierpferd sollte er sich sogar bei 4 bis 5 bewegen.

Strahl hat festgestellt, dass die Pferdebesitzer immer bewusster auf das Gewicht ihres Tieres achten. Früher habe es mehr übergewichtige Pferde gegeben, die von ihren Besitzern aus falsch verstandener „Tierliebe“ viel zu viel Futter erhalten hätten. Mit den Pferden in Schlarbhofen ist er zufrieden: Prinzi, der Lewitzer Schecke, hat zehn Kilogramm abgenommen, kommt jetzt noch auf 566 Kilo (er war schon bei 604). Haflingerstute Maja hat zwar zugenommen – aber sie ist ja auch trächtig. Auch mit Leonardo, Oriquito, Jana, Wilson, Jimmy, Cilli, Anna und den anderen schaut es gut aus. Auf Wunsch gibt Strahl auch Fütterungsempfehlungen, die gerade in einem Aktivstall genau umgesetzt werden können: Die Pferde erhalten hier chipgesteuert die individuell-exakte Menge an Futter.

Beate und Albin Strahl betreiben ihre Pferdewaage seit 2004, nachdem sie einen entsprechenden Artikel in einer Fachzeitschrift gelesen hatten. Sie wollten immer nebenbei noch etwas mit Pferden zu tun haben, kauften sich die erforderliche Technik und begannen einfach, Pferde zu wiegen. Das erste Pferd, das ihre Waage betrat, war Gereo, ihr eigener Quarter Horse-Wallach.

Mundpropaganda sorgte für ein stetes Anwachsen des Kundenstammes. Seit 2007 firmieren die Niederbayern unter „Bayerns Pferdewaage“, und sie sind inzwischen jedes Wochenende unterwegs: in kleinen Privat- ebenso wie in großen Turnierställen, bei Turnieren oder Hoffesten. Das leichteste Pferd war ein Minishettyfohlen, das nur knapp 48 Kilogramm auf die Waage brachte; das schwerste war ein Kaltblut mit über 1100 Kilogramm. Das Pferd muss nur eine Sekunde ruhig auf der Waageplattform stehen, dann ist das Gewicht mit digitaler Technik ermittelt. Hat der Hof keinen Strom, wird mittels Akku gewogen. Denn: „Wir wiegen alles!“, lacht Albin Strahl. „Wir haben auch schon Ochsen, Hunde, Katzen oder Heuballen gewogen!“

Beate und Albin Strahl betreiben die Pferdewaage im Nebenerwerb. Sie haben zu Hause noch einen Aktivstall mit knapp 40 Pferden; Beate Strahl gibt auch Reitunterricht und trainiert in Bodenarbeit. Die gelernte Krankenschwester arbeitet in ihrem Beruf auch noch halbtags; Albin Strahl ist zudem ausgebildeter Hufpfleger und Huftechniker. Ihre Söhne Michael und Andreas unterstützen sie bei der Pferdewaage und auch bei der Arbeit auf dem Hof.

Da die beiden – und ihre Mitarbeiter – also Pferdeprofis sind, haben mögliche Waage-Verweigerer bei ihnen auch keine Chance: „Wenn ein Pferd nicht auf die Waage steigt, liegt das meist an der Ungeduld der Besitzer – oder nur an deren Angst, dass das Pferd nicht auf die Waage steigen wird. Das erfüllt sich dann,“ so Albin Strahl. Lässt man dem Pferd Zeit und Ruhe, dass es sich das vielleicht noch unbekannte Objekt anschauen kann, steigt es auch auf die Waage. Und bei den nächsten Terminen ist es fast schon selbstverständlich…

Nachdem die Pferde in Schlarbhofen inzwischen längst Wiegeprofis sind, brauchen Strahl und sein Mitarbeiter Manfred für das Aufbauen der Waage, das Wiegen von 13 Pferden mit Ausfüllen des Passes und dem BCS-Bestimmen sowie dem Abbau der Technik gerade eine Stunde. Dann geht es weiter zum nächsten Hof – „bei dem die Pferde hoffentlich auch wieder so gut kooperieren“, wünschen sich die beiden.

Artikel 2 von 9