B6303722: Mit Schlappohren zum Erfolg bei Ausstellungen

von Redaktion

Blick hinter die Kulissen der Kaninchenzucht – Die Geschichte einer großen Leidenschaft

Kolbermoor – Kaninchen B6303722 hat Potenzial: blau-weiße Fellfarbe, Schlappohren mit der perfekten Länge, gestutzte Nägel und gut frisiertes Fell. „Oh, wie süß!“, ruft der Besucher im Stall aus. Das freut Johann Schmid (58): Denn die Häsin ist das Ergebnis harter Arbeit des Kolbermoorer Rassekaninchenzüchters. Seine Karriere als Rassekaninchenzüchter startete Schmid im zarten Alter von zehn Jahren – mit einem Kleinchinchilla. Das war der Beginn einer Leidenschaft.

Momentan kümmmert sich der Züchter „nur“ um drei Rassekaninchen: zwei Häsinnen und einen Rammler. „Eine ganz kleine Zucht“, wie er betont. „Ich fange mit der Rasse erst an. Ich mag es, alle paar Jahre etwas Neues auszuprobieren“, erklärt Schmid.

Fasst man also den Entschluss zum Züchten, ist das ein wenig so wie beim Klamottenshopping. In einem Katalog oder im Internet sind verschiedene Bilder von Rassekaninchen abgebildet. Gefällt dem angehenden Züchter das Bild, informiert er sich über die Bewertung der Rasse. Der Kolbermoorer bevorzugt beim Kauf den Weg zum Züchter: „Da sieht man den ganzen Stamm und wie die Tiere gehalten werden“. Derzeit fokussiert sich Schmid auf den sogenannten Widder-Typ. Typische Merkmale: blau-weiße Farbe und Hängeohren.

Am Ausstellungstag dreht sich alles um Kaninchen Nummer B6303722. B630 steht für den Landesverband und den Verein. 3722 für das Geburtsdatum und die Anzahl dieser Rasse im Verein. Eine Stunde dauert es, bis die blau-weiße Schönheit ausstellungsbereit ist. Krallen schneiden, das Fell durchbürsten und noch mal fix auf die Waage, bevor der große Moment gekommen ist.

„Bei den Ausstellungen gibt es einen Standard, das sogenannte Gesetzbuch der Rassekaninchenzüchter“, erklärt Schmid. In dem Buch stehen sieben Punkte, die bei der Zucht wichtig sind: Größe, Gewicht, Farbe, Fell, Ohrenlänge, Gesundheit und Pflege.

Bei den Ausstellungen, so erklärt der Züchter, werden immer Zuchtgruppen ausgestellt, beispielsweise vier Tiere von einem Wurf oder eine Familie. „Die Tiere werden dann bewertet und die Punkte zusammengezählt. 100 ist das beste Ergebnis“, so Schmid. Er hat unter anderem schon bei der Landesschau in Straubing ein Siegertier gestellt und wurde Landesklubmeister in Dettelbach.

„Die Erfolge sind natürlich ein Ansporn für mich“, erklärt der Züchter. Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Wenn die Züchter in der Ausstellung hohe Bewertungen erhalten, haben sie gute Chancen, die Tiere zu verkaufen.

Seine Leidenschaft teilt er mit 18 weiteren Rosenheimer Rassekaninchenzüchtern. Seit 1974 ist er ein aktives Mitglied im Verein und dort auch als Schriftführer tätig. „Wir haben alle zwei Monate eine Versammlung. Einer der Mitglieder bringt ein Tier mit, das dann vom Zuchtwart besprochen wird. Zudem tauschen wir Erfahrungen aus“, bericht Schmid.

Er bezeichnet den Verein als einen Stammtisch mit Hintergrund. „Es ist wirklich toll und ich gehe gern hin, weil man immer wieder etwas Neues erfährt“, fährt er fort.

Ein Leben für die Hasenzucht

Dass die Kaninchenzucht kein angesagtes Hobby mehr ist, darüber ist sich Schmid im Klaren: „Das Freizeitdenken hat sich geändert. Die Kaninchenzucht geht zurück.“

Die Rosenheimer stehen im Vergleich zu anderen Vereinen, mit 18 Züchtern allerdings noch gut da. „Bei der letztjährigen Bundesschau in Leipzig waren wir sogar mit 40 Tieren vertreten“, bekräftigt Schmid die Aussage stolz. Liebevoll streicht er Kaninchen Nummer B6303722 über das Fell. „So lange es geht und so lange, wie ich kann, möchte ich meine Hasen halten. Sie begleiten mich jetzt schon fast mein ganzes Leben.“Anna Heise

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