Der Kommandantenwechsel kam überraschend nach dem gesundheitsbedingten Rücktritt Ihres Vorgängers und damit auch Ihre Nominierung – haben Sie sich schon zurechtgefunden im neuen Amt?
Wudy: Es war in der Tat überraschend und das Amt ist wirklich ein großer Stressfaktor, die Aufgabenfülle ist noch größer als eh schon erwartet. Zusammen mit meinem ebenfalls neuen Stellvertreter Armin Hörl haben wir in den vergangenen Wochen den Neustart in die Wege geleitet und ich bin zuversichtlich, wir sind ein gutes Team. Und bis jetzt habe ich es auch noch nicht bereut, das Amt angenommen zu haben.
Wie gestaltet sich der Neustart und wurden erste Dinge in den vergangenen Wochen schon umgesetzt?
Wudy: Wir haben einige Ideen, die wir umsetzen wollen oder die wir bereits angegangen haben, unter anderem das Einführen einer Abteilungsleiterebene. Man muss sich die Feuerwehr Kolbermoor wie ein kleines Unternehmen mit 80 Mitarbeitern vorstellen mit einer ganzen Fülle an Aufgaben, die nicht alle zentral vom Kommandanten erfüllt werden können. Entsprechend sollte die Feuerwehr auch wie eine Firma geführt werden.
Wie muss man sich die Umstrukturierung genau vorstellen?
Wudy: Wir haben insgesamt 30 Aufgabenfelder erarbeitet, die insgesamt sieben Abteilungsleitern zugeordnet sind. Dabei handelt es sich in erster Linie um die Zugführer. Bei den „Abteilungen“ handelt es sich um die Bereiche Fahrzeuge und Gerätehaus, Atemschutz/CSA, allgemeine Ausbildung, nachweispflichtige Zusatzausbildung, Einsatz, Nachwuchsförderung und Öffentlichkeitsarbeit.
Die Umstrukturierung ist schon ein gewaltiger Akt, gibt es weitere Neuerungen?
Wudy: Neu ist unter anderem, dass wir nun konsequent ein Gruppenführertraining durchführen werden. Dafür konnten wir Kreisbrandrat Richard Schrank gewinnen, der als Verbandsführer prädestiniert für diese Aufgabe ist. Nächstes Jahr planen wir außerdem eine Nachwuchsgruppe für künftige Führungskräfte und auch eine Kinderfeuerwehr würden wir gerne initiieren.
Wie sieht es in der Feuerwehr Kolbermoor mit Nachwuchs aus? Gibt es einen Mangel?
Wudy: Ganz im Gegenteil, wird sind mit unserem Feuerwehrnachwuchs, dem aktuell 20 junge Leute angehören, ganz zufrieden. Was uns vielmehr fehlt, ist Nachwuchs auf der Führungsebene. Und wir suchen dringend Quereinsteiger im Erwachsenenbereich, gerne auch Frauen. Denn unser Frauenanteil ist mit fünf Prozent noch sehr gering. Bei der Jugend sieht es da schon ein wenig besser aus, hier haben wir einen Mädchenanteil von zehn Prozent.
Quereinsteiger bei der Feuerwehr – welche Voraussetzungen muss man dazu mitbringen?
Wudy: Im Prinzip nur Interesse an der Feuerwehr, die Ausbildung erfolgt dann. Die Tätigkeit ist auch für Frauen völlig problemlos, denn es gibt nur wenige Dinge, bei denen man körperlich schwer arbeiten muss. Und auch wer nicht direkt an der Front mitarbeiten will, zum Beispiel bei schweren Unfällen wie zuletzt in Pullach oder wie etwa beim Zugunglück in Bad Aibling, der wird natürlich nicht dazu gezwungen. Das passiert alles auf freiwilliger Basis.
Das Zugunglück von Bad Aibling im Jahr 2015 war für die Einsatzkräfte ein unglaublicher Kraftakt – ist es inzwischen verarbeitet oder kommen die fürchterlichen Bilder nach wie vor hoch?
Wudy: Ich war selbst ganz vorne mit dabei, unsere Wehr war mit etwa 30 Mann vertreten, der Einsatz hat uns lange Zeit mitgenommen. Ich persönlich war etwa vier Wochen nur halbtags arbeitsfähig. Außerdem hatten wir zwei Abende, an denen wir mit externen Coaches das Erlebte aufgearbeitet haben. Bis auf einen Aktiven, der aus familiären Gründen den Dienst quittiert hat, sind auch alle noch mit dabei. Allerdings kommt es schon immer wieder hoch, zuletzt Anfang Dezember beim Zugunglück in Meerbusch/Nordrhein-Westfalen, als ein Regionalzug in einen Güterzug gekracht ist, zum Glück ohne Tote. Da packt einen dann der Zorn, dass so etwas schon wieder passieren konnte und die Bahn nicht in der Lage ist, das technisch zu verhindern. Auch die Erkenntnisse zum Zugunglück in Bad Aibling sind allesamt im Sande verlaufen, nichts ist passiert, das kann doch eigentlich gar nicht sein.
Kommendes Jahr wird es auch auf einem weiteren Feld ernst: der Sanierung des Feuerwehrhauses. Wie ist hier der Stand der Dinge?
Wudy: Das Konzept für die Sanierung steht, es soll Ende Januar im Stadtrat vorgestellt werden. Wir sind damit hoch zufrieden, unsere Vorschläge und Wünsche wurden nahezu alle mit aufgenommen. Mit der Umsetzung rechne ich nicht vor Spätherbst beziehungsweise Anfang 2019. Die Sanierung soll dann bei laufendem Betrieb stattfinden, was sicher eine Herausforderung wird. Die Dauer der Arbeiten wird auf etwa zwei Jahre geschätzt. Es ist aber auch dringend, dass etwas gemacht wird, vieles ist nicht mehr zeitgemäß in unserem Feuerwehrhaus, allein die Umkleiden, die sich direkt in der Fahrzeughalle befinden, ein Unding für unsere Feuerwehrfrauen.
Interview: Rosi Gantner