Geänderte Bestattungskultur sorgt für geänderte Nachfragen

Neue Urnenwand für Alten Friedhof

von Redaktion

Immer weniger Kolbermoorer wollen in einem Erdgrab bestattet werden. So entsteht im Alten Friedhof momentan eine Urnenwand. Neun Urnenkästen, die mit je zwei Urnen belegt werden können, kommen heuer noch dazu. Nächstes Jahr geht es weiter.

Kolbermoor – Gleich nördlich, in unmittelbarer Nähe der Aussegnungshalle und in einem von Hecken abgegrenzten Teilstück des Friedhofs, haben Mitarbeiter des städtischen Bauhofs das Fundament für die Urnenwand mit Sichtbeton hergestellt; zwei Tage waren sie mit Ausheben, Verschalen und Betonieren sowie dem Anlegen des Pflasterbereichs beschäftigt. Auf das erhöhte Mittelteil kommen heuer noch neun Urnenkästen aus Granit, die Platz also für insgesamt 18 Urnen bieten. Die beiden Seitenflügel werden je sechs Kästen umfassen (zwölf Personen); sie werden im nächsten Jahr errichtet. Jürgen Halder vom Bauamt der Stadt Kolbermoor betont, dass man sich um das Thema Urnengräber ausführlich Gedanken gemacht habe. So wolle man nicht, wie in anderen Friedhöfen oft üblich, eine riesige Urnenwand – eine Art „Klagemauer“ – haben. Nicht nur aus optischen Gründen: In Kolbermoor will man lieber nach Bedarf bauen. Denn: Sollte sich in einigen Jahren der Trend wieder weg von der Urne bewegen, vielleicht auf Richtung Waldbestattung, hätte die Stadt die Wand mehr oder weniger umsonst gebaut. „So haben wir die Kosten besser im Griff,“ betont Halder.

Außerdem ist der Platz im Friedhof generell begrenzt, während andererseits immer mehr Erdgräber aufgelassen werden, sich also Lücken im Gräberfeld auftun. Wenn jetzt zwei oder mehr Gräber, die nebeneinander an einer Hecke stehen, aufgelöst werden, sichert sich die Stadt dieses Areal für eine mögliche kleine Urnenwand. Auch an der Südseite des Friedhofs ist man so bereits fündig geworden.

Da die Stadt die Urnenkästen aus Granit aufstellt, ist für ein einheitliches Erscheinungsbild gesorgt. Der Urnenkäufer erwirbt die Schriftplatte, die er dann aber individuell gestalten kann: in Schriftart, -größe und -farbe. Auch ein Em-blem oder ein Monogramm kann er je nach Wunsch aufbringen lassen.

Die zu beschriftende Platte für die Urnenwand kostet den Käufer momentan 130 Euro. 600 Euro beträgt die Gebühr für eine zehnjährige Nutzungsfrist (zwei Urnenplätze). Ein zweistelliges Urnengrab in der Erde kostet im Alten Friedhof 30 Euro pro Jahr; ein vierstelliges 35 Euro. Im Neuen Friedhof am Rothbachl, so Ulrike Scheugenpflug von der Friedhofsverwaltung der Stadt Kolbermoor, gelten dagegen noch einmal andere Tarife: So kostet das zweistellige Urnengrab hier 43 Euro pro Jahr.

Damit sind die Nutzungsgebühren für Urnen nicht unbedingt günstiger als diejenigen für die „üblichen“ Erdgräber: Ein Familiengrab kostet hier je nach Größe und Lage 73 bis 50 Euro pro Jahr; es kann zwei Erdbestattungen plus zwei Urnen oder vier Urnen aufnehmen. Die großen Familiengräber bieten Platz für vier Erdbestattungen plus vier Urnen oder acht Urnen. Teuer werden diese Gräber, weil ja ein Grabstein erforderlich wird – aber ausschlaggebend für viele, sich für eine Urne zu entscheiden, ist, wie Jürgen Halder und Ulrike Scheugenpflug übereinstimmend betonen, dass die Grabpflege wesentlich erleichtert ist. Oftmals wohnten die Angehörigen auch nicht mehr in der Nähe, um das Grab je nach Jahreszeit zu bepflanzen und zu betreuen.

Gar keinen Pflegeaufwand mehr hat man bei einer Bestattung in einem anonymen Grabfeld, das es inzwischen auch in Kolbermoor gibt. Hier fallen auch keine Nutzungsgebühren mehr an – nur die Bestattungsgebühr.

Die Friedhöfe in Zahlen

Der Alte Friedhof an der Von-Bippen-Straße ist 21000 Quadratmeter groß. Er zählt 1483 Familiengräber, acht Familienwandgräber, 390 Einzelgräber, 254 Urnengräber, 69 Urnenwandgräber und 17 Kindergräber. Der Neue Friedhof Am Rothbachl umfasst 15700 Quadratmeter. Er hat 291 Familiengräber, 131 Einzelgräber, 382 Urnengräber, fünf Urnenwandgräber und 18 Kindergräber.

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