Kolbermoor – Es gebe kein Naturgesetz, das die Bürger in reich und arm einteile, so Ulrike Mascher. Trotz stetigen Wirtschaftswachstums werde die Schere zwischen Arm und Reich immer größer. So seien 2016 schon 15,7 Prozent der Bevölkerung in Deutschland von Armut gefährdet gewesen. Laut Ulrike Mascher seien Kinder, alleinerziehende Frauen, Arbeitslose und zunehmend Rentner besonders betroffen. Frauen seien beispielsweise überdurchschnittlich von Altersarmut betroffen, da sie meist Teilzeit arbeiteten oder in schlechter bezahlten sozialen Dienstleistungsberufen tätig seien und aufgrund der Kindererziehung Brüche in ihrer Erwerbsbiografie hätten. Besonders schwerwiegend sei auch, dass in einem Land wie Deutschland 20 Prozent der Kinder von Armut bedroht seien. Diese Kinder seien schon beim Start in ihr Leben benachteiligt und kämen selten aus dem Kreislauf aus Armut und Benachteiligung heraus. „Die armen Kinder von heute sind die armen Erwachsenen von morgen“, betonte die Referentin.
Der Sozialverband VdK setze sich auf Bundesebene und auch im regionalen Bereich dafür ein, dass die Belange dieser Menschen gehört werden, das Armutsrisiko minimiert werde und sich die Schere zwischen Arm und Reich nicht weiter öffne, sondern wieder schließe.
Laut Ulrike Mascher sei das Geld für Veränderungen da, es brauche aber politischen Willen, die Probleme von heute auch mit Lösungen von heute und nicht von gestern anzugehen. So habe 2017 der Staatshaushalt den vierten Milliardenüberschuss in Folge erzielt, und gesamtgesellschaftliche Leistungen wie etwa die Kindererziehung müssten zwingend aus Steuermitteln finanziert werden. Ein weiteres gewaltiges Problem betrifft die Pflege, betonte Ulrike Mascher. Politik und Gesellschaft hätten das zwar erkannt, aber die geplanten Maßnahmen seien nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.
Es bleibt also noch viel Arbeit für den VdK – das sahen auch die anwesende Vorsitzende des VdK Rosenheim, Marianne Keuschnig, und der Vorsitzende des VdK Kolbermoor, Michael Zeisler, so. Im Anschluss an das spannende Referat gab es noch eine rege Diskussion.