Kolbermoor – Feuchte Wände, Risse, Schimmelbefall – das Feuerwehrhaus der Stadt Kolbermoor an der Hasslerstraße ist zwar gerade mal 27 Jahre alt (Einweihung 1989), aufgrund von Baumängeln allerdings extrem marode; ebenso die über der Fahrzeughalle gelegene Schulturnhalle.
Intensive Voruntersuchungen führten nun zu einem Sanierungskonzept, das dem Bauausschuss in seiner jüngsten Sitzung präsentiert wurde. Dem Stadtrat ist es dann in seiner Sondersitzung am kommenden Mittwoch, 14. März, 18 Uhr, Rathaus (öffentlich), vorbehalten, den Startschuss für die weiteren Planungen und die Sanierung zu fassen.
„Es geht um viel Geld“, leitete Bürgermeister Peter Kloo die Bauausschusssitzung ein, in der Architekt Hans Romstätter vom Traunsteiner Büro Zeller & Romstätter das Sanierungskonzept erstmals vorstellte. Vorangegangen waren detaillierte Untersuchungen. Auch Fachplaner waren mit eingeschaltet. Denn: Bei dem Projekt gelte es nicht nur, die Baumängel zu sanieren, man habe gleichzeitig auch mit Verschleißerscheinungen zu tun, führte Kloo aus. Überdies wolle man das Feuerwehrhaus auch funktionell anpassen. Unter anderem sollen Umkleideräume eingerichtet werden, auch für Frauen – bis dato müssen sich die Einsatzkräfte in der Fahrzeughalle umziehen; Büroräume für die immer umfangreicher werdende Dokumentationsarbeit sind geplant; und ein extra Anbau für die Einsatzzentrale. „Durch die Umbauten hat sich der Projektumfang massiv erweitert“, erläuterte der Rathaus-Chef – allerdings handle es sich allesamt um notwendige Maßnahmen.
Gründliche
Voruntersuchung
Seit immerhin zwei Jahren beschäftigen sich Bauamt, Architekt und Fachplaner mit dem Feuerwehrhaus und der angrenzenden Schulturnhalle, wie das Büro Romstätter in der Sitzung aufzeigte: Im März 2016 fand eine erste Bestandsaufnahme statt, dann wurden Statiker und Fachingenieure hinzugezogen und eine Schadstoffbeprobung durchgeführt. Im Herbst 2017 brachte sich sodann der neue Feuerwehrkommandant Franz Wudy mit weiteren Vorschlägen und Anregungen ein, woraus nun das Sanierungskonzept entwickelt wurde, über dessen Umfang letztlich der Stadtrat entscheiden muss.
Und der Umfang ist gewaltig: Vom Keller bis zum Dach ist eine Vielzahl an Mängeln zu beheben, das Gebäude energetisch auf Vordermann zu bringen und auch weniger anfällig und sparsamer für den Bauunterhalt zu gestalten. Denn: Die Planer von damals hatten sich jede Menge Zierrat einfallen lassen, unzählige kleine Fenster, Vorsprünge, Glaselemente und vieles mehr, das nach Ansicht von Romstätter reichlich überflüssig ist und nur Kosten verursacht. „Das war halt der Geschmack von damals“, so ein Erklärungsversuch des Architekten für die immer wieder rat- und fassungslosen Bauausschussmitglieder angesichts des ja nur knapp drei Jahrzehnte alten Gebäudes.
Romstätter schlägt in seinem Sanierungskonzept unter anderem vor, neben der Erneuerung der maroden Dachziegel und Dämmung der Dachflächen die Dachformen zu vereinfachen – viele Winkel, Glaselemente, ein zu geringer Dachüberstand und seiner Ansicht nach nicht ausreichende Dachrinnen könnten damit bereinigt werden. Zudem könnte die von der Wehr unbenutzte Westterrasse überdacht (Flachdach) und dem Schulungsraum zugeschlagen werden.
Neuer Glanz für
die Schulturnhalle
Für den Zugang zur Schulturnhalle im Westen rät der Architekt zu einem Windfang statt des Glasvordachs und zu Stahltreppen an Stelle der porösen Betonstufen. Des Weiteren schlägt Romstätter vor, die Fenster im gesamten Trakt zu erneuern und die Öffnungen zu vereinfachen, im Bereich Schulturnhalle sogar ganz darauf zu verzichten und dort auf eine gleichmäßige LED-Beleuchtung zu setzen. Die Turnhalle soll zudem einen neuen Boden sowie eine ballwurfsichere Decke erhalten. Auch Waschräume und Duschen würden saniert.
Das Feuerwehrhaus an sich würde gründlich umgebaut: Der Schlauchturm, von Beginn an offenbar undicht, soll bis auf Gebäudehöhe abgetragen und darin ein Aufzug installiert werden – gewaschen und getrocknet werden die Schläuche heute in speziellen Schlauchwaschmaschinen (im Keller). Die Atemschutzwerkstatt ist in der Fahrzeughalle (Südbereich) vorgesehen.
Im Erdgeschoss werden Umkleiden für Herren und Damen eingerichtet, dafür zieht die Einsatzzentrale in einen neuen Anbau an die „vorderste Front“ und das „Feuerwehrstüberl“ in den ersten Stock. Dort erhält der Aufenthaltsraum zusätzlich eine Terrasse – auf dem Dach der neuen Einsatzzentrale. Im Obergeschoss wird zudem ein Jugendraum eingerichtet.
Die Hausmeisterwohnung wird indes vom ersten Geschoss unters Dach verlegt – in den bislang ungenutzten Teil des Dachstuhls. Im übrigen Dachgeschoss ist weiterhin die Übungsstrecke vorgesehen. Die frei werdenden Räume im ersten Stock werden sodann in Büros umfunktioniert.
Hinzu kommen eine ganze Reihe weiterer Sanierungsmaßnahmen: Im Keller wie auch im Erdgeschoss müssen feuchte Wände behoben, Risse ausgebessert sowie schadstoffbehaftete Decken-, Boden- und Wandverkleidungen entfernt werden. Und die Außenwände sollen, wie auch das Dach, eine Wärmedämmung erhalten. Kräftig zu Buche schlagen wird zudem die Erneuerung der Haustechnik mit geschätzt 1,26 Millionen Euro.
Fachplaner:
Sanierung günstiger als ein Neubau
Die Gesamtkosten für Instandsetzung und Umbau bezifferte Romstätter in einer ersten Schätzung auf rund 7,82 Millionen Euro, wobei knapp ein Drittel mit 2,32 Millionen Euro auf die Schulturnhalle entfallen. Kosten Feuerwehrhaus: etwa 5,5 Millionen Euro.
Trotz des hohen Sanierungsaufwands bliebe man aber deutlich unter den Kosten für einen Neubau, wie der Planer auf Nachfrage aus dem Gremium versicherte (etwa 60 Prozent gegenüber Neubau).
Für die Baumaßnahmen, die unter laufendem Betrieb durchgeführt werden sollen, rechnet Romstätter mit einer Bauzeit von etwa zwei Jahren. Geplanter Baustart ist laut Bürgermeister Kloo möglichst im Herbst dieses Jahres.