Kolbermoor – Kommendes Jahr will die Stadt den Um- und Ausbau der Rosenheimer Straße zwischen Rathaus und der Kreuzung Ludwigstraße in Angriff nehmen – um die Maßnahme Ende 2019 parallel zur Fertigstellung des neuen Wohn- und Geschäftshauses am Rathausplatz (Baubeginn Sommer 2018) abgeschlossen zu haben.
Die Grundzüge des Konzepts, das auf den Ergebnissen des städtebaulichen Wettbewerbs für das neue Rathaus und Umgebung basiert: die beiden Ampeln auf Höhe Flurstraße und Ludwigstraße sollen durch Minikreisel mit einem Durchmesser von jeweils 16 Metern ersetzt werden – um somit den Verkehrsfluss gerade zu Stoßzeiten zu verbessern. Gleichzeitig soll das Tempo auf dem Teilstück auf 20 oder 30 km/h reduziert werden, ähnlich dem Marienplatz in Bad Aibling oder dem Ludwigsplatz in Rosenheim – „besser ein gleichmäßig fließender Verkehr als jetzt das Stop-and-Go“, führte Bürgermeister Peter Kloo zu den Planungen des Rosenheimer Ingenieurbüros Roplan aus.
Breiterer Gehweg
und Mittelstreifen
Und nicht nur Kreisel statt Ampeln sollen kommen, auch der gesamte Straßenquerschnitt der Rosenheimer Straße soll auf dem Teilstück verändert werden: Der nördliche Gehweg entlang der Geschäfte soll auf 3,70 bis 3,90 Meter verbreitert und höhengleich zur Fahrbahn werden; dann die beiden Fahrbahnstreifen mit jeweils 3,50 Breite, unterteilt durch einen aufgepflasterten Mittelstreifen, der ebenfalls 3,50 Meter breit werden soll. Zur Südseite hin öffnet sich der Rathausplatz. Auf Höhe des Wohn- und Geschäftshauses ist überdies eine Busbucht vorgesehen.
Durch die Mittelinsel, die nach den aktuellen Entwürfen, die Georg Schollerer von Roplan dem Stadtrat vorstellte, mit Granit aufgepflastert werden soll, erhofft sich die Stadt die Möglichkeit zum sicheren Überqueren des Straßenteilstücks auf ganzer Länge. Zudem sind zwei barrierefreie Übergänge vorgesehen. Zugleich soll der Mittelstreifen im Bereich der beiden Minikreisel, ebenso wie die geplanten weiteren Fahrbahnteiler, für Schwerlastverkehr überfahrbar sein. Die notwendigen Schleppkurven könnten damit eingehalten werden, so Schollerer.
Um Einsatzfahrzeugen den Weg frei zu machen, könnten die Autofahrer bei Bedarf auf den höhengleichen Gehweg ausweichen.
Auch eine Bepflanzung des Mittelstreifens schlug Schollerer dem Stadtrat vor: mit großen Straßenbäumen, wohingegen die Baumreihe entlang des nördlichen Gehsteigs aufgelöst werden soll.
Im Zuge der Umbaumaßnahme soll überdies die Ludwigstraße bis zur Kanalbrücke auf Vordermann gebracht werden. Hier ist auf Höhe des Parkdecks eine Querungshilfe geplant. Die dortige Busbucht wurde bereits mit dem Bau des Parkdecks errichtet.
Eine zweigeteilte Lösung schlug der Planer für die Radfahrer für das Teilstück zwischen den beiden Kreisverkehren vor: Die schnellen Radler wie Rennradfahrer oder E-Bikes könnten sich auf der Fahrbahn bewegen und damit im Verkehrsfluss mitschwimmen; unsichere Radler und auch Kinder könnten wiederum den ausreichend breiten Gehweg benutzen.
Die Baukosten bezifferte der Planer nach einer ersten Schätzung auf knapp eine Million Euro.
Eine ganze Reihe Anregungen zur Planung hatte die CSU-Fraktion mit in die Sitzung gebracht. Skeptisch wird unter anderem die zweigeteilte Lösung für Radler gesehen, hier wünscht man sich einen eigens ausgewiesenen Radweg; auch die Bäume auf den Mittelinseln stellte Fraktionssprecher Sebastian Daxeder in Frage – „wäre hier keine Kübellösung möglich? Ansonsten ist alles so endgültig.“ Für die geplante Einführung von Tempo 20 oder 30 wünscht Daxeder sich zudem einen „Feldversuch“ – zum einen schwierig umzusetzen mit den bestehenden Ampeln, zum anderen überflüssig, entgegnete hierzu Bürgermeister Kloo, „denn der Verkehrsfluss von 20 km/h wird zur Hauptverkehrszeit kaum erreicht“. Auch für die Kübel-Lösung auf der Mittelinsel waren weder die übrigen Fraktionen noch Stadtverwaltung und Planer zu gewinnen. Ein extra Radweg ist laut Planer aufgrund des Gesamtkonzeptes nicht möglich, weil sich damit der Straßenraum verbreitern und der Gehweg verschmälern würde. Zudem dürften keine Radwege in Minikreisel münden.
Prüfen wollen Verwaltung und Planer den Vorschlag von Caroline Schwägerl (Grüne), Zebrastreifen vor den Kreiseln für ein sicheres Überqueren insbesondere für Kinder anzubringen. Des Weiteren bezweifelte Schwägerl, dass auf dem Mittelstreifen Bäume vernünftig wachsen können. Planer Schollerer verwies diesbezüglich auf die geplanten Baumscheiben. Überdies soll ein Experte bei der Auswahl der Baumart hinzugezogen werden.
Lob und Anregungen aus den Fraktionen
Als eine „geniale Lösung“ lobte SPD-Fraktionssprecherin Dagmar Levin die Planung und begrüßte auch die geplante Baumreihe. „Ich freue mich darauf, wenn sich endlich der Rückstau auflöst. Auch das Stadtbild wird damit deutlich aufgewertet“, betonte sie und zog das ihrer Ansicht nach wunderbar funktionierende Beispiel Münchner Straße in Rosenheim heran, wo inzwischen defensiv und rücksichtsvoll gefahren werde; ebenso am Marienplatz in Bad Aibling.
Als „sehr gelungen“ bezeichnete Dieter Kannengießer (Parteifreie) das Konzept, auch die zweigeteilte Lösung für Radler erachtete er als schlüssig. „Der Ausbau wird unserem Stadtbild mehr Attraktivität verleihen.“
Bei einer Gegenstimme (Gerhard Duschl/CSU) brachte der Stadtrat schließlich die Ausbaumaßnahme auf den Weg. Die Detailplanung soll auf Wunsch des Gremiums zudem mit dem angedachten Radwegekonzept für die Stadt abgestimmt werden.