Herr Korndoerfer, sind Sie ein Energierebell?
Ein Rebell? Ich würde sagen kein Rebell, sondern überaus freiheitsliebend. Die erneuerbaren Energien bieten jedem Einzelnen die Chance, unabhängig von großen Vorsorgestrukturen zu werden. Der Strukturwandel vollzieht sich praktisch von unten. Das fasziniert mich. Die großen Strukturen müssen durchbrochen werden und da hat etwa das Gesetz für erneuerbare Energien (EEG) Möglichkeiten eröffnet, die auch dem kleinen Mann Planungssicherheit bieten. Ich bin der Meinung, dass Abhängigkeit schlecht und Solidarität gut ist. Also weg vom „Konsumer“ hin zum „Prosumer“, der zum Beispiel Energie, die er selbst produziert, mit anderen teilt. Ein kleinteiliger Marktplatz für Energie – das schwebt mir vor.
Sie sind jetzt etwa eineinhalb Jahre im Amt. Zeit für eine kleine Bilanz.
In Zusammenarbeit mit dem Landratsamt und vielen Bürgermeistern habe ich ein Solarpotenzialkataster erstellen können, das in Kürze im Netz öffentlich zugänglich sein wird. Damit kann jeder Bürger testen, ob seine Dachfläche geeignet ist, welche Kosten auf ihn zukommen und ab wann sich die Sache rechnet. In Kolbermoor läuft derzeit schon erfolgreich die Umstellung auf LED-Beleuchtung, was für die Stadt rund 78 Prozent Energieeinsparung bedeutet. Nicht zu vergessen die Einführung von kommunalen E-Fahrzeugen – und hier vor allem im Nutzfahrzeugbereich für den Bauhof. Das Projekt „Mieterstrom“ wird im städtischen Wohnhaus am Glasberg und auch im Kindergarten in der Ganghoferstraße verwirklicht. Ein weiterer Baustein ist das Radfahrkonzept, das derzeit für die Stadt erarbeitet wird.
Vor allem ihre Imagekampagne des Kolbermoorer Stadtmarketings mit dem Namen „Du kannst!“ will das persönliche Engagement jedes Einzelnen befeuern. Sind die Kolbermoorer Bürger bereit zur Energiewende?
Ich bin mir sicher: Die Bürger sind bereit. Es braucht nur ansprechende Formate, um sie in den Umsetzungsprozess einzubinden. Es gehört zu meiner Aufgabe als Klimaschutzbeauftragter der Stadt Kolbermoor, in diese Richtung zu agieren und Lösungen anzubieten.
Ein Schwerpunkt des Erlebnistages liegt auf der Diskussion. Bürger und Referenten sollen sich aktiv austauschen.
Die Vortragsreihe des Erlebnistags setzt bewusst auf Diskussion, so vielfältig, unterschiedlich und spannend sind die Impulsvorträge. Sie sollen Fragen aufwerfen, die in den Nachhaltigkeitsforen eingehend betrachtet werden können.
Was erwarten Sie sich persönlich von diesem ersten Kolbermoorer Erlebnistag?
Ich hoffe auf großes Interesse seitens der Bürgerschaft. Das Angebot soll die Fantasie anregen und Visionen beflügeln. Man kann sich am Erlebnistag auf eine Reise zu den Feldern der Nachhaltigkeit begeben und sich auf Abenteuer einlassen – bestenfalls mit allen Sinnen. So gibt es im Bereich „Speis und Trank“ nicht die klassische Leberkässemmel, sondern vegetarisches Catering und für den Durst Biobier. Mein Ziel: Die Besucher sollen Freude am Thema Nachhaltigkeit erlangen. Es geht nicht nur um Verbote, sondern um eine Vielzahl von Möglichkeiten.
Kolbermoor 2025 – wie soll sich die Stadt Ihrer Vision nach entwickeln?
Für mich ist die Umwandlung von Überschussstrom in Methan eine der zukunftsweisenden Schlüsseltechnologien. Diese sollte in Kolbermoor umgesetzt werden. Dann hoffe ich, dass wir 2025 viele, viele neue Solaranlagen auf den Dächern haben. Mein Zukunftswunsch für Kolbermoor ist eine gemütliche Atmosphäre in der Innenstadt – und dazu muss der Verkehr raus aus der Stadt oder zumindest erheblich reduziert werden. Also: Wer kann, rauf aufs Rad und rein in den öffentlichen Nahverkehr. Es gibt viel zu tun.Interview: Eva-Maria Gruber