Aktuelles Interview mit Bürgermeister Peter Kloo

Verkehr, Wohnraum und neue Projekte

von Redaktion

Eine Vielzahl an Projekten steht in diesem Jahr in der Stadt Kolbermoor auf dem Programm. Wir haben mit Bürgermeister Peter Kloo über Stadtentwicklung, das Thema Wohnungsnot und vieles mehr gesprochen.

Herr Kloo, was sind die Hauptprojekte, die dieses Jahr in Kolbermoor anstehen?

Kloo: Ein wichtiger Punkt ist die Entwicklung des Bahnhofsareals und der dazu geplante städtebauliche Wettbewerb; dann der Neubau des Wohn- und Geschäftshauses am Rathaus, die Gestaltung des Friedhofsvorplatzes mit Sanierung des Kriegerdenkmals und ab Herbst der Umbau des Feuerwehrhauses.

Die Sanierung des Bahnhofs läuft, wie sieht der Zeitplan für das Umfeld und den Umbau der Tonwerksunterführung aus?

Kloo: Der Bahnhof soll bis Anfang nächsten Jahres fertiggestellt sein, für das Bahnhofsumfeld ist ein städtebaulicher Wettbewerb geplant. Die Kriterien für die Architekturbüros werden in den nächsten Wochen festgelegt, im Herbst rechnen wir mit den Ergebnissen. Auch mit der Aufweitung der Tonwerksunterführung von 3,50 auf dann zwölf Meter sieht es gut aus, die Deutsche Bahn will im Frühjahr 2019 damit beginnen. Bis dahin müssen wir unsere Vorarbeiten erledigt haben. Dazu zählen unter anderem die Verlegung von Wasser-, Abwasser- und Regenwasserleitungen.

Der Ausbau der Tonwerksunterführung wird für große Beeinträchtigungen für die Bürger sorgen. Wie sieht es mit den Vorarbeiten aus?

Kloo: Der Beginn der Vorarbeiten ist ab Mai geplant. Dann werden sicherlich die Bergstraße und die Straße am Glasberg für eine gewisse Zeit gesperrt sein. Erste Behinderungen werden sich dann durchaus ergeben.

Das Nadelöhr Tonwerksunterführung steht vor einem Ausbau – wie sieht es mit dem weiteren Verkehrskonzept für die Kolbermoorer Innenstadt aus, insbesondere die Rosenheimer Straße?

Kloo: Unser nächstes Ziel wird es sein, das Teilstück zwischen Rathaus und Aral-Tankstelle ampelfrei zu bekommen. Konzepte für Minikreisel und Mittelinseln gibt es bereits. Wir wollen dieses Jahr noch die Planung vorbereiten und im Stadtrat vorlegen, dann könnten wir 2019 mit der Umsetzung beginnen.

Westlich des Rathauses klafft nach wie vor eine Baulücke – wann soll mit dem Bau des dort geplanten Wohn- und Geschäftshauses begonnen werden?

Kloo: Möglichst im Frühsommer. Die Werkplanung steht, wir warten nur noch auf die Baugenehmigung aus dem Landratsamt, dann wird ausgeschrieben. Ende 2019 sollte das Projekt abgeschlossen sein.

Was dann noch fehlt, ist in Sachen Verkehrskonzept der Lückenschluss zwischen dem Teilstück am Rathaus und dem Bahnhof. Wie sieht es damit aus?

Kloo: Das wird dann der nächste Schritt sein ab 2020. Hier gilt es, Grundsatzentscheidungen zu treffen, ob der Autofahrer möglichst schnell die Innenstadt durchqueren soll oder ob verkehrsberuhigt in einem gemeinsamen Straßenraum mit Fußgängern und Radfahrern. Diese Frage wird sich auch beim geplanten Radverkehrskonzept stellen, welchen Stellenwert wollen wir dem Individualverkehr geben? Das werden spannende Diskussionen.

Ein großes Ärgernis für viele Bürger ist das teilweise hohe Verkehrsaufkommen in der Stadt. Ist diesbezüglich eine Lösung in Sicht, beispielsweise für eine Ortsumgehung?

Kloo: Ich wüsste nicht, wohin mit dem Verkehr. Außerdem handelt es sich meist um Ziel- und Quellverkehr und den bekäme man auch über eine Umgehung nicht weg. Das grundsätzliche Problem ist, dass heutzutage jeder ein Auto hat und in jedem Auto meist nur eine Person sitzt.

Ein großes Thema steht mit der Sanierung des Feuerwehrhauses an, ein weiteres Millionenprojekt. Was ist hier genau geplant?

Kloo: Das Feuerwehrgerätehaus an der Hasslerstraße und auch die darüberliegende Schulturnhalle müssen zum einen energetisch saniert werden. Zum anderen muss das Feuerwehrhaus an die aktuellen Anforderungen angepasst werden. Es werden Damenumkleiden benötigt, Verwaltungsräume und der Schlauchturm soll weg. Außerdem sollen die Trainingsanlagen verbessert und ein Fitnessraum eingerichtet werden. Der Umbau wird eine gewisse Herausforderung, er soll bei laufendem Betrieb und in Abschnitten stattfinden. Wir rechnen dabei mit Kosten von bis zu sechs Millionen Euro und einer Bauzeit von bis zu zwei Jahren. Im Herbst soll es losgehen.

Nach wie vor auf Eis liegen die Pläne für den Neubau des Pullacher Feuerwehrhauses. Wann kann damit gerechnet werden?

Kloo: Wir hoffen, dass das Verfahren für den Hochwasserschutzabschnitt Pullach zügig über die Bühne geht, dann können wir parallel den Bebauungsplan für das neue Feuerwehrhaus in Angriff nehmen. Wir gehen davon aus, dass wir Anfang 2019 mit dem Bau beginnen können. Ärgerlich ist nur, dass wir dann zwei Jahre verloren haben nur wegen der Genehmigungsverfahren.

Ein heißes Thema in Kolbermoor: bezahlbarer Wohnraum. Wie sehen die Pläne der Stadt aus, kann man für Entspannung sorgen?

Kloo: Neue, bezahlbare Wohnungen sollen im Wohn- und Geschäftshaus am Rathausplatz geschaffen werden, allerdings nur 17 Stück. Dann haben wir ja die Werkssiedlung, die laufend saniert wird. Der nächste Abschnitt ist bald bezugsfertig, allerdings sind hier schon alle Wohnungen wieder vergeben. Und wir hoffen, dass auf dem Conradty-Areal geförderter Wohnungsbau entsteht. Im städtebaulichen Vertrag mit den Investoren haben wir 4200 Quadratmeter dafür festgelegt, das wären zwischen 40 und 45 neue Wohnungen. Wir hoffen, dass uns die der Investor dann auch anbietet. Das Interesse von Seiten der Stadt wäre vorhanden.

Für viele Eltern jedes Jahr eine bange Frage: Reichen die Kindergarten- und Krippenplätze aus?

Kloo: Für kommenden Herbst auf jeden Fall, denke ich. Wir müssen uns aber auch überraschen lassen, was der Anmeldetag im Februar ergibt. Krippenplätze sind ausreichend vorhanden, neue Kindergartenplätze werden mit der Naturgruppe des „Hauses für Kinder“ geschaffen. Das Jahr drauf könnte es schon wieder eng werden. Wir bereiten aber schon ein städtisches Grundstück in der Bauleitplanung vor, auf dem dann eine neue Kindertagesstätte entstehen könnte, im Norden von Kolbermoor, am Tonwerksgelände.

Viele Pläne, große Investitionen – gibt das der Haushalt der Stadt überhaupt alles her?

Kloo: Wir sind sehr zuversichtlich auch für dieses Jahr. Die Gewerbesteuer dürfte sich wie in den vergangenen Jahren entwickeln, auch die Schlüsselzuweisungen. Wir sollten wieder einen soliden Haushalt hinbekommen. Allerdings planen wir eine Neuverschuldung von etwa 3,5 Millionen Euro, um nicht alle Projekte aus der Rücklagentasche bezahlen zu müssen. Vor allem beim jetzigen Zinsniveau bietet sich eine Kreditaufnahme an, zumal wir das Geld für langfristige Investitionsgüter verwenden. Und unsere Gesamtverschuldung bewegt sich derzeit auf dem Niveau des Jahres 2000.

Von Geldsorgen ist Kolbermoor also verschont?

Kloo: Im Prinzip schon. Größere Sorgen bereiten mir Dinge, die man nicht mit Geld bezahlen kann. Eltern, die ihre Kinder nicht mehr vernünftig erziehen, die sie ohne Frühstück in die Schule schicken; Vereine, die keine Vorsitzenden mehr finden; Hilfsdienste wie Feuerwehr und BRK, denen die Freiwilligen fehlen; oder dass Bürger wieder mehr Toleranz gegenüber ihren Nachbarn und Mitmenschen zeigen.

Interview: Rosi Gantner

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