10 Jahre Diadonna Kolbermoor

Hilfestellung und ein Zuhause bieten

von Redaktion

Sie kommen zumeist aus dem Gefängnis oder sind durch Trennung obdachlos geworden – in Kolbermoor finden diese Frauen ein Dach über dem Kopf: in der Wohngemeinschaft „Diadonna“. Das von der Diakonie Rosenheim betriebene Haus feierte jetzt sein zehnjähriges Bestehen.

Kolbermoor – Seit zehn Jahren gibt es „Diadonna“ bereits in der Mangfallstadt, eine Wohngemeinschaft für Frauen „in besonderen sozialen Lebenslagen“ – ob soeben aus der JVA entlassen, durch Trennung oder Scheidung obdachlos geworden, ihnen allen gewährt die Diakonie Rosenheim ein Dach über dem Kopf und weitere Unterstützung.

Der Standort Kolbermoor für die Frauen-Wohngemeinschaft, im Übrigen die einzige im Landkreis Rosenheim, ist purer Zufall, wie Bereichsleitung Mara Homberg im Rahmen der Feierstunde zum zehnjährigen Bestehen zurückblickte: Bis 2007 war in dem Haus an der Königsseestraße im Kolbermoorer Süden die Pension „Alpenblick“ untergebracht. Als diese aufgegeben wurde, erwarb die Diakonie Rosenheim das Gebäude – und funktionierte es zur seit geraumer Zeit gewünschten Wohngemeinschaft für Frauen um. „Für uns ist das Haus ein Glücksfall, absolut optimal“, freut sich Mara Homberg heute noch. Acht Frauen können untergebracht werden, jedes Zimmer verfügt über ein eigenes Bad. Hinzu kommen eine Küche und ein Gemeinschaftsraum im Erdgeschoss, Büros und sogar ein kleiner Fitnessraum im Keller, der von den Frauen ebenfalls genutzt werden kann.

Im Schnitt bleiben die Frauen nach den Worten von Mara Homberg bis zu einem Jahr in der Wohngemeinschaft, manche auch länger. Ziel sei es, zum einen eine eigene Wohnung und einen Arbeitsplatz zu vermitteln, zum anderen eine feste Tagesstruktur. „Darauf legen wir sehr viel Wert“, erklärt Homberg. Dazu zählen vormittags Arbeiten im „Zentrum für Arbeit“ der Diakonie im Kleppergelände Rosenheim mit dem Sozialkaufhaus, dem Kleiderladen und weiteren Einrichtungen; nachmittags Therapie- und Gruppenangebote sowie hauswirtschaftliches Training.

Die Bedeutung der Einrichtung stellte auch Johanna Schilling, Vorständin des Diakonischen Werkes Rosenheim, in ihrem Grußwort im Rahmen der Feierstunde heraus. Insgesamt 80 Frauen wurden in der Wohngemeinschaft in den vergangenen zehn Jahren betreut. 40 dieser Frauen habe man in eine eigene Wohnung vermitteln können, 34 in betreute Wohnformen, teils zurück zur Familie oder zu Freunden. 25 dieser Frauen haben zudem eine Arbeitsstelle gefunden. „Das ist schon eine sehr ordentliche Bilanz in Anbetracht der oft sehr komplexen Problemlagen“, freute sich denn auch Schilling.

Respekt zollte die Diakonie-Vorstandsvertreterin zudem dem Team vor Ort für deren Engagement und die „tolle Arbeit“. Täglich sei hier hohe Kompetenz gefordert. Mara Homberg wiederum dankte natürlich ihrem Team, aber auch den Kooperationspartnern, den Beratungsstellen und Organisationen, von denen zahlreiche Vertreter zur Feierstunde gekommen waren, für die Zusammenarbeit.

Des Weiteren sprach die Bereichsleiterin den Bewohnerinnen ihren Dank aus für die Unterstützung bei der Vorbereitung der Feier – und dass sie den geladenen Gästen bei Hausführungen einen Blick in ihre Zimmer ermöglichten. „Wir haben hier viele mutige Frauen, denen wir die Hand reichen und sie dabei unterstützen, sich ein neues Leben aufzubauen“, unterstrich Mara Homberg.

In einem Fachvortrag ging anschließend Sozialpädagogin Stephanie Braun auf das Thema „Die hat sich doch bestimmt nur gewehrt – wie gewaltausübende Frauen in unserer Gesellschaft betrachtet werden“ ein. Ihr Ziel: Fachstellen und Kollegen zu sensibilisieren, dass nicht immer nur die Männer zu Gewalttaten neigen, sondern durchaus auch Frauen – wenn auch in deutlich geringerer Anzahl. Partnerschaftliche Konflikte müssten deshalb von beiden Seiten betrachtet, die Begründung „Selbstverteidigung“ kritisch hinterfragt werden.

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