Wo das Trinkwasser für Kolbermoor herkommt

Ein mächtiger Strom

von Redaktion

Aus welchen Grundwasserzügen speisen sich die Trinkwasserbrunnen der Städte Rosenheim, Bad Aibling Kolbermoor? Welche Untersuchungen führten zu den Empfehlungen für die Lage und Ausdehnung des seit 2015 gültigen Wasserschutzgebiets? Fragen, die Diplom-Geologin Barbara Sperling anlässlich des Weltwassertags im Kolbermoorer Rathaus beantwortete.

Kolbermoor – Diplom-Geologin Barbara Sperling referierte auf Einladung des Wasserwerks und der VHS Kolbermoor in Kolbermoor. Sperling leitete über sieben Jahre, von 2005 bis 2012, die betreffenden geologischen Untersuchungen.

Die elf Trinkwasserbrunnen in der Willinger Au versorgen mehr als 120 000 Einwohner. Dazu werden pro Sekunde 289 Liter gefördert, das entspricht einer Fördermenge von 9,1 Millionen Kubikmeter pro Jahr. Erfreulicherweise sei prinzipiell genügend Wasser vorhanden und seien auch trotz dieser erheblichen Fördermenge die Kapazitäten bei Weitem nicht erschöpft, so Sperling. Die Stadtwerke Rosenheim betreiben fünf Brunnen mit zusammen 6,25 Millionen Kubikmeter pro Jahr, die Stadtwerke Bad Aibling drei Brunnen mit 1,7 Millionen Kubikmeter pro Jahr und die Stadt Kolbermoor schließlich zwei Brunnen mit 1,15 Millionen Kubikmeter pro Jahr.

Das geschulte Auge kann schon mit einem Blick auf die geologische Karte im Groben die Lage von ergiebigen Grundwasserzügen, wie es im Gebiet südlich der Mangfall zwischen Feldkirchen-Westerham und Bad Aibling der Fall ist, ausmachen. Dieses Grundwassereinzugsgebiet wird im Süden durch die gering-durchlässige Süßwassermolasse des Irschenbergs und im Norden durch eine Moräne des Chiemseegletschers begrenzt. Das Wasser selbst fließt in den Hohlräumen des aus sandigen Kiesen bestehenden Niederterrassenschotters südlich der Mangfall, der nach unten durch Feinsedimente aus den Ablagerungen eines alten Schmelzwassersees abgedichtet wird.

Der Grundwasserleiter erreicht eine Mächtigkeit von bis zu 40 Metern bei einer Breite von bis zu drei Kilometern und fließt – mit Abweichungen – in etwa parallel zur Mangfall Richtung Inn. Beachtenswert ist, dass die Sohle der Mangfall im Westen über dem Grundwasser liegt – die Mangfall also einspeist –, in einem mittleren Abschnitt das Niveau der Mangfall unter dem Grundwasserspiegel liegt – sie also Grundwasser aufnimmt und sich das Verhältnis nach Rosenheim zu nochmals umkehrt.

Zu bedenken ist dabei allerdings immer, dass der Wasserkörper der Mangfall nicht nur den oberirdisch sichtbaren Fluss beschreibt, sondern damit auch unterirdisches Wasser mit gemeint ist. Die Befürchtung, dass ein Mangfallhochwasser das Grundwasser bakteriologisch beeinträchtigen könnte, konnte die Referentin zerstreuen: Überall dort, wo die Mangfall über die Ufer tritt, sei sie weit vom Grundwasserleiter entfernt.

Gespeist wird das Grundwasserreservoir im Wesentlichen durch Niederschläge (im jährlichen Mittel 511 Liter pro Sekunde), durch Zulauf vom Irschenberg (218 Liter pro Sekunde), unterirdischen Zulauf von Westen (190 Liter pro Sekunde), der Mangfall mit erheblichen 402 Liter pro Sekunde sowie schließlich vom Triftbach mit 73 Liter pro Sekunde und weiteren kleineren Bächen und Zuflüssen mit 30 Liter pro Sekunde.

Der Grundwasserleiter zeichnet sich durch eine große Mächtigkeit, relativ hohe Fließgeschwindigkeit (11,2 Meter pro Tag) und geringen Schutz durch die Überdeckung aus. Da der Grundwasserspiegel durchgehend weniger als 15 Meter unter der Fluroberfläche liegt, brauchen Niederschläge nur einen Zeitraum von einigen Tagen, um von der Oberfläche ins Grundwasser zu gelangen.

Der Kolbermoorer Brunnen fördert das Wasser aus einer Tiefe von 16 Metern zutage. Diesen Gegebenheiten sind unter Berücksichtigung der staatlichen Auflagen Größe und Umfang des Wasserschutzgebietes geschuldet. In den drei Schutzzonen ist die Nutzung durch Auflagen so abgestuft, dass eine Verunreinigung des – durchwegs hervorragenden Wassers – nach gültigen Erwägungen ausgeschlossen ist.

Auf Nachfragen aus dem Publikum verwiesen Bauamtsleiter Andreas Meixner und Wasserwirt Klaus Vockensberger darauf, dass das Kolbermoorer Trinkwasser zweimal jährlich, im Frühjahr und im Herbst, beprobt und die Ergebnisse jeweils auf der Internetseite des Wasserwerks veröffentlich würden.

Bei keinem der gemessenen Parameter seien die Grenzwerte auch nur annähernd erreicht worden; das aktuell in der Diskussion stehende Glyphosat liege unter der Nachweisgrenze.

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