Kolbermoor – Um „verbale Gewalt“ zu verhindern, hat der amerikanische Psychologe Marshall B. Rosenberg die Methode der „Gewaltfreien Kommunikation“ (GFK) entwickelt. Des erklärte Wolfgang Engel eingangs der Veranstaltung der Kolbermoorer Aktionsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen („afa“) in der Evangelischen Kirche im Gemeindehaus.
Der Titel der Veranstaltung lautete „Gewaltfreie Kommunikation – ein Mittel für den Frieden“. Initiatorin dazu war Ingrid Herberholz, die auch den Abend leitete. Das Interesse war groß, die Diskussionsfreude ebenso. Engel stellte sich sodann kurz vor, 63 Jahre, Förderlehrer in Rott/Inn, Kommunikationstrainer für GFK und Mediator. Die größte Barriere für „Gewaltfreie Kommunikation“ ist nach seiner Meinung, eigene Gefühle in Gesprächen, Auseinandersetzungen aus Scham oder Angst vor vermeintlichem Gesichtsverlust nicht zu benennen. „Oftmals ist gar nicht zu unterscheiden, was sind meine wahren Gefühle und Bedürfnisse und was ist meine Erwartungshaltung“, so Engel.
So sei das Grundprinzip für GFK, im Gespräch die eigenen Gefühle wahrzunehmen, diese als Bedürfnisse auszudrücken und seinem Gegenüber, ob im Privaten, als Lehrer, in Kirche oder Politik mit Empathie zu begegnen. Dies zu erlernen, bedarf es Übung – doch wenn man es wirklich wolle, sei es auch möglich, so der Fachmann für GFK weiter.
Nach Meinung Engels gäbe es keine negativen Gefühle. Gefühlsausdrücke seien immer Botschaften eigener Bedürfnisse. Meist würden in verbalen Konfrontationen ausschließlich Wünsche und nicht die wahren Bedürfnisse artikuliert. Der Zugang zur eigenen Gefühlswelt wird nach Meinung von Engel schon Kindern abtrainiert. Tugenden wie Mitgefühl und Empathie für Mitmenschen und Andersdenkende würden in unserer patriarchal strukturierten Welt den Kindern kaum mehr vermittelt, beklagte der Redner.
Der Zugang und die Bereitschaft, sich selbst zu erforschen, seine Wünsche und Vorstellungen zu hinterfragen, rückzustellen und mit Empathie sich in sein Gegenüber hineinzuversetzen, seien Voraussetzungen für ein friedliches Miteinander, so Engel weiter.
Zwischenzeitlich sei die Methode GFK nicht nur im Privaten, sondern auch in Politik und Wirtschaftsunternehmen ein probates Mittel, Menschen in ehrlichen Kontakt zu bringen.
Für alle, die an einer ernsthaften Kommunikation interessiert sind, nannte Engel folgende vier praktische Schritte zur Umsetzung. Beim Sprechen sollte man aufrichtig die folgenden vier Schritte nacheinander befolgen: beobachten, wahrnehmen – ohne zu bewerten; in sich hinein hören, welche Gefühle hat man dabei? Die eigenen Bedürfnisse erspüren und diese in Form einer Bitte äußern. Und: Die Gefühle der anderen aufzunehmen und die eigenen Gefühle aufrichtig äußern. So werde „Gewaltfreie Kommunikation“ zu einer Sprache des Mitgefühls und der Verständigung, erläuterte Engel.
Der Vortrag war spannend und hochinteressant. An den zahlreichen lebensnahen Fragen wurde deutlich, dass der Referent die Zuhörer erreicht hatte. Ingrid Herberholz versprach, mit dem Referenten in Kontakt zu bleiben, um ein Tagesseminar zur GFK im Herbst 2018 zu realisieren. Viele Interessierte zeigten daran Interesse und trugen sich in ausliegende Listen ein.