Frühjahrssingen der Stadtsingschule Kolbermoor

Die Leuchtkraft der Volksmusik

von Redaktion

Eingefleischte Volksmusikkenner in der Mangfallstadt und sicher weit darüber hinaus fragen sich immer dann, wenn sich der Kolbermooorer Mareissaal anlässlich des Frühjahrssingens der „Singschui“ füllt, wie Organisator Peter Maier es über Jahrzehnte hinweg schafft, namhafte Gruppen in hoher Qualität ins Programm zu bekommen. Diese nicht leichte Aufgabe ist ihm auch heuer wieder großartig gelungen.

Kolbermoor – Das merkten die Zuhörer gleich zu Beginn, als der „Kieferer Gießenbachklang“ in seiner frischen bairisch-tirolerischen Spielweise mit wunderbar vollem Klang dem Singen und Musizieren einen reschen Auftakt verpasste. Wenn die Musiker ihr gesamtes Blech zum Einsatz bringen, kann man direkt die einsetzende Begeisterung des Publikums spüren. Durchwirkt vom lebhaften Spiel der Steirischen Ziach und einer ausgezeichnet geführten Harfe, drücken die Vollblutmusiker ihren Landlern und Bläserweisen einen anspruchsvollen, orchestralen Charakter auf.

Immer dabei, aber nie in routinehafter Beliebigkeit, der Chor der Stadtsingschule unter Heide Hausers prägnanter Führung. Jedem noch so bekanntem Volkslied wird die gebotene Konzentration und das sprachlich passende Gewand verpasst und die textliche Aussage im Gesang verwirklicht. Für Überraschungen ist diese erfahrene und traditionsreiche Singgemeinschaft immer gut. Mit einfühlsamer Harfenbegleitung von Susanne Sinhard ließ der Chor ein typisches Maierhofer-Lied, „Gern hom, tuat guat“, in kärntnerischer Breite und nicht abreißendem Klangbild erklingen. Das Publikum reagierte begeistert.

Nach vielen Jahren der Abstinenz tat es gut, dass Peter Maier die „Geschwister Forster“ wieder nach Kolbermoor eingeladen hatte. Nicht abgeschliffene Präsentation, sondern großartiges Zusammensingen in geschwisterlicher Harmonie prägen ihre Lieder vom Frühjahr und der Liab. Mit „Diandl, du liabs“ und de „Kohlschwarzn Rappal“ hatten sie Lieder im Gepäck, die langjährige Volksmusikerfahrung und sängerisches Gefühl verlangten.

Gut aufgelegt und nach herben Verlusten an Sängerkameraden gesanglich wieder bestens eingestellt und gefestigt, woran auch wiederum Peter Maier große Verdienste hat, setzte der „Kolbermoorer Mannagsang“ seine besonderen Akzente. „ Is des net a Freid, bei da Summaszeit“ wurde jodlerisch gut abgeschlossen und die humorige Singweise der nun seit 50 Jahren bestehenden Truppe fand im „Übas Loatal“ oder den „Schleifasleit“ ihren trefflichen Niederschlag. Die Liedbegleitung verschiedener Gruppen ohne allzu große Vorarbeit in hoher Qualität und Passgenauigkeit zu schaffen, dafür bürgt stets die „Eabachmusi“. Sie musiziert mit zwei Zithern, Melodie- und Begleitkontragitarre, Akkordeon und Bass in einer Präzision und Intensität, die seinesgleichen sucht. Tempo und Dynamik sind wohl aufeinander abgestimmt und geradezu entfesselt lassen sie ihre teilweise selbst komponierten Landler und Märsche in den Saal tropfen. Kolbermoor und seine Volksmusikszene dürfen stolz auf dieses in einer momentanen Hochphase spielende Ensemble sein. Gustl Lex, Grabenstätter Heimatpfleger und Urgestein des bayrischen Dialekts, hatte mit seinen mitgebrachten Verserln und Anekdoten die humorvolle Seite des Singens und Musizierens voll abgedeckt. Das Publikum amüsierte sich köstlich über ein Festbankett beim „Prinzregent Luitpold“, der zur bösen Überraschung provinzieller Politiker keinen „Kaffiar“ servieren ließ, sondern scharfen „Löwensenf“ kredenzte. Kauzige Liabsgschichten über Manna- und Weibaleit hatte Gustl Lex als „Schenkelklopfer“ reichhaltig zu bieten. Als ausgezeichnete Botschafter alpenländischer Volksmusik musizierte sich die „Familienmusi Sinhard“ in die Herzen der kundigen Zuhörer. Susanne und Robert Sinhard gaben mit Harfe, Gitarre und Steirischer den guten Ton an und in wechselnden Besetzungen fügten sich ihre drei Kinder mit Geige, Bass, Posaune und Klarinette in unaufgeregter Souveränität und hoher musikalischer Frische in die familiäre Harmonie ein. Eine brillante Vorstellung, die einmal mehr das hohe Niveau dieser Veranstaltung untermauerte. Die „Sinhards“, die „Geschwister Forster“ und ein hellwacher „Gießenbachklang“ schickten ein aufgekratztes und vergnügtes Publikum mit ihren Zugaben aus einem „Frühjahrssingen“, das einmal mehr die nimmermüde Kraft der Volksmusik aufleuchten ließ.

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