Erinnerungen von Peter Maier

Mit Zither überzeugt

von Redaktion

Seit 50 Jahren ist das Frühjahrssingen der Stadtsing- und Musikschule Kolbermoor ein fester Bestandteil im Jahreslauf. Organisator Peter Maier erinnert sich – etwa an kuriose Überzeugungsarbeit mit der Zither, missliebige Mikrofontests und was passieren kann, wenn man seine Brille vergisst.

Kolbermoor – Das alljährliche Frühjahrssingen der Stadtsing- und Musikschule Kolbermoor ist seit nunmehr 50 Jahren eine Veranstaltung, die den musikalischen Kalender der gesamten Region bereichert. Maßgeblich trug und trägt es noch heute zum exzellenten Ruf bei, den die Singschule und damit letztlich auch die gesamte Stadt in der alpenländischen Musik genießt. Bevor nun das 51. Frühjahrssingen am morgigen Samstagabend im Mareissaal stattfinden wird, hat der langjährige Organisator Peter Maier im Gespräch mit unserer Zeitung einen kleinen Streifzug durch die Geschichte der Gesangs- und Musikveranstaltung unternommen. Selbst von Anfang an mit dabei, hat Peter Maier noch gute Erinnerungen an das Jahr 1968, als das Frühjahrssingen zum ersten Mal in der heutigen Form stattfand. Nachdem es bereits in den Jahren zuvor unter der Ägide von Hans Lorenz ähnliche Veranstaltungen gegeben hatte, die stets aus einem alpenländischen Teil und einem Teil mit deutsch-europäischen Volksliedern bestanden, fand die Ausgabe von 1968 auf Anregung von Musikschulleiter Heiner Seyfried erstmals mit rein alpenländischer Gesangs- und Musikgestaltung statt.

Mit dem Giesinger Viergesang, den Bojern-Dirndln und natürlich dem hauseigenen Mannergsang der Singschule, der kurz zuvor erst gegründet wurde und somit heuer ebenfalls ein Jubiläum begehen darf, war bereits das erste Programm überaus hochkarätig besetzt.

Auch die Fischbachauer Sängerinnen waren für das erste Frühjahrssingen vorgesehen, offenbar hatte man im Oberland aber Bedenken, ob man in Kolbermoor auch die rechte Begleitung für die Lieder gestellt bekam. So musste Peter Maier zuvor mit seiner Zither im Gepäck nach Fischbachau fahren, und die Sängerinnen um Kathi Greinsberger von seiner Qualität als Begleiter überzeugen – mit Erfolg, denn die Fischbachauer Sängerinnen fanden sich schließlich ebenfalls unter den Mitwirkenden.

Aufgaben wurden

fest verteilt

In den folgenden Jahren, in denen das Frühjahrssingen nun regelmäßig stattfand, etablierte sich die Veranstaltung im Volksmusikkalender und lockte zahlreiche Zuschauer aus nah und fern nach Kolbermoor, zunächst in die Turnhalle der Mädchenschule, später dann in die Adolf-Rasp-Grundschule und schließlich in den Mareissaal, der seither der angestammte Ort geworden ist. Als im Jahr 1977 das 50-jährige Bestehen der Singschule gefeiert wurde, einigten sich die Verantwortlichen auf eine feste Aufgabenverteilung, um die zahlreichen Veranstaltungen des Festjahres besser zu koordinieren.

Peter Maier wurde die Organisation des Frühjahrssingens übertragen – „und diese Aufgabe ist dann bis heute an mir hängen geblieben“, schmunzelt er. Über diese 41 Jahre hinweg hat Maier zahlreiche Gruppen eingeladen, Sprecher engagiert und nebenbei versucht, möglichst vielen Zuschauern ihre speziellen Sitzplatzwünsche zu erfüllen. Anfangs konnte Maier mangels Telefon Anfragen an Musik- und Gesangsgruppen ausschließlich per Brief abwickeln – eine mühsame Arbeit, da zudem in jedem Jahr deutlich mehr Mitwirkende kontaktiert werden mussten, als dann letztendlich für den Termin in Kolbermoor zur Verfügung standen. Auch manche Verwirrungen mussten teils in letzter Minute noch bereinigt werden, etwa als einmal ein Familiengesang aufgrund eines Trauerfalls am Vortag des Singens absagte. Nach einigem Suchen konnte schließlich der Lohholzer Hausgsang einspringen. Vor einigen Jahren vergaß Hans Schönauer, Bürgermeister von Irschenberg und beliebter Ansager, seine Brille und musste seine gesamten Texte aus dem Gedächtnis aufsagen.

Ein anderer Sprecher, Willi Großer, verzettelte sich einmal derart in seinen Geschichten, dass sich das Frühjahrssingen bis Mitternacht hinzog und das Publikum mehr als einmal unruhig wurde. An diese und viele weitere Anekdoten erinnert sich Peter Maier heute, auch an das Aufnahmeteam des Rundfunks, das in früheren Jahren regelmäßiger Gast beim Frühjahrssingen war. Zwar sorgte die folgende, zweiteilige Ausstrahlung im Radio für einen deutlichen Prestigegewinn, jedoch hat Peter Maier heute nicht nur positive Erinnerungen an die Aufnahmen.

Die Vorgabe etwa, dass die mitwirkenden Gruppen für Mikrofontests oft bereits Stunden vorher im Saal erscheinen mussten, sorgte damals für Missstimmungen und führte letztlich dazu, dass man sich nach einigen Jahren wieder gegen die Rundfunkaufzeichnung entschied. Die Beliebtheit des Frühjahrssingens blieb dennoch ungebrochen, vor allem bei den auswärtigen Gästen, die in jedem Jahr aus der Region nach Kolbermoor kommen. Angelockt wurden sie immer wieder durch bekannte Gruppen, aber auch interessante Nachwuchsmusiker fanden viel Beifall.

Viele Größen der Volksmusikpflege, darunter Wastl Fanderl und Paul Ernst Rattelmüller sowie bekannte Rundfunksprecher aus Bayern und Tirol, sorgten als Ansager für eine passende Umrahmung des musikalischen Geschehens.

Als Organisator war Peter Maier dabei stets wichtig, dass neben Auswärtigen auch die hiesigen Gruppen gut vertreten waren. Neben dem Chor und dem Mannergsang der Singschule, die in jedem Jahr fest zum Programm gehörten, waren und sind die Eabach-Musi, die Kolbermoorer Dirndl, die Chöre der Lyra Lohholz oder verschiedene Musikformationen wie die Kolbermoorer Hackbrettmusi oft beim Frühjahrssingen vertreten. Ihnen ist es auch zu verdanken, dass der Eintrittspreis über viele Jahre hinweg so niedrig wie möglich gehalten werden konnte, um allen Volksmusikinteressierten das Zuhören in Kolbermoor zu ermöglichen.

Dankbar ist Peter Maier in diesem Zusammenhang besonders seiner Frau Irmi, die ihn beim Kartenvorverkauf und der Saalplanung seit jeher unterstützt.

Keinen Zweifel hat er daran, dass auch bei der diesjährigen Auflage des Frühjahrssingens der Mareissaal wie in den letzten Jahren gut gefüllt sein wird. Mit den Geschwistern Forster, der Familienmusik Sinhard, dem Kieferer Gießenbachklang, der Eabach-Musi und natürlich dem Mannergsang und dem gemischten Chor der Stadtsingschule Kolbermoor ist wieder ein hochkarätiges Programm zusammengestellt worden.

Durch den Abend führt erstmals Gustl Lex aus Grabenstätt.

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