Kolbermoor – Seit Jahren wird um die Weiterentwicklung des Gebietes südlich der Mangfall zwischen Brückenstraße und Friedenstraße gerungen. Investoren und verschiedene Grundstücksbesitzer würden gerne noch freie Flächen, insbesondere entlang von Gärtner- und Farrenpointstraße, bebauen – mit Geschosswohnungsbau.
Eine ganze Reihe Anwohner stehen den Vorhaben kritisch gegenüber: Sie befürchten ein Mehr an Verkehr – und das auf den ohnehin schon teils dicht beparkten Straßen. Im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung der Bauleitplanverfahren „Gärtnerstraße“ und „Schwarzenbergstraße“ sowie auf Anliegerversammlungen taten sie ihren Unmut bereits kund.
Was ist geplant? Auf den noch freien Flächen an der Gärtnerstraße sind nach den Entwürfen der Planer insgesamt zehn neue Mehrparteienhäuser vorgesehen; im Mittelpunkt des neuen Wohngebietes ein „Quartiersplatz“, auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein Spielplatz. Zudem soll eine Straßen-Querverbindung zwischen Schwarzenberg- und Brückenstraße geschaffen werden – zur Entlastung, wie Planerin Claudia Petzenhammer (Bad Aibling) in der Sitzung noch einmal erläuterte. Die Stellplätze für das neue Wohngebiet könnten in Tiefgaragen, die zur Verärgerung von SPD und Grünen zwischen den Wohngebäuden geplant sind und damit zur weiteren Versiegelung beitragen, untergebracht werden; überdies sind eine Reihe oberirdische Stellplätze vorgesehen – laut Planerin summa summarum mehr als erforderlich sein dürfte („Überhang von etwa 40 Stellplätzen“).
Eine weitere Zufahrt zum neuen Wohngebiet wäre über die nördliche Gärtnerstraße angedacht, die dann auf 5,50 Meter ausgebaut und verkehrsberuhigt werden soll. Auch diese Pläne sorgten im Stadtrat für Kontroversen: Ist bei 5,50 Meter Breite Parken entlang der Straße überhaupt noch möglich?, war die fraktionsübergreifende Sorge. Schließlich dürften auch Besucher nicht vergessen werden oder Anwohner, die nicht immerzu die Tiefgarage anfahren. „Zickzackparken wäre möglich“, erläuterte diesbezüglich die Planerin. Dem gegenüber stehen die Sorgen der Anwohner, die mit Ausbau der Straße ein Umfahren der Ampel Obere Mangfallstraße/Brückenstraße befürchten, ebenso Parkplatzsuchverkehr von Biergarten- und Spinnerei-Veranstaltungsbesuchern.
Die Verkehrsverträglichkeit der geplanten Nachverdichtung in den Gebieten Gärtner- und Schwarzenbergstraße war bereits 2015 durch einen Verkehrsplaner untersucht worden. Dessen Fazit: verkehrstechnisch kein Problem, allerdings müssten bei Neubauten sämtliche Stellplätze auf den Grundstücken geschaffen werden (wir berichteten). Die vorherrschende Parkproblematik in einzelnen Straßenabschnitten führt der Experte auf Fehlverhalten zurück und empfahl der Stadt ein „Parkmanagement“ inklusive Überwachung.
Darauf ging auch Planerin Petzenhammer in ihren Ausführungen ein: „Unser Ziel war, dass die kritischen Gebiete durch die neue Bebauung nicht weiter belastet werden.“ Die bereits vorherrschende Parkplatzproblematik zu lösen, erachtete sie indes als schwierig – eine Aussage, die allerdings einer ganzen Reihe Stadträte nicht genügte, allen voran Sebastian Daxeder (CSU) und Dagmar Levin (SPD). Sie forderten ganz klar, dass sich die Situation für die Anwohner durch die Nachverdichtung nicht verschlechtern dürfe.
Deshalb der Vorschlag: die beiden Bebauungsplanentwürfe in ein vorberatendes Gremium wie Bau- oder Projektausschuss zurückzuverweisen und dort noch einmal intensiv nach Lösungsvorschlägen zu suchen. Dieser Vorgehensweise schloss sich der Stadtrat einstimmig an.
Bereits eingangs der Diskussion hatten sowohl SPD-Fraktion (Levin) wie auch Grüne (Georg Kustermann) deutlich gemacht, die Bauleitplanung in der vorliegenden Form abzulehnen (Kustermann: „zu hohe Nachverdichtung“).
Verkehrsgutachten
infrage gestellt
Levin wie auch Daxeder stellen zudem das Verkehrsgutachten infrage, da zu einem Zeitpunkt im Herbst erhoben, als die Mangfallbrücke Brückenstraße gesperrt und weder Biergarten- noch Freibad-Parksuchverkehr vorhanden war. Levin plädierte gar dafür, ein neues Verkehrsgutachten noch einmal an einem „schönen Sommertag“ erstellen zu lassen.
Für fraktionsübergreifende Kritik und Unverständnis sorgte zudem ein in Richtung Süden geplanter Geh- und Radweg, der aufgrund angrenzender Bäume und deren Wurzeln nicht weiter unterbaut, aber dennoch als Feuerwehrzufahrt zu einem der neuen Mehrparteienhäuser dienen soll – nicht, dass die Rettungsfahrzeuge auf der Anfahrt stecken bleiben, wie so mancher aus dem Stadtrat mutmaßte. Diesbezüglich soll nun die Feuerwehr zu Rate gezogen werden.