Stadtrat Kolbermoor

Vorplatz für den Alten Friedhof

von Redaktion

Ein geräumiger Vorplatz, das Kriegerdenkmal erhalten und die Namen der Gefallenen auf Tafeln entlang der Friedhofsmauer anbringen – so die Eckpunkte der Planung für einen Friedhofsvorplatz an der Ludwigstraße. Der Stadtrat zeigte sich in seiner Mehrheit angetan von den Entwürfen und gab „grünes Licht“ für das 300000-Euro-Projekt.

Kolbermoor – Schon im Sommer 2012 hatte die Stadt erste Überlegungen angestellt, wie der Bereich rund ums Kriegerdenkmal umgestaltet werden könnte. Das Ziel: ein ansprechender Vorplatz vor dem Alten Friedhof. Die Grünfläche wiederum soll als Park erhalten bleiben.

Vorrang hatte aber erst einmal der Hochwasserschutz durch den Freistaat Bayern (Wasserwirtschaftsamt Rosenheim), der vergangenen Herbst im Innenstadtbereich abgeschlossen wurde. Entlang des Alten Friedhofs wurde in diesem Zusammenhang eine Hochwasserschutzmauer angebracht, zur Straßenbrücke hin Sitzstufen, um die Mangfall erlebbar zu machen. Und eben diese Sitzstufen sollen auch in das Konzept Friedhofsvorplatz integriert werden. „Wir wollen die Erweiterung des Platzes bis zur Mangfall gestalten“, erklärte dazu Architekt Gotthard Fellgiebel, der mit der Entwurfsplanung beauftragt war, in jüngster Sitzung des Stadtrates, wo es nun die Eckpunkte für die Platzgestaltung zu stecken galt.

Noch offen war 2012 auch die Zukunft des baulich maroden Kriegerdenkmals, das seit Jahren aus Sicherheitsgründen eingezäunt ist – sollte es überhaupt erhalten werden? Diese Frage ist inzwischen geklärt: Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege hat das Mahnmal aus dem Ersten Weltkrieg auf die Denkmalliste gesetzt – weshalb es nun erhalten werden muss. Dazu will die Stadt einen gesonderten Vorschlag zu Sanierung vorlegen, wie Bürgermeister Peter Kloo vor dem Stadtrat ankündigte.

Für den großzügig gestalteten Vorplatz an sich schlägt Architekt Fellgiebel eine orthogonale Grundform vor, wie der angrenzende Friedhof, zugleich soll die Friedhofsmauer mit aufgenommen werden. Entlang der Wand sollen sich in den Nischen Namenstafeln mit den Gefallenen aus den beiden Weltkriegen wiederfinden. Die Grabsteine auf dem Gelände des Kriegerdenkmals will man indes auflösen. „Damit werden die Tafeln als Zeichen der Erinnerung besser zugänglich und sie werden gleichzeitig zu einem Teil des Platzes“, erläuterte Fellgiebel.

Das Kriegerdenkmal soll künftig über den Vorplatz erreichbar sein, die Aufpflasterung bis dorthin reichen – „wir wollen es damit in den Platz einbinden“, so der Planer. Die Treppenstufen von der Ludwigstraße herab werden aufgelöst. Übrig bleiben soll eine Grünfläche mit Parkcharakter.

Den Fuß- und Radweg will die Stadt weiterhin entlang der Ludwigstraße belassen. Von einem Verschwenk in den Park hinein, wie im Stadtrat vorgeschlagen, riet Fellgiebel ab.

Während Büsche und Sträucher entlang des bisherigen Wegs entfernt werden, sollen die Großbäume erhalten und gar in den Vorplatz integriert werden – eingefasst von Sitzbänken, die zum Aufenthalt einladen.

Für kontroverse Diskussion sorgte im Stadtrat das Thema Parken: Sollen, wie vom Planer angedacht, an die zehn Stellplätze (für Kurzzeitparker) entlang der Zufahrt angeordnet werden – oder reicht das benachbarte Parkhaus aus, das gegebenenfalls über einen Fußgängersteg an den Vorplatz angebunden werden könnte?

Stadträte pro
Parkplätze

Ganz klar für Kurzzeitparkplätze für die älteren Friedhofsbesucher plädierte SPD-Fraktionssprecherin Dagmar Levin. „Gerne befristet auf eine Stunde und das muss auch kontrolliert werden“, fordert sie. Die Planung an sich begrüßte sie, insbesondere das Einbinden der Bäume in den Vorplatz – „wirklich sehr gelungen.“

Ebenfalls pro Parkplätze setzte sich Caroline Schwägerl (Grüne) ein. „Für ältere Leute ist das wichtig.“ So sieht es auch Dieter Kannengießer (Parteifreie), der sich ebenso für Parkmöglichkeiten aussprach: „Eine Planung muss nicht nur schön sein, sondern auch praktikabel.“ Erfreut äußerte sich Kannengießer zudem darüber, dass das Kriegerdenkmal erhalten bleibt, was auch sein Fraktionskollege Stefan Reischl unterstrich. Letzterer wies zudem darauf hin, dass bei Neubepflanzung darauf geachtet werde, dass die Sichtachse von der Ludwigstraße in Richtung Aussegnungshalle erhalten bliebe.

Ein zweiter Behindertenstellplatz lag Berthold Suldinger (SPD) am Herzen – „einer ist zu wenig.“

Das Gesamtkonzept eines Grüngürtels vom Rathauspark über die Grünfläche vor dem Kriegerdenkmal bis hin zur Mangfall nicht aus dem Auge zu verlieren, verbunden über einen Steg über den Werkskanal, das mahnte CSU-Fraktionssprecher Sebastian Daxeder an. „Das sollten wir langfristig im Blick behalten.“ Deshalb seine Skepsis gegenüber den angedachten Parkplätzen, weil diese die Verbindung Grünfläche-Mangfall durchschneiden würden. „Gleichzeitig müssen wir aber für Ältere und Behinderte Parkmöglichkeiten anbieten“, weiß auch er. Lieber wäre ihm aber kein festes Parkplatzangebot, sondern nur die Möglichkeit, den Platz anzufahren zum Be- und Entladen. Oder die Stellplätze zu reduzieren, um eine „Schneise“ zur Mangfall hin zu schaffen.

Den Platz anzufahren, ohne eine Regelung, sieht indes Bürgermeister Kloo skeptisch. „Das wird vorprogrammiertes Chaos und wird schwer in Griff zu bekommen sein.“

Sammelbehälter
für Grüngut

Als zu eng angeordnet kritisierte auch Markus Schiffmann (CSU) die Parkplatzreihe. Zudem sprach er sich für einen Verbleib der Grüngutcontainer neben der Friedhofsmauer zum Kanal hin aus. Bauamtsleiter Andreas Meixner erläuterte diesbezüglich, dass als Containerstandort eine Betriebsfläche östlich des Friedhofs geschaffen werden soll; für die Friedhofsbesucher würden dezentrale Sammelbehälter installiert. Die logistische Komponente sei mit dem Bauhof abgestimmt, An- und Abtransport kein Problem.

Die Gesamtkosten für den Vorplatz inklusive Integration der Sitzstufen an der Mangfall bezifferte Fellgiebel abschließend auf rund 300000 Euro, wobei die Stadt mit etwa zwei Dritteln Fördergeldern von Seiten der Regierung von Oberbayern rechnet.

Bei einer Gegenstimme (Schiffmann/CSU) fasste der Stadtrat schließlich den Baubeschluss – für die Variante mit Parkplätzen und diese angepasst an die Gestaltung des Vorplatzes und, wenn möglich, weniger dicht angeordnet. Die Umsetzung ist für dieses Jahr geplant.

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