Ludwig Reimeier, ehemaliger Bürgermeister

Die Stadt Kolbermoor im Herzen

von Redaktion

Geschichte und Geschichten leben von den Menschen, die sie erzählen können. Noch unverfälschter wird die Wiedergabe, wenn es sich bei dem Erzählenden um eine Person handelt, die selbst über viele Jahre hinweg Ortsgeschichte miterlebt und mitgestaltet hat. Bei Ludwig Reimeier handelt es sich um genau eine solche Person. Stolze 42 Jahre lang war der gebürtige Kolbermoorer in seiner Heimatstadt kommunalpolitisch tätig.

Kolbermoor – Reimeier war zunächst jahrzehntelang als ehrenamtlicher Stadtrat und Zweiter Bürgermeister in der CSU-Fraktion sowie schlussendlich, in den sechs Jahren von 1996 bis 2002, als hauptamtlicher Bürgermeister der Stadt Kolbermoor im Einsatz. Der 86-Jährige ist in seiner Heimatstadt tief verwurzelt: Als Sohn eines Spinnereiarbeiters verlebte Reimeier eine, wie er sagt, „trotz Kriegszeit schöne Jugend“ im Hundertmeterbau an der Carl-Jordan-Straße. Kurz vor der Währungsreform, am 1. April 1948, konnte er schließlich durch Vermittlung des ersten Nachkriegsbürgermeisters Karl Staudter eine Stelle als Verwaltungslehrling in der damaligen Marktgemeinde Kolbermoor antreten. Nach bestandener Prüfung einige Jahre später führte Reimeier sein weiterer Berufsweg über die Landratsämter in Bad Aibling und München nach Rosenheim, wo er im dortigen Landratsamt bis zu seiner Wahl zum Bürgermeister hauptberuflich im Staatsdienst tätig war.

Obwohl er aus Altersgründen nur für einmal sechs Jahre im Amt verbleiben konnte, wurde in seiner Amtszeit eine Vielzahl an wegweisenden Projekten vorangetrieben oder verwirklicht: etwa die architektonische Planung der Pauline-Thoma-Mittelschule, die Standortentscheidung und Planung des Bau- und Wertstoffhofes an der Geigelsteinstraße und die Erweiterung des Wohngebiets an der Pfarrer-Klaas-, Pfarrer-Moosleitner- und Franz-Hertle-Straße im Kolbermoorer Süden. Bemerkenswert ist bei diesen Langzeitprojekten, wie reibungslos deren Durchführung auch nach politischen Wechseln im Rathaus funktioniert hat. Den nahtlosen Übergang zwischen der Amtszeit seines Vorgängers Peter Kloo senior, unter dessen Ägide viele der Planungen begonnen hatten, seiner eigenen Wirkungszeit sowie der seines Nachfolgers Peter Kloo junior, der dann einige der Vorhaben zu einem erfolgreichen Ende führte, lobt Ludwig Reimeier auch heute noch ausdrücklich.

Auch in sozialer Hinsicht wurde man zur damaligen Zeit in Kolbermoor verstärkt tätig. So wurde etwa das ehemalige Volksbildungswerk, das seit den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg als Verein organisiert war, zum 1. Januar 1999 in die Volkshochschule umgewandelt und damit zur gemeindlichen Einrichtung. Stolz ist der Altbürgermeister auch auf die Maßnahmen im Rahmen des Städtebauprogramms „Soziale Stadt“ von Bund und Ländern, in das Kolbermoor gemeinsam mit München und Ingolstadt als eine der fünf ersten Gemeinden Ende der 90er-Jahre aufgenommen wurde. Bis heute wirken sich die Förderungsmaßnahmen auf städtebauliche Investitionen und soziale Integration in Kolbermoor aus.

Internationale Bekanntheit erlangte Kolbermoor schließlich als „Schmiedestadt“ auch mit der erstmaligen Ausrichtung der Biennale im Jahr 1996. Gerne erinnert sich Ludwig Reimeier heute an die Gründung dieses Metallgestaltertreffens, das auch heute noch wesentlich zum Image der Stadt beiträgt, und das auch von Walter Still und Peter Kloo senior wesentlich mitinitiiert wurde.

Für den Altbürgermeister waren seine Stadtratstätigkeit und die sechs Jahre im Amt des Stadtoberhaupts eine Zeit, in der er viel an der Entwicklung Kolbermoors mitwirken konnte – und auch heute noch beschäftigt er sich leidenschaftlich gern mit der Ortsgeschichte, beispielsweise mit den Geschehnissen um die Stadtregierung des kommunistischen Bürgermeisters Georg Schuhmann in den Revolutionsjahren 1918/19 und dem allgemeinen Werdegang des damaligen Industrieortes im bäuerlichen und bürgerlichen Umfeld der Nachbarorte.

Hierin sieht er auch einen Grund für die vor allem in früheren Jahren immer wieder aufflammende Abschätzigkeit, die Kolbermoor entgegengebracht wurde und die ihn besonders ärgert: „Kolbermoor war nie ein `Glasscherbenviertel`, wie viele behaupten, sondern ist nun einmal als Fabrikort gegründet und hat mit der Einwohnerschaft alle Höhen und Tiefen der wirtschaftlichen Entwicklung durchstehen müssen.“ Dankbar ist Reimeier für die vielen Stimmen aus der Bevölkerung, die gegen diese unberechtigten Ansichten laut werden, und sich bemühen, die positiven Seiten Kolbermoors herauszustellen. In vorderster Reihe sieht er hier auch das Heimat- und Industriemuseum, das ebenfalls in seiner Amtszeit als Bürgermeister eröffnet wurde und sich seitdem verschiedensten Aspekten der Stadtgeschichte widmet, wie beispielsweise zurzeit mit der Ausstellung zum 150-jährigen Bestehen des SV-DJK Kolbermoor.

Interessiert verfolgt Reimeier die Dokumentation des Stadtlebens auch in der Heimatzeitung, wobei er sich besonders über Leserbriefe von Bürgern freut, denen es ein Anliegen ist, das Bild Kolbermoors in der Öffentlichkeit zurechtzurücken. Auch wenn seine aktivere Tätigkeit schon einige Jahre zurückliegt, nimmt er gerne an der städtischen Entwicklung Anteil und weist im Laufe eines Gesprächs durchaus kritisch auf aktuelle Themen hin. Deutlich wird dabei neben einer fundierten und wohlbegründeten Meinung vor allem eines: Ludwig Reimeier ist jemand, der wie kaum ein anderer Kolbermoor im Herzen trägt.

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