Kolbermoor – Rücktritt oder ein vorübergehender Rückzug aus gesundheitlichen Gründen – darüber streiten sich die Vorsitzenden des Obst- und Gartenbauvereins. Ingrid Kuhn hatte, wie berichtet, vor Weihnachten ihr Amt als Vorsitzende aus gesundheitlichen Gründen ruhen lassen. Ihr Stellvertreter Kurt Möser wertete dies indes als Rücktritt – und wollte nun die Mitgliederversammlung im Mareissaal über eine neue Vorstandschaft, mit ihm selbst an der Spitze, abstimmen lassen. Reguläre Neuwahlen stünden erst 2019 an.
In die gesamte Versammlung mischten sich erhebliche Differenzen und sorgten für einen äußerst turbulenten Verlauf. So erhob sich bereits nach der Begrüßung durch Kurt Möser Widerspruch bezüglich der Tagesordnung. Beisitzer Erich Endter monierte, dass auf die geplante Nachwahl im Vorfeld sowie ganz besonders bei der Einladung zur Versammlung nicht hingewiesen worden war und verlangte deren Streichung. Dem widersprachen einige andere Mitglieder sowie auch Möser selbst, die bemerkten, dass die vorgeschlagene Tagesordnung vollumfänglich und fristgerecht in der Zeitung bekanntgemacht worden sei. Letztlich stimmte eine Mehrheit der Anwesenden für die Durchführung des geplanten Versammlungsablaufs.
Möser blickte sodann im Rechenschaftsbericht der Vorstandschaft auf die Aktivitäten des Vereins zurück und rief Aktionen in Erinnerung. Auch für 2018 sind wieder zahlreiche Aktivitäten geplant.
Viele Diskussionen
und Gegenstimmen
Der daraufhin vorgestellte Wirtschaftsplan des Vereines für 2018, den der Vorstand anhand der Zahlen des vergangenen Jahres ausgearbeitet hatte, wurde von den Mitgliedern bei zwei Gegenstimmen angenommen.
Schließlich folgte der Kassenbericht von Gertrud Herzog. Die Kassiererin stellte das Geschäftsjahr 2017 als solide dar, in dem man trotz einiger Ausgaben ein Plus erreichen habe können, sodass das Grundvermögen des Vereines unangetastet bliebe.
Seitens der Revisoren Alois Schied und Kurt Hainke bestand an der korrekten Kassenführung kein Zweifel, weshalb diese der Versammlung die Entlastung der Vorstandschaft empfahlen. Hierzu erhob sich jedoch erneut Widerspruch, diesmal durch Stefan Reischl, der in Frage stellte, ob Revisor Hainke als Beisitzer des Vorstands überhaupt zur Prüfung der Kasse berechtigt gewesen wäre.
Möser erläuterte hierzu, dass nach dem Rücktritt des bisherigen Revisors Martin Linhuber durch die Vorstandschaft auf die Schnelle kein anderer Vertreter gefunden werden konnte, man aber auch nicht auf das „Vier-Augen-Prinzip“ bei der Kassenprüfung verzichten habe wollen. Daher habe man sich für die Bestellung Hainkes entschieden. Nach Ansicht Mösers sei die Objektivität der Prüfung jedoch durch den ordnungsgemäß gewählten zweiten Revisor Schied zu keiner Zeit in Gefahr gewesen.
Dieser Meinung schloss sich nach kurzer Diskussion die Mehrheit an, die die Vorstandschaft – allerdings mit deutlichen Gegenstimmen – entlastete.
Bei den folgenden Nachwahlen trat der Konflikt in der Vereinsspitze, der in den vergangenen Wochen seinen Lauf genommen hatte, offen zu Tage. Nachdem Zweiter Vorsitzender Kurt Möser zur Wahl aufgerufen hatte, meldete sich zunächst die bisherige Erste Vorsitzende Ingrid Kuhn zu Wort. Noch während diese auf dem Weg zum Rednerpult war, verlas Möser ein Schreiben Kuhns an die Vorstandschaft von November 2017 und begründete aus den Worten „der Rücktritt gilt sofort“ sowie anderer Äußerungen Kuhns die Haltung der Vorstandschaft, dass die Vorsitzende ihr Amt gänzlich niedergelegt habe.
Kuhn selbst wollte daraufhin ihre Worte jedoch im Kontext interpretiert sehen, da sie im Satz zuvor nur von einer „derzeitigen“ Verhinderung gesprochen habe und ihr Schreiben damit nicht als Rücktrittserklärung anzusehen sei. Sie habe damit lediglich die vorübergehende Übertragung der Vereinsgeschäfte an ihren Stellvertreter Kurt Möser gemeint. Vielmehr seien unter anderem Revisor Alois Schied und andere Mitglieder des Vorstandes ihrer Meinung nach nicht mehr im Amt.
Verschiedene weitere Vorwürfe Mösers gegen sie erklärte Kuhn als unbegründet und schloss mit den Worten: „Machen Sie aus diesem Verein keine Farce.“
Dies wollte Möser so nicht stehen lassen und erklärte seinerseits, dass ihm und der Vorstandschaft in der Vergangenheit wichtige Unterlagen vorenthalten worden seien, was wiederum den Widerspruch mehrerer Anwesender auf den Plan rief. Nach einigen hitzigen Wortgefechten, die teils völlig von der Versammlung abgekoppelt waren und in denen sich Vertreter der verschiedenen Positionen gegenseitig für die verfahrene Situation verantwortlich machten, ließ Möser schließlich grundsätzlich darüber abstimmen, ob die Versammlung das Amt der Ersten Vorsitzenden als vakant betrachte und damit Nachwahlen stattfinden sollten. Dieser Antrag fand eine deutliche Mehrheit.
In einer unmittelbar darauffolgenden Sammelabstimmung beschloss die Versammlung ebenfalls mehrheitlich, jedoch abermals mit einigen Gegenstimmen, dass Kurt Möser als Erster Vorsitzender, die bisherige Dritte Vorsitzende Heidi Mahr als dessen Stellvertreterin sowie Sebastian Mauerkirchner als Revisor fungieren sollen.
Dass diese überstürzte En-bloc-Besetzung, die laut Satzung bis zur turnusmäßigen Neuwahl 2019 gelten würde, auch rechtmäßig zustande gekommen ist, wurde allerdings von mehreren Anwesenden offen angezweifelt. Jurist Erich Endter etwa warnte in einer Wortmeldung bereits zuvor aufgrund der unklaren Rücktrittssituation vor einer Anfechtung und Aufhebung der Nachwahl.
Nach Informationen unserer Zeitung wollen kommende Woche in der Tat eine Reihe Mitglieder das Wahlergebnis anfechten und eine Beschwerde sowohl beim Landes- wie auch Bezirksvorstand der Gartenbauvereine einreichen mit der Forderung, die Versammlung für nichtig zu erklären.
Ingrid Kuhn ließ es im Gespräch mit unserer Zeitung gestern noch offen, ob sie gegebenenfalls mit einem neuen Vorstandsteam wieder die Führung des knapp 1000 Mitglieder starken Vereins anstreben würde.sel/rg