Kolbermoor –Zwei Fahrspuren plus ausreichend Platz für Fuß- und Radwege – auf insgesamt zwölf Metern soll die Tonwerksunterführung verbreitert werden. Sie soll in Zukunft zudem als Verbindung zwischen dem Bahnhof und dem geplanten neuen Bahnsteig im Norden dienen. Aber auch die Durchfahrtshöhe soll optimiert werden: von derzeit 2,90 auf dann 3,40 Meter.
Weil für mehr Durchfahrtshöhe in die Tiefe gegraben werden muss, sind nun die Kanal- und Wasserleitungen der Stadt im Weg. Sie müssen umverlegt werden – östlich und westlich der Unterführung sollen sie per Spezialbohrverfahren unter der Bahnstrecke hindurch verlegt werden.
Damit 2019 mit dem eigentlichen Ausbau losgelegt werden kann, muss das Umsetzen der Leitungen bereits in diesem Jahr erfolgen. Denn: Für 2019 sind die Planungen bei der Deutschen Bahn bereits angelaufen – schließlich muss an zwei Wochenenden für jeweils 80 Stunden die Bahnstrecke komplett gesperrt werden. In dieser Zeit sollen Abbrucharbeiten und Umverlegungen durchgeführt werden. Für die Vollsperrungen sind laut Stadt die Wochenenden 11. April und 27. Juli 2019 vorgesehen. Bereits ab März 2019 soll mit den ersten vorbereitenden Arbeiten an der Unterführung begonnen werden.
Im Stadtrat stellte Diplom-Ingenieur Georg Schollerer vom Rosenheimer Büro Roplan nun die Planung für die Leitungsumverlegung vor – „eine ziemlich umfangreiche Maßnahme“, kündigte er dazu eingangs an. Zu versetzen gilt es eine Wasserleitung sowie den Regenwasser- und den Schmutzwasserkanal.
Der neue Regenwasserkanal ist östlich der Tonwerksunterführung vorgesehen. Auf dem Gelände der St.-Anna-Apotheke sollen die Bohrungen unter dem Bahnsteig hindurch durchgeführt werden. Vorbereitende Baumfällarbeiten wurden auf dem Grundstück bereits durchgeführt (wir berichteten). Denn allein für die Presse würden gut zehn Meter Platz benötigt, informierte Schollerer das Gremium. Überdies ist für eine gewisse Zeit eine Behelfsumfahrung über das Gelände der ehemaligen Apotheke geplant, um eine Vollsperrung in der Zeit des Zusammenschlusses zu vermeiden.
Westlich der Tonwerksunterführung sind sodann der neue Mischwasserkanal und die Trinkwasserleitung vorgesehen – ebenfalls über das Bohrverfahren, bei laufendem Zugbetrieb. In diesem Bereich ist nach den Worten von Schollerer eine weitere Baumfällaktion notwendig – man habe aber versucht, die Trasse entsprechend zu optimieren, sodass möglichst wenig Bäume betroffen sind.
Zu Einschränkungen während der Bauphase wird es auch nördlich der Bahnlinie kommen: Hier werden nach den Worten des Planers die Grillparzer- und die Bergstraße betroffen sein sowie die Straße am Glasberg. Im Bereich Grillparzer-/Bergstraße rechnet Schollerer mit vier bis fünf Wochen Vollsperrung, bis alle Anschlüsse gesetzt sind. Die Tonwerksunterführung an sich wird von den vorbereitenden Arbeiten nicht betroffen und frei befahrbar sein.
„Verkehrsbehinderungen werden bei einer derartigen Maßnahme nicht auszuschließen sein“, ergänzte Bürgermeister Peter Kloo auch in Hinblick auf den Ausbau der Unterführung – und zeigte sich gleichzeitig erleichtert, dass das „Nadelöhr, das die Stadt seit Jahrzehnten beschäftigt“, nun endlich in Angriff genommen wird.
Neuer Bahnsteig
für 2021 anvisiert
Ausschlaggebend waren die Pläne der Deutschen Bahn, einen zweiten außenanliegenden Bahnsteig im Norden einzurichten, um somit in Zukunft Begegnungsverkehr auf der Bahnstrecke und damit eine Verbesserung des Taktes zu ermöglichen (Ziel: Halb-Stunden-Takt Rosenheim-München). Als Pendlerverbindung zwischen dem geplanten neuen Bahnsteig, der für 2021 anvisiert ist, soll die aufgeweitete Tonwerksunterführung dienen.
Nicht unerheblich sind die Kosten für die vorbereitende Maßnahme: Die Umverlegung der drei Leitungen bezifferte Schollerer auf etwa 811000 Euro plus Baunebenkosten – womit summa summarum mit rund 940000 Euro zu rechnen ist.
Der Stadtrat fasste letztlich einstimmig den Baubeschluss. Bereits Mitte März soll die Ausschreibung für das Projekt erfolgen.