Kolbermoor – Eingeladen hatte ihn die Kolbermoorer Aktionsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (afa) in der evangelischen Kirche. Maget sprach frei und konnte die zahlreichen Zuhörer mit seinem umfangreichen Wissen über Land, Menschen und Politik begeistern, als er von seinem zweieinhalbjährigen Aufenthalt, vorrangig in Tunesien, berichtete. Als Sozialreferent war er für den Auf- und Ausbau der Zivilgesellschaft, den Kontakten zu Arbeitgebern und Gewerkschaften in den Ländern Tunesien, Libyen und Ägypten zuständig.
Magets Lebensmittelpunkt war Tunis. Für das Auswärtige Amt in Deutschland verfasste er zweimal wöchentlich Erfahrungsberichte über die aktuelle politische und wirtschaftliche Situation im Land. Die Eingewöhnungszeit für ihn und seine Frau Dorle sei anfangs schwierig gewesen, räumte er ein, doch die Liebenswürdigkeit der tunesischen Bevölkerung habe beiden die Eingewöhnung erleichtert.
Nach seiner Meinung sei Tunesien im nordafrikanischen und panarabischen Vergleich ein echtes Musterland nach westlichem Maßstab. Mit elf Millionen Einwohnern eher klein und mit 99 Prozent sunnitischer Bevölkerung, gäbe es kaum nennenswerte religiöse Konflikte. Auch in Sachen Frauenrechte sei das Land ein echter Vorreiter in der arabischen Welt. Frauen in gehobener gesellschaftlicher Stellung wie die Arbeitgeberpräsidentin seien selbstverständlich. Frauen mit Gesichtsschleier seien in Tunesien kaum anzutreffen. Maget erklärte, dass die Mehrheit der Tunesier Europa zugewandt sei. Als großes Problem bezeichnete er die hohe Arbeitslosigkeit, auch von Akademikern, unter der männlichen Bevölkerung. Deshalb unterstütze er die Intensivierung wirtschaftlicher Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Tunesien.
Im direkten Kontrast zu Tunesien stehe Libyen, erläuterte Maget weiter: Der Staat, über den vor einiger Zeit der Diktator Gaddafi mit eiserner Hand regierte, werde jetzt von rivalisierenden Warlords kontrolliert. Am komplexesten und gefährlichsten sei für ihn jedoch die Situation in Ägypten: Wasserknappheit (95 Prozent der Bevölkerung leben im Nildelta) und rasant wachsende Bevölkerungszahlen machten den Staat unter der Militärherrschaft zu einem potenziellen Konfliktherd, der nicht unterschätzt werden dürfe.
Nach seiner Meinung sei „der Westen“ im nordafrikanischen Raum wenig gelitten – Ausnahme hier in Tunesien. Noch heute wirke die willkürliche Aufteilung in Staatsgrenzen nach dem Ersten Weltkrieg durch Briten, Franzosen und Amerikaner nach. Maget bedauerte, dass bis in die heutige Zeit westliche Demokratien zweifelhafte Regierungen im Norden Afrikas unterstützten, wenn diese Stabilität und wirtschaftliche Interessen des Westens versprächen.
Am Ende der spannenden Veranstaltung empfahl Franz Maget, Tunesien als sicheres Urlaubsland wieder fest einzuplanen, um Land und Leute kennenzulernen und die dortigen Menschen mit Devisen zu unterstützen. al