Kolbermoor – Eigentlich hatte man mit der Sanierung des städtischen Wohnhauses am Glasberg schon eher fertig sein wollen, wie Projektleiter Jörg Reinheckel vom Bauamt der Stadt betont. Dann habe aber der Außenlift Probleme gemacht – vielmehr der Untergrund des Areals: Mehrere Bohrpfähle waren schließlich für die Stabilität erforderlich. Manche Details hätten sich auch erst kurzfristig ergeben, da man die Wohnungen erst nach dem Auszug der Mieter genau in Augenschein nehmen konnte. Außerdem musste Reinheckel feststellen, dass die gute Aufragslage im Handwerk die Umsetzung des Projektes zusätzlich erschwert habe.
Günstiger Strom
für die Mieter
Im Spätherbst 2016 war mit den Arbeiten begonnen worden. Erst hatte man nach den Worten des Projektleiters geplant, das Haus „strangweise“ zu sanieren, also immer fünf Wohnungen übereinander und nur die gerade betroffenen Mieter auszulagern. Dann entschied man sich, doch das Gebäude komplett in Angriff zu nehmen, um reibungsloser arbeiten zu können und auch den verbliebenen Mietern den Baulärm zu ersparen.
Das Gebäude, das aus den 70er-Jahren stammt, war mit Öl geheizt worden. Jetzt ist es an das benachbarte Blockheizkraftwerk angeschlossen, das mit Gas betrieben wird. Von hier werden die Mieter auch günstigen Strom beziehen können, ebenso von der geplanten Fotovoltaikanlage.
Der Klimaschutzmanager der Stadt, Martin Korndoerfer, ist bei diesem Projekt mit an Bord. So hat das Haus auch eine Wärmedämmung bekommen. Neu sind überdies die Leitungen für die Elektroinstallation und die Telekommunikation, die Böden (in anthrazit und grau), die Heizkörper, die Fenster und Türen. Die Wohnungstüren sind in sanftem „Kolbermoorer Grün“ gehalten, wie Jörg Reinheckel ausführt. Diese Farbe taucht beispielsweise auch bei der Innengestaltung des Rathauses auf. Die Bäder sind dagegen weiß: „Modern, und trotzdem zeitlos,“ wie Reinheckel findet.
Das alte Gebäude hat seiner Ansicht nach durchaus Vorzüge: Das Treppenhaus etwa würde bei einem Neubau nie mehr so großzügig geplant werden; hier würde man flächensparender bauen. Im Gegensatz dazu stehe allerdings die Raumaufteilung: In den 70er-Jahren plante man Küche und Wohnzimmer getrennt, heute werden Wohnküchen bevorzugt. Im Zuge der Optimierung der Grundrisse mussten so im Glasberg 15 auch etliche Wände weichen. Auch die Türen in den Wohnungen wurden verbreitert.
Nicht nur um die Optimierung, sondern um die Alltagstauglichkeit für Rollstuhlfahrer ging es beim Umbau der drei Erdgeschosswohnungen. Während die anderen 17 Wohnungen barrierefrei sind (also ohne Schwellen), müssten rollstuhlgerecht Wohnungen noch einmal weitere Kriterien erfüllen. So sind die Türen noch breiter (90 Zentimeter), Tür- und Fenstergriffe und auch Lichtschalter sind niedriger angebracht, die Duschwanne ist auf Bodenniveau, das Waschbecken kann auch im Rollstuhl angefahren werden. Wertvoller Ratgeber war hier Vroni Gmeiner, die Inklusionsbeauftragte der Stadt, die selbst seit Jahrzehnten im Rollstuhl sitzt. Auch die drei rollstuhlgerechten Wohnungen haben – wie alle anderen – Balkone. Bei einer der „Rollstuhl-Wohnungen“ musste nach den Worten von Reinheckel allerdings gar eine eigene neue Balkontüre aus der Wand gebrochen werden, da sich die bestehende Tür aus baulichen Gründen nicht verbreitern ließ.
Jetzt werden die Wohnungen der Reihe nach fertiggestellt. Der Liftkorb kommt demnächst; dann muss der Eingangsbereich mit Podest und Überdachung gestaltet werden. Der restliche Verputz muss gemacht werden – dafür braucht man aber Temperaturen von über fünf Grad. Dann fehlen auch noch die Garagen: 15 Fertiggaragen werden rechts und links des Zuwegs angeordnet. Diese Garagen werden ein begrüntes Dach bekommen. Dazu gibt es zwei Stellplätze und drei Stellplätze unter einem Carport, der im Hofbereich errichtet wird.
Bauarbeiten in
den letzten Zügen
Die gesamten Kosten für das Projekt, also von der Planung bis hin zum letzten Lichtschalter, schätzt Reinheckel auf rund 2,6 Millionen Euro. Die Kostensteigerung habe sich dabei im Rahmen gehalten, freut er sich (Ansatz: 2,5 Millionen Euro).
Die Miete für die Wohnungen wird 7,50 Euro pro Quadratmeter betragen, wie Claudia Kristian von der städtischen Liegenschaftsverwaltung auf Anfrage erklärte. Grund sind die Zuschüsse in Höhe von 764000 Euro, die die Stadt über das kommunale Wohnraumförderprogramm bekommen hat, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Die insgesamt 20 Wohnungen sind zwischen 44 und 84 Quadratmeter groß.