Kolbermoor – „F. X. Wild“, Brauereibesitzer aus Bad Aibling und Bauherr, und „1908“ als Jahreszahl lassen sich in Holz gefertigt an der Südseite des Stadels feststellen. Stefan Reischl vom Heimatmuseum und Christian Poitsch von der Stadt Kolbermoor sind sich einig, dass der Stadel Teil einer Kegelbahn war, die zur ehemaligen Bahnhofsrestauration gehörte. Die befand sich auf dem jetzigen Schröcker-Parkplatz; war Anfang der 70er-Jahre abgerissen worden. Die Gaststätte muss eine Veranda für Bahnreisende und auch einen großen Saal gehabt haben.
Allzu viele Informationen über Gaststätte samt Kegelbahn sind allerdings nicht vorhanden. Stefan Reischl, der beim Ortstermin auf der Suche nach einer alten Karte rasch ins Heimatmuseum eilen konnte, fand nur einen Plan aus dem Jahr 1887 (letztes Jahr aus einem Altpapierfund gekauft!) – aber da gab es die Kegelbahn noch nicht. 1907 wurde die Tonwerksunterführung gebaut. Vorher war der Bahnübergang höhengleich gewesen, aber der zunehmende Verkehr zum Tonwerk hatte den Entschluss zum Bau reifen lassen.
Da der Beginn der Vorbereitungsarbeiten für die Erweiterung für Mai geplant ist, eilt es mit dem Finden eines neuen Platzes für die rund 5,5 mal 8,5 Meter große Holzhütte. Christian Poitsch würde sie am liebsten nur maximal 200 Meter von ihrem Standort versetzen. Technisch wäre das kein Problem, wie Michael Glas, Leiter des Bauhofs der Stadt, zuversichtlich war: Mit Querriegeln, die unter den Längsbalken eingespreizt werden, könnte der Stadel auf einem Auflieger komplett aufgehoben und weggefahren werden. Vorher müssten nur die schweren Betondachziegel runter. Würde man den Stadel zerlegen, würden wahrscheinlich auch die Längsbalken zerschnitten werden.
Glas, Reischl und Poitsch sondierten jetzt einige Möglichkeiten, wo die Kegelbahn voraussichtlich für vier Jahre provisorisch stehen könnte. Als nicht geeignet erwies sich der Garten des Heimatmuseums: Er ist relativ klein – und eine Telefonzelle steht im Weg. Am ehesten geeignet erschien dem Trio eine Aufstellung in der Grünanlage neben dem König-Ludwig-Denkmal an der Hasslerstraße. Dort wäre auch kein Baum im Weg, und auch kein Parkplatz würde wegfallen.
Poitsch möchte den Holzstadel auch mit einer Infotafel bestücken, die an die Geschichte des Bauwerks und des Areals erinnert. Wenn die Unterführung und die Bahnhofs-Renovierung dann abgeschlossen sind, soll die Kegelbahn ihren provisorischen Ort wieder verlassen und als „gebaute Erinnerung“, so Poitsch, im Umfeld des Bahnhofs einen Platz bekommen. Als Nutzung könne man sich möglicherweise ein Lager – auch für den Bauhof – vorstellen; ein „offener“ Teil des Stadels könnte als Unterstand für Busfahrgäste dienen. Die Überlegungen laufen.