Kolbermoor – Um insgesamt acht Prozent sollen die Kita-Gebühren in der Stadt Kolbermoor bis zum neuen Kindergartenjahr 2020/21 steigen – und das in zwei Schritten, vier Prozent ab diesem Herbst, weitere vier Prozent zwei Jahre später. Grund: die steigenden Kosten in den Kitas, ausgelöst durch Lohnsteigerungen, aber auch einen Mehraufwand bei der Betreuung, wie Bürgermeister Peter Kloo und Hauptamtsleiterin Elisabeth Kalenberg vor dem Stadtrat erläuterten.
Wie Kalenberg anhand von Zahlen untermauerte, steigt das Defizit der Einrichtungen stetig an: 2015 und 2016 belief sich das Gesamtdefizit der Kitas auf jeweils 120000 Euro, für 2017 werden in etwa 170000 Euro erwartet – Tendenz steigend. Und das Defizit übernimmt: die Stadt. „In der Realität werden nur noch zwischen 65 und 69 Prozent der Kosten über die Fördergelder von Land und Kommune gedeckt“, führte Kalenberg aus. Etwa 18 Prozent steuern bislang die Eltern bei – die Deckungslücke landet über die Defizitvereinbarungen wieder im Rathaus und wird aus der Stadtkasse beglichen. Ursprünglich war den bayerischen Kitas ein Finanzierungsmodell 40:40:20 zugrunde gelegt worden – jeweils 40 Prozent der Kosten gehen zu Lasten von Freistaat und Kommune, die übrigen 20 Prozent werden durch Elternbeiträge aufgefangen.
Um das Defizit nicht noch weiter ansteigen zu lassen, war nun der Vorschlag der Stadtverwaltung, die Gebühren anzupassen – nach sieben Jahren Stabilität im Krippenbereich (seit 1. September 2011) und zwei Jahren in Kindergarten und Hort (zuletzt 1. September 2016). Allerdings war nach den Worten von Kalenberg 2016 lediglich die Staffelung nach einer Vorgabe des Kreisjugendamtes korrigiert worden. „Wesentliche Buchungszeiten blieben damals unverändert und die kürzeste Buchungszeit im Kindergarten wurde gar günstiger“, führte die Hauptamtsleiterin aus.
Zum 1. September sollen nun die Gebühren für alle Kategorien, ob in Krippe, Kindergarten oder Hort, gleichmäßig erhöht werden, 2020 ein weiteres Mal, um somit zumindest einen Teil der Kostensteigerungen aufzufangen. Wie Kalenberg anhand einer Beispiel-Kita errechnet hat, entfallen allein über 70 Prozent der Gesamtkosten einer Kita auf die Lohnkosten; 21 Prozent sind sonstige Kosten wie Verwaltung etc.; und acht Prozent Gebäudekosten.
Gesamtkosten um
24 Prozent gestiegen
Die Gesamtkosten der Kitas sind von 2012 an um etwa 24 Prozent angestiegen. Einen noch größeren Sprung machten die Lohnkosten: von 2012 an mit einem Anstieg um rund 28 Prozent. Mit weiteren Tariferhöhungen um die 2,4 Prozent jährlich sei auch für die kommenden Jahre zu rechnen, wie Kalenberg weiter ausführte. „Die vorgeschlagenen Erhöhungen werden sich deshalb wohl nicht haushaltsentlastend auswirken, sondern lediglich dazu beitragen, dass der weitere Anstieg der Defizitzahlungen geringfügig abgefedert wird“, zeigt sich die Hauptamtsleiterin überzeugt. Bei gleichbleibender Belegung rechnet sie mit etwa 43000 Euro ab Herbst und rund 44500 Euro ab 2020 an „Mehreinnahmen“, um das Defizit abzumildern.
Die tröstende Nachricht für Kolbermoorer Eltern: Die Mangfallstadt lag bislang teils deutlich unter den Kita-Gebühren der Nachbargemeinden – und wird sich auch mit den nächsten beiden Erhöhungen nach wie vor im unteren Mittelfeld bewegen. Im Krippenbereich sind nach derzeitigem Stand einzig Bruckmühl, Feldkirchen-Westerham und in Teilbereichen Bad Feilnbach günstiger. Zwischen 30 und 50 Euro je nach Buchungskategorie mehr bezahlen Eltern in Rosenheim, in Großkarolinenfeld gar zwischen 49 und 215 Euro mehr. In Großkarolinenfeld liegt beispielsweise der Spitzensatz für neun Stunden Krippe bei 540 Euro – in Kolbermoor ab September bei 312 Euro (Rosenheim: 357 Euro).
Bei den Kindergartengebühren liegt Kolbermoor auch nach der Erhöhung größtenteils unter den Sätzen der Nachbargemeinden, einzig Bruckmühl ist derzeit noch günstiger. Je nach Buchungszeit ist Rosenheim hier um bis zu 13 Euro teurer, Bad Aibling um bis zu 18 Euro und Großkarolinenfeld um bis zu 43 Euro.
Der Stadtrat bewilligte einstimmig und ohne jegliche Diskussion die vorgeschlagene Gebührenanpassung.