Kolbermoor – „Du musst dein Herz an einer Angel vor dir hertragen!“ Kirchenchorleiter müssen förmlich nach neuen Sängern „fischen“. Für Kirchenmusiker Gerhard Franke ist dieser Rat eines ehemaligen Dienstherrn Aufgabe und Auftrag zugleich. Seit fast 20 Jahren ist Franke als hauptamtlicher Kirchenmusiker für die beiden katholischen Pfarrgemeinden in Kolbermoor angestellt. Rund 50 Sänger wirken insgesamt fest in beiden Chören mit. Gerade die Fastenzeit sei auch aus kirchenmusikalischer Sicht eine „besondere Zeit, eine Gnadenzeit“, die sich von Gründonnerstag bis hin zum Ostersonntag zu einer „einzigen Feier“ von Leid, Tod, Auferstehung und neuem Leben verdichte. Deshalb habe er, so Franke im Gespräch mit unserer Zeitung weiter, in diesem Jahr Schuberts Missa brevis in F gewählt, denn seine musikalische Darstellung der Auferstehung sei „einfach toll“. Die wichtigste Zeit im Kirchenjahr fordert den Kirchenmusiker und die Sänger besonders. Schon nach Weihnachten beginnen die Vorbereitungen für die Fastenzeit und Ostern, die Programmauswahl sowie die Zusammenstellung des Orchesters. Von der Schola bis hin zum Kinderchor ist alles im Einsatz. „Das ist die wichtigste Zeit im Kirchenjahr und das wird musikalisch auch zum Ausdruck gebracht“, betont Franke. Eine abwechslungsreiche Programmauswahl motiviere über Jahre hinweg auch die Sänger, erläutert er weiter. Schon Bekanntes wechsle sich mit Modernem ab – und so werde es auch für die Gottesdienstbesucher nicht langweilig.
„Du musst dein Herz an einer Angel vor dir hertragen“ – mit diesem Leitspruch will Franke, der zugleich Dekanatsmusikpfleger des Dekanates Bad Aibling ist und einen Lehrauftrag beim Kirchenmusik-C-Kurs der Erzdiözese München und Freising hat, neue Sänger für den Kirchenchor gewinnen. Denn: Von selber fänden nur noch wenige Interessierte den Weg in die Kirchenchorprobe. Deshalb besucht Franke konsequent Schulen, spricht Firmlinge oder auch Erwachsene „einfach an“, ob sie nicht Lust zum Mitsingen hätten. Gerade im Hinblick auf die reiche Tradition gelte es, die Kirchenchöre zu erhalten.
Und dann erzählt der Musiker voller Begeisterung von der erfüllenden Wirkung des Singens, von den belebenden Momenten einer Aufführung oder von der Osternacht, in der das Licht wieder Raum greift in der Dunkelheit der Kirche und der mächtige Ton der Orgel ansetzt, der am Gründonnerstag verstummt ist.
Wenn dann der Chor mit Hingabe Schuberts „Et resurrexit… und ist auferstanden!“ vorträgt – das ergreife ihn und die Sänger, gesteht Franke.
Noch befasst sich Gerhard Franke zwar mit den österlichen Aufführungen, doch im Gedanken bewegt er zugleich schon ein weiteres Projekt: die Restaurierung der Orgel in der Kirche Heilige Dreifaltigkeit. Die gesamte Orgel ist – wie berichtet – großflächig von Schimmel befallen. Auch hier trägt Gerhard Franke schon seit Monaten sein Herz symbolisch an der Angel vor sich her, um Unterstützer zu finden. Am dritten Adventssonntag soll die restaurierte und rekonstruierte Orgel in Heilig Dreifaltigkeit wieder eingeweiht werden – selbstverständlich mit Chor und Orchester.