Kolbermoor – Dieser Tag als zentraler Gedenktag für Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft wird heute, nach Jahrzehnten des Friedens in der Deutschland, zuweilen als überkommene Tradition gesehen. Einige Gemeinden spielen wegen mangelnder Beteiligung mit dem Gedanken, die Veranstaltungen zu reduzieren oder abzuschaffen. Nicht so in Kolbermoor, wo sich gestern bereits zum Kirchenzug eine ansehnliche Schar Vereinsvertreter aufstellte, um mit der Stadtkapelle zur Pfarrkirche Heilige Dreifaltigkeit zu ziehen.
Stadtpfarrer Maurus Scheurenbrand zelebrierte die festliche Messe und schloss besonders alle Opfer von Krieg und Verfolgung in die Gebete mit ein. Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst, an dem neben den Fahnenabordnungen und Vereinsmitgliedern auch Bürgermeister Peter Kloo, Altbürgermeister Ludwig Reimeier und Stadträte teilnahmen, durch die Stadtkapelle und die „Garmischer Messe“.
Pfarrerin Dr. Judith Böttcher von der evangelischen Kirchengemeinde erinnerte in ihrer Ansprache an die trügerische Kriegsbegeisterung vergangener Jahrhunderte, die vor allem im Ersten Weltkrieg durch die Kirchen religiös aufgeladen worden sei. Beide Seiten hätten Gott „mit ins Feld geführt“ und dem christlichen Gebot der Nächstenliebe eklatant zuwidergehandelt. Umso mehr sei es daher in der heutigen Zeit geboten, die eigenen Positionen demütig zu vertreten und aktuelle Krisensituationen durch friedlichen Dialog zu lösen. Die Gedenkstunde am Kriegerdenkmal nutzte Bürgermeister Kloo, um auf die Bedeutung des Volkstrauertages als alljährliche Mahnung an Vergangenes, doch nicht Vergessenes hinzuweisen. Gerade heute sei es notwendiger denn je, ein Zeichen des Friedens zu setzen, wofür der Anlass des Tages besonders geeignet sei. Zugleich appellierte er, das Gedenken nicht nur auf die Opfer vergangener Jahre zu beschränken, sondern auch die Heimatlosen und Geflüchteten der heutigen Zeit mit einzuschließen. Das Totengedenken, das im Wortlaut überall in Deutschland zum Volkstrauertag gesprochen wird, brachte eben diese Verantwortung deutlich zum Ausdruck. Zur Kranzniederlegung senkten sich die Fahnen. Zum Lied „Ich hatt` einen Kameraden“ hallten drei Kanonenschüsse als Ehrensalut über das Gelände. sel