Kolbermoor – Zur Soiree des Blockflötenquartetts der Stadtsing- und Musikschule Kolbermoor fand sich ein überaus zahlreiches Publikum im Saal des Alten Rathauses ein. Begrüßt wurden die Anwesenden dann aber nicht nur vom Quartett in seiner aktuellen Besetzung, sondern von Spielern der ersten Stunde: Für Susanne Sedlbauer, Beate Ludwig, Elisabeth Hopp und Eduard Berger war dies ein kleines „Revival“ ihres langjährigen Zusammenspiels. Mit der doppelchörigen Canzone des frühbarocken Komponisten Girolamo Frescobaldi erfüllten beide Gruppen den Raum mit sehr vollem Klang und sorgten für einen stimmungsvollen Beginn.
Auch das Programm des jetzigen Ensembles bewegte sich in den folgenden Nummern in der Epoche der Renaissance und des Barock, in denen die Blockflöte, noch nicht von der Querflöte abgelöst, ihre Blütezeit erlebte. Äußerst vielfältig waren die kurzen Melodien der „vier altpolnischen Tänze“ eines anonymen Komponisten, die in unterschiedlichen Tempi gehalten, dennoch sehr belebt wirkten.
Stilistisch ähnlich folgten die „alten Tänze“ von Jan van der Roost, bei dem es sich jedoch um einen zeitgenössischen Komponisten handelt, der die Blockflöte nach altem Stil neu interpretiert. Mit drei weiteren Tänzen, einer fröhlichen Bourée, einer getragenen Sarabande und einem frisch gespielten Rigaudon aus der Oper „Rodrigo“ von Georg Friedrich Händel beendeten Julia Horvath, Annika Schmid, Anna Riedl und Franziska Korn den „historischen Teil“.
Der folgende Programmpunkt zeigte, dass die Blockflöte neben dem Zusammenspiel der Stimmen auch hervorragend als Soloinstrument eingesetzt werden kann. Mit hervorragender Präzision meisterte Solist Josef Kreidt, am Klavier begleitet von Elisabeth Riedl, zwei Sätze aus dem „Concerto in C“ von Antonio Vivaldi auf der Sopranino, der kleinsten und tonhöchsten Vertreterin der Familie der Blockflöten. Nach dem wehmütigen Largo nötigte das Allegro mit seinen sehr schnellen und komplizierten Läufen dem Publikum Bewunderung ab. Folgerichtig wurde das Programm an dieser Stelle von langem Beifall für den jungen Solisten unterbrochen.
Der zweite Teil des Abends widmete sich der moderneren Musik, in der die Blockflöte aus ihrem „Dornröschenschlaf“ in der Klassik und der Romantik wiedererweckt wurde. Nach den präzise und akzentuiert gespielten drei Rondos von Richard Klein folgte mit den fünf kurzen Tanzsätzen von Heinz Lau sozusagen das „Glanzstück“ des Ensembles, das in den recht unterschiedlichen Sätzen die ganze Palette seines Könnens unter Beweis stellen konnte.
Eine sanfte, klingende Fantasie von Stanley Taylor ließ das Publikum nochmals durchatmen, ehe das Programm mit Jazz- und Popmusik einen ebenso ungewöhnlichen wie mitreißenden Schlusspunkt fand. Bei der „Jazzy Fuge“ von Glenn Shannon stellten zur Abwechslung die tiefen Stimmen die Melodie vor, auf deren Basis dann die Alt- und Sopranblockflöte einsteigen konnten.
Der mitreißenden „Pop Tune“ des Niederländers Dizzy Stratford folgte zuletzt das Stück „In high spirit“ von Jacob Bürthel, dessen Titel durchaus wörtlich auf Programm und Spielart des Abends angewendet werden darf. Bei allen drei Stücken wurden die Flöten durch Dietmar Stephan am Schlagzeug vielfältig und rhythmisch unterstützt.
Durch das Programm des Abends führte auf unterhaltsame Weise der vormalige Leiter der Musikschule, Eduard Berger, dem die Blockflöten immer ein besonderes Anliegen geblieben sind, wofür er am Ende auch ein kleines Präsent der Spielerinnen und den verdienten Applaus des Publikums entgegennehmen konnte. Berger ließ es sich dann auch nicht nehmen, „sein“ Quartett in der fünfstimmigen Zugabe persönlich zu unterstützen.sel