Freiwilliges Soziales Jahr als Möglichkeit zur beruflichen Orientierung

Nach dem Abitur gleich wieder Schule

von Redaktion

Nach einem Probetag gings gleich los: Markus Eckert hatte sein Abitur 2017 am Gymnasium Bad Aibling bestanden und sich an der Adolf-Rasp-Schule für ein Freiwilliges Soziales Jahr beworben. Inzwischen hat er mehr als die Hälfte seines Einsatzes hinter sich – und kann diese Idee nur weiter empfehlen.

Kolbermoor – Alljährlich stellt sich für die Schulabgänger an Bayerns weiterführenden Schulen die Frage nach dem „Wohin“ für ihre Zukunft. Dabei hat nicht jeder sofort eine klare Vorstellung von seinem Berufsziel oder will sofort in eine festgelegte Spur wechseln. Das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) bietet für diese Personengruppe eine Gelegenheit, soziale Berufszweige kennenzulernen, Zeit zum Nachdenken und zur Selbstfindung zu erhalten und „nebenbei“ noch einen Dienst an der Gesellschaft zu leisten. Für Markus Eckert gab genau diese Kombination den Ausschlag für seine Entscheidung, sich für ein FSJ zu bewerben: „Nach der Schule war ich mir einfach noch nicht sicher, welchen Berufsweg ich einschlagen möchte. Ich wollte aber auch nicht ein Jahr zu Hause herumsitzen, sondern Erfahrungen sammeln und mich praktisch orientieren“, begründet Eckert seine Intention. Da sich der Kolbermoorer grundsätzlich für eine psychologisch-pädagogische Berufsrichtung interessierte, bewarb er sich gezielt auf eine ausgeschriebene Stelle an der Adolf-Rasp-Grundschule, die er nach einem Probetag dann auch gleich erhielt.

Eingesetzt ist er dort seit September 2017 vor allem in der Ganztagesbetreuung der Jahrgangsstufen eins bis vier. Das Aufgabenfeld dieser Stelle ist dabei abwechslungsreich: Am Vormittag unterstützt Eckert die jeweilige Lehrkraft im normalen Unterricht, indem er Gruppen von Schülern beaufsichtigt, mit ihnen übt und ihnen bei Bedarf Unterrichtsinhalte nochmals erklärt. In der Mittagsbetreuung, beim Essen und in der Spielezeit fungiert er ebenfalls als Ansprechpartner und Betreuer der nachmittäglichen Aktivitäten, indem er etwas mit den Kindern unternimmt.

Begeistert zeigt sich Eckert insbesondere über den offenen Empfang seitens des Lehrerkollegiums: „Man vertraute mir vom ersten Tag die unterschiedlichsten Aufgabenbereiche an, ich musste also nicht nur die typischen Bufdi-Aufgaben erledigen, sondern konnte viel direkt mit den Kindern arbeiten.“ Das positive Feedback der Schüler sowie die Bestätigung des eigenen Tuns durch den sichtbaren Lernfortschritt in den Klassen ist ihm dabei der wertvollste Lohn für seine Arbeit – auch weil sich die finanzielle Versorgung eines „FSJlers“ bekanntlich in engen Grenzen hält…

Nach der prägendsten Erfahrung seiner bisherigen Dienstzeit befragt, nennt Markus Eckert das große Leistungsgefälle innerhalb der Klassen, die er derzeit betreut. Die Inhomogenität der Lerngemeinschaften an der Grundschule, in der von Hochbegabten bis hin zu Kindern mit nur geringen Deutschkenntnissen die komplette Bandbreite an pädagogischen Herausforderungen versammelt ist, ist für Eckert die größte Überraschung, der er bisher an der Schule begegnet ist. Dabei ist gerade für diese Problemfelder der junge Kolbermoorer eine unschätzbare Hilfe, wie Rektorin Manuela Strobl betont. Durch die Mithilfe einer zweiten Betreuungsperson im Unterricht würden die zuständigen Lehrkräfte stark entlastet. Überdies sei Markus Eckert als männliche Bezugsperson auch wertvoll für die Entwicklung der Schüler.

Mit Bedauern sieht Strobl bereits dem Ende des Freiwilligen Sozialen Jahrs entgegen, da die Schule trotz des dringenden Bedarfs aufgrund ihres begrenzten Etats derzeit keine Nachfolgestelle ausschreiben könne. Schon Markus Eckerts Stelle konnte nicht vollständig aus den Schulmitteln gedeckt werden, mit Hilfe der Arbeiterwohlfahrt und der Stadt Kolbermoor wurde die Differenz für dieses Jahr dann doch noch geschultert. Bereits jetzt ist die Schulleitung wieder auf der Suche nach Sponsoren, denen der wertvolle soziale Dienst eine kleine finanzielle Unterstützung wert ist. Ein möglicher Bewerber für das Schuljahr 2018/19 wurde bereits gefunden, konnte aber noch keine Zusage erhalten. Auch Markus Eckert, dessen Einsatz an der Adolf-Rasp-Schule Kolbermoor im Juli zu Ende geht, kann die dortige FSJ-Stelle nur weiterempfehlen. Die wertvollen Erfahrungen, die er dort gesammelt hat, werden ihm für sein angestrebtes pädagogisch-psychologisches Studium und das spätere Berufsleben nützlich sein, ist er sich sicher.

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