Asylsuchende in Kolbermoor

Eine Struktur fürs neue Leben

von Redaktion

Sie kommen aus Syrien, Nigeria, dem Senegal, aus Afghanistan, dem Irak oder dem Iran – rund 100 Menschen betreuen die Asylsozialberaterinnen Saskia Pangritz und Susanne Weber in Kolbermoor. Ihr Fazit im Gespräch mit unserer Zeitung: „Viele von ihnen sind hier schon gut verankert.“

Kolbermoor – Jeder Tag biete Platz für viel Neues. Mit diesen wenigen Worten umschreibt Saskia Pangritz die umfangreichen Herausforderungen ihres Arbeitstags. Bei aller Bescheidenheit: Das Aufgabenfeld der beiden Flüchtlings- und Integrationsberaterinnen setzt sich aus vielen einzelnen Mosaiksteinchen zusammen, die – zusammengefügt – letztlich ein großes Bild eines geordneten Alltagslebens für die Asylsuchenden aus aller Welt ergeben sollen.

Eine Vielzahl von Einzelfragen stürmt täglich auf die beiden Frauen ein: Wie lässt sich etwa der Streit mit meinem Nachbarn lösen? Wie komme ich aus dem viel zu teuer abgeschlossenen Handyvertrag wieder heraus? Kann ich auch Deutschkurse besuchen? Woher bekomme ich Hilfe von einem Ehrenamtlichen? Kindergeld – auch für mich?

Heike Schröter, Bereichsleiterin für Integrative Dienste der Diakonie Rosenheim, verweist auf die aktuelle Statistik von 2017, die aufzeigt, welche Themen die Asylsuchenden im vergangenen Jahr am meisten beschäftigt haben. Hauptsächlich werden demnach Fragen zum Asylverfahren, zu Ausbildung und Beruf, zu Kindertagesstätten, Schulen und Hausaufgaben sowie zu Schuldenvermeidung gestellt.

Gerade für diejenigen, die sozusagen mit der Zuweisung vom Landratsamt sprichwörtlich vor der Tür stehen, gilt es, eine gefestigte Struktur am jeweiligen Wohnort aufzubauen. Eine Struktur, die sich von A wie Arztbesuch bis hin zu Z wie Zugverbindung zusammensetzt. Viele Wege sind gemeinsam zu bewältigen, zum Beispiel der Gang zur Meldebehörde der Stadt oder der Gemeinde oder die Anmeldung in Kindergarten oder Schule.

Sprachliche Hürden werden zum Beispiel mithilfe des Rosenheimer Dolmetscher Netzwerks genommen. Es besteht aus einer Gruppe Ehrenamtlicher, die neben Deutsch noch mindestens eine weitere Sprache gut beherrschen. Für über 20 Sprachen sind diese Ehrenamtlichen als Sprach- und Kulturmittler tätig.

Speziell in Kolbermoor bietet etwa auch die VHS Kurse an, um Asylbewerbern die deutsche Sprache gut und vor allem zügig zu vermitteln. Saskia Pangritz: „Ich kann oft nur staunen, wie schnell manche Asylsuchende gut und fließend deutsch sprechen.“ Laut Heike Schröter betreuen vier Flüchtlings- und Integrationsberater der Diakonie in Unterkünften des Landkreises rund 650 Personen. Der geografische Umgriff für die einzelnen Berater ist groß: So ist Saskia Pangritz für Asylsuchende in Bad Aibling, Kolbermoor und Bruckmühl, Susanne Weber für Tuntenhausen, Schechen, Großkarolinenfeld und Kolbermoor zuständig. Besonders wichtig ist vor Ort die Zusammenarbeit mit den ehrenamtlichen Kräften. In Kolbermoor sind es zehn, „die richtig aktiv sind“, betonen Pankritz und Weber anerkennend im Gespräch mit unserer Zeitung. Insgesamt sei man mit der Situation in Kolbermoor zufrieden. Auch hier zeige sich: Wer Bleibeperspektive hat, der will sich integrieren. So hätten viele der Flüchtlinge, die 2013 mit der ersten Welle nach Kolbermoor gelangt seien, einen guten Weg genommen, seien inzwischen in Ausbildung und hätten sich bestens integriert.

Schwierig sei die Situation aber für Asylsuchende mit geringen oder unsicheren Bleibechancen, so Schröter. Die Sorge um die Zukunft belaste die Menschen massiv. Dann sei die Bleibeperspektive getrübt und somit fehlten auch Kraft und Bereitschaft, sich auf den Weg zu machen. Kraft und Bereitschaft – das sind auch Leitworte für alle im Asylbereich Tätigen. Sie wissen um die Sorgen und Nöte, sie wissen um die Gründe und das oftmals bedrohliche und gefährliche Wesen der Flucht. „Ja, viele sind gut angekommen in unserer Gesellschaft“, so das Fazit der Asylsozialberaterinnen. Zu den größten Herausforderungen zähle jedoch jetzt, die Menschen mit Bleiberecht in Wohnungen zu bringen. Die Lage auf dem Wohnungsmarkt sei für alle in der Region gleichermaßen dramatisch: Bezahlbarer Wohnraum ist Mangelware. Das bedeute für viele, sich von Kolbermoor aus wieder auf den Weg zu machen, um sich eine neue Bleibe zu suchen.

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