Zu Bericht „Vorplatz für den Alten Friedhof“ im Lokalen:
Als ich letztes Jahr die Ehre hatte, im Namen der Truppenkameradschaft der Brannenburger Gebirgspioniere bei der internationalen Feier am Ehrenmal der Gebirgstruppe auf dem Hohen Brendten bei Mittenwald einen Kranz niederzulegen, freute es mich sehr, dass sich neben den beiden großen Säulen für die gefallenen Soldaten des Ersten und Zweiten Weltkrieges, dort nunmehr auch ein großer Gedenkstein mit der Aufschrift „den Gebirgssoldaten der Bundeswehr, die für Frieden, Recht und Freiheit ihr Leben ließen“ errichtet wurde. Damit wurde aus einem Kriegerdenkmal, „ein Ehrenmal der für ihre Heimat gefallenen Soldaten“.
Losgelöst von der Frage, ob auch die Stadt Kolbermoor mittlerweile gefallene Bundeswehrsoldaten zu beklagen hat, stellt sich die Frage einer Veränderung aus einem ganz anderen Grund. Leider bekamen viele der „für ihre Heimat gefallenen Soldaten“ deshalb keinen Ehrenplatz auf den Namenslisten des Kolbermoorer „Kriegerdenkmals“, weil sie nach dem Krieg nicht mehr zu ihren Familie zurückkehrten – sie waren ja gefallen.
Betroffen davon sind alle ehemals heimatvertriebenen Familien, somit auch alle meine Verwandten in Schlarbhofen. So verlor mein Großvater Jakob Schlarb als Ehrenbürger der Gemeinde Pang/Stadt Kolbermoor und dessen Ehefrau Eva einen Sohn, sein Bruder Peter und dessen Ehefrau Leni grauenhafterweise gleich drei Söhne im Zweiten Weltkrieg. Insgesamt sind acht Angehörige der Familie Schlarb als deutsche Soldaten im Zweiten Weltkrieg gefallen. Keiner der Namen dieser Söhne befindet sich auf einem „Kriegerdenkmal“ oder „Ehrenmal“ irgendwo auf dieser Welt.
Jedes Mal, wenn ich als gebürtiger Kolbermoorer und Oberleutnant d.R. der Bundeswehr beispielsweise anlässlich eines Volkstrauertages am Kriegerdenkmal stehe, bedauere ich das Fehlen der Namen dieser für ihre Heimat gefallenen Soldaten meiner Verwandtschaft.
Die bevorstehende Neugestaltung des „Kriegerdenkmals“ gegebenenfalls als „Ehrenmal“ wäre doch eine passende Gelegenheit, sowohl diesen Gefallenen die ihnen gebührende Ehre zu erweisen, als Platz für die Ehrung von Bundeswehrsoldaten zu schaffen, der wie wir alles sehr hoffen, möglichst lange leer bleiben möge.
Werner Stieb
Kolbermoor