rektorin Manuela Strobl im gespräch

Tablets für alle Schüler?

von Redaktion

Seit 2018 gilt: Digitalisierung zuerst! So sieht es zumindest Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitalisierung im Kanzleramt. Manuela Strobl, Rektorin der Adolf-Rasp-Grundschule Kolbermoor, setzt auf beides: etwa den Erhalt der Kulturtechnik Schreiben sowie den maß- und vor allem sinnvollen Einsatz neuester Technik.

Frau Strobl, sind Sie eher ein Computerfreak oder eine Technik-Skeptikerin?

Ich muss gestehen, dass ich unwahrscheinlich gerne am und mit dem Computer arbeite – auch im Unterricht. Ach, es gibt ganz herrliche Lernspiele, die sinnvoll sind, die Kinder motivieren und wirklich Spaß machen. Zudem muss ich aber sagen, dass das reale Spiel oder das Toben im Freien niemals durch ein Computerspiel ersetzt werden können. Kinder brauchen das und wir sollten sie auch in dieser Hinsicht nach Kräften fördern.

Tablets für alle Schüler – so der Ruf aus dem Staatsministerium für Digitalisierung. Tablets für alle Schüler der Alfred-Rasp-Grundschule?

Wir haben vor Kurzem der Stadt Kolbermoor als Sachaufwandsträgerin ein Medienkonzept vorgelegt, in dem sozusagen unser digitaler Weg dargestellt wird. Dieses Konzept dient auch dazu, um künftig Fördergelder für weitere Anschaffungen zu bekommen. Der Prozess hin zu einer möglicherweise überwiegend digital arbeitenden Schule dauert und schließt nicht nur die erforderlichen technischen Geräte, sondern vor allem das Lehrerkollegium und auch die Kinder mit ein. Natürlich muss im Rahmen der Digitalisierung die Fortbildung der Lehrer sozusagen parallel erfolgen, um Geräte auch sinnvoll einsetzen zu können.

Wie ist die Adolf-Rasp-Grundschule in Sachen Digitalisierung momentan aufgestellt?

Sehr gut. Wir arbeiten zum Beispiel schon mit sogenannten Smartboards. Die sehen aus wie Tafeln, sind jedoch große Touchscreens, auf die die Schüler etwa mit Spezialstiften schreiben oder Dateielemente, wie Bilder oder Texte, frei auf der Oberfläche verschieben können. Mit zur Ausstattung gehören inzwischen schon Laptops und Beamer sowie Dokumentenkameras, die es erlauben, „echte“ Bücher, Schriftstücke, Bilder über den Beamer an die Tafel zu projizieren. Das erleichtert den Lehrern wie auch den Schülern die Arbeit ungemein – und macht auch Spaß.

Sie sprechen sich aber auch entschieden für den Erhalt der Kulturtechnik „Schreiben“ aus.

Das ist mir ein großes Anliegen. Immer mehr Kinder schreiben immer weniger mit der Hand. Zum einen ist die eigene Handschrift ein unverwechselbarer Ausdruck der eigenen Persönlichkeit, zum anderen fördere ich durch handschriftliches Schreiben die Konzentration, trainiere die Feinmotorik und merke mir so Wichtiges definitiv besser als durch das bloße Lesen auf einem Handydisplay oder Computerbildschirm.

Der Ruf nach schneller und umfassender Digitalisierung im schulischen Bereich wird aber immer lauter. Wie gehen Sie damit um?

Tatsache ist: Wir leben im Zeitalter der Digitalisierung. Dem kann und soll man sich nicht verschließen. Mir und meinem Kollegium ist es aber vor allem ein Anliegen, die Medienkompetenz der Kinder und auch Eltern zu stärken. Wie gehe ich etwa mit Smartphones um, was kann ich tun, was sollte ich unter allen Umständen unterlassen? Wann wird es richtig gefährlich und mitunter sogar sehr teuer? Deshalb gibt es bei uns an der Schule den Medienführerschein. Zusammen mit dem Kinderschutzbund fand für die vierte Jahrgangsstufe ein Medienlöwenprojekt statt. Dabei stellen die Kinder bei einem speziellen Infoabend die Vor- aber auch Nachteile der Digitalisierung heraus. Es stimmt einen schon sehr nachdenklich, wenn etwa ein Achtjähriger berichtet, dass er um 2Uhr morgens aufsteht, um an einer „Challenge“ am Handy teilzunehmen. Man kann sich vorstellen, wie bei so wenig und vor allem unterbrochenen Schlaf der Schultag verläuft. So ein Vorfall wird sehr intensiv besprochen – und macht auch die Kinder hellhörig.

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