Bauprojekt am Hassler-Kreisel

Buche: Neues Grün soll Wunden heilen

von Redaktion

Gewaltig war der Protest gegen die drohende Fällung der Blutbuche am Hassler-Kreisel. Der Baum soll einem Wohn- und Geschäftshaus Platz machen. Das Interesse am Dialog mit den Investoren war jetzt allerdings verschwindend gering – nur wenige Bürger nutzten das Angebot, sich über das Projekt und die Ausgleichsmaßnahmen zu informieren.

Kolbermoor – Die noch freie Fläche am Hassler-Kreisel auf dem Gelände der Alten Spinnerei soll bebaut werden: Nach Vorstellung der Investoren von Werndl & Partner mit einem Wohn- und Geschäftshaus samt „grünem“ Innenhof. Läden, Büroflächen und kleine Wohnungen beziehungsweise Boardinghouse-Appartements sollen entstehen.

Was jedoch die Gemüter, insbesondere in der Bevölkerung erhitzt: Dass die mächtige Blutbuche dem Projekt weichen müsste. Der Stadtrat hatte dazu bereits, wenn auch knapp mit einer Stimme Mehrheit, „grünes Licht“ gegeben (wir berichteten). Dennoch hatten Grüne Liste und Bund Naturschutz Unterschriften für den Erhalt der Buche gesammelt – und konnten innerhalb kürzester Zeit 1113 im Rathaus abgeben. Der Stadtrat muss nun in nächster Sitzung am kommenden Mittwoch, 25. Oktober, 18 Uhr (Sitzungssaal Rathaus, öffentlich) über diesen „Sammeleinwand“ im Rahmen des Bauleitplanverfahrens entscheiden (offiziell: Bebauungsplanänderung „Spinnerei Nord“).

So groß der Bürgerprotest war, so gering war nun das Interesse am von den Investoren angebotenen Dialog, zu dem Werndl & Partner in die Kunstakademie auf dem Spinnereigelände eingeladen hatten. Lediglich eine Handvoll Bürger fand sich ein, um sich von Architekt Andreas Leupold (Büro LBGO, München) und Landschaftsplaner Peter Rubeck (Büro PLG, Traunstein/Brannenburg) das Projekt sowie die geplanten Ausgleichsmaßnahmen erläutern zu lassen – und gleichzeitig Kritik, Anregungen, Meinung kund zu tun. „Wir hätten mit weit mehr Bürgern gerechnet, schließlich wollten wir ihnen die Gelegenheit zum Dialog bieten“, gestehen denn auch die beiden Geschäftsführer Max Werndl und Florian Eisner. Umso intensiver war indes der Austausch mit den Anwesenden, die sich mit großem Interesse und vielen Detailfragen dem Vorhaben widmeten.

Die Grundzüge der Grünplanung und Ausgleichsmaßnahmen, die für den Wegfall der etwa 60 bis 80 Jahre alten Blutbuche vorgesehen sind, stellte Landschaftsarchitekt Rubeck den Bürgern, wie vergangene Woche bereits im Bauausschuss (wir berichteten), vor. Grundtenor: Es soll mehr Ersatz geschaffen werden, also per städtischer Baumschutzverordnung gefordert. Denn die sähe das Verhältnis 1:1 vor – ein Bäumchen (Umfang 16 bis 18 Zentimeter) als Ersatz für einen Großbaum. Die Investoren aber wollen mehr liefern: statt einem vier neue Bäume, deutlich größerer Stammumfang (30 bis 35 Zentimeter) sowie begrünte Flachdächer (mindestens 50 Prozent der Fläche), ebenso viel Grün am Gebäude und im Innenhof mit Kletterpflanzen, Säulenbäumen und insbesondere der Neuheit Mooswände, die sehr viel Feinstaub und CO filtern würden.

Die neuen Bäume sollen sich zur Baumgruppe auf dem Spinnereiparkplatz „gesellen“ – doch reicht dort der Platz überhaupt aus, fragte sich ein Bürger? Für drei auf jeden Fall, erklärte der Fachplaner, zwei Buchen und eine Silberlinde sollen dort gepflanzt werden; Baum Nummer 4, ein Japanischer Schnurbaum, ein Blütenbaum und „Bienenparadies“, ist gegenüberliegend neben dem „Weihnachtsbaum“ vorgesehen. „Wären alle Bäume dort gleich alt, wäre das Gedränge natürlich groß“, gesteht Rubeck. „Doch das ist eben unsere Idee, die neuen Zehntklässler gewissermaßen neben das Rentenalter zu platzieren, damit sie deren Platz später einnehmen können, wenn wie die mal weg sind.“

Anklang fanden bei den anwesenden Bürgern, darunter ein Vertreter vom Bund Naturschutz Kolbermoor und ein Mitglied der Grünen Liste, das hohe Maß an Ersatzpflanzungen – „sehr löblich“ –, aber auch die weiteren Gedanken für mehr Grün am Gebäude.

Baum nicht

leichtfertig opfern

Architekt Leupold ergänzte diesbezüglich: „Ich bin schon ganz verliebt in den Gedanken, das Thema Grün auch in der Fassade unterzubringen und natürlich auf den Dächern, denn auch ein Dach muss mit Sorgfalt geplant sein.“

Und eine, zu Beginn noch durchaus skeptische Bürgerin gestand schließlich: „Bei genauer Betrachtung würde tatsächlich an dieser Stelle mehr Aufenthaltsqualität entstehen, das Gesamtkonzept gefällt mir schon.“ Auch die weiterführenden Gedanken seien durchaus positiv zu sehen. Mit einer gewissen Erleichterung beteuerte dazu Architekt Leupold: „Sie sehen hier Überzeugungstäter, niemand will hier leichtfertig einen Baum opfern, aber hier geht es um Stadtentwicklung, das Konzept ist rund und auch die Kompensation hat Qualität.“

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