Kolbermoor – Schon zu Beginn der Feierlichkeit hatten sich zahlreiche Vertreter der Ortsvereine, der Bruder- und Patenvereine sowie der Freunde der Immergrünen in der Rosenheimer Straße eingefunden. Angeführt von der Blaskapelle „Am Wasen“ und dem Trommlerzug Kolbermoor bewegte sich der lange Zug zum Kriegerdenkmal zur Totenehrung. „Zu einem großen Festtag gehört es dazu, derer zu gedenken, die euch Trachtlern vorausgegangen sind“, so Stadtpfarrer Maurus Scheurenbrand im Ehrenhain am alten Friedhof. Vorstand Christian Staudinger legte im Namen des Vereines einen Kranz für alle verstorbenen, gefallenen und vermissten Vereinsmitglieder nieder.
Dann ging es zurück auf den alten Rathausplatz, wo die Blaskapelle die Zeit bis zum Kirchgang mit einem kleinen Standkonzert überbrückte, sehr zur Freude auch der zahlreichen Schaulustigen.
Beim Festgottesdienst in der voll besetzten Kirche Heilige Dreifaltigkeit zeigte sich Pfarrer Scheurenbrand erneut angetan über das eindrucksvolle Bild, das die vielen Trachtler sowie die Fahnenabordnungen im Altarraum darstellten, und schlug ausgehend vom Evangelientext in seiner Predigt den Bogen von den ersten Christen zur heutigen, christlichen Trachtengemeinschaft: „Es geht nicht um Symbole, sondern darum, woran man uns Christen, euch christliche Trachtler erkennen soll.“ Der Gottesdienst wurde musikalisch vom Männerchor der Lyra Lohholz unter der Leitung von Susanne Sedlbauer mit der „Bauernmesse“ von Annette Thoma gestaltet.
Dann führte ein kleiner Festzug zum Mareissaal, der für den Festabend bereits aufwendig dekoriert und hergerichtet worden war. Vorstand Christian Staudinger begrüßte alle Festteilnehmer im Saal, unter ihnen Ehrenvorstand Ludwig Kalhammer sowie die Ehrenmitglieder des Vereins, und erinnerte zu Beginn in einer kleinen Einleitung an den Geist derjenigen Männer, die den Verein Ende des 19. Jahrhunderts aus der Taufe gehoben hatten.
Bürgermeister Peter Kloo, selbst langjähriges Mitglied des Trachtenvereins, griff in seinem Grußwort noch einmal die Predigt in der Kirche auf und betonte, dass der Trachtenverein über lange Zeit für Werte wie Gemeinschaft und Zusammenhalt, aber auch Erhalten und Gestalten der Ortsgemeinschaft eingestanden sei. Das Stadtoberhaupt beleuchtete die Vereinsgeschichte besonders im Bezug auf die nur wenige Jahre längere Geschichte Kolbermoors, für dessen Entwicklung die Immergrünen durch ihre Schäfflertänze, durch Theaterspiel und Volkstanz wesentliche Beiträge geleistet hätten.
Der Vorstand des Gauverbandes I, Peter Eicher, gratulierte dem achtältesten der 117 angeschlossenen Vereine und dankte für seine treue Unterstützung der Gaufamilie. Er würdigte besonders die unermüdliche Arbeit der Vereinsvorstände in 125 Jahren und nannte exemplarisch für diese Peter Kloo senior, der in einer wechselhaften Zeit 27 Jahre lang dem Verein und 20 Jahre lang dem Gaugebiet vorgestanden hatte. Eicher dankte auch besonders den Jugendleitern für ihren großen Einsatz und gab seiner Hoffnung Ausdruck, nach insgesamt drei Ausrichtungen in der Vereinsgeschichte das große Gaufest bald wieder nach Kolbermoor vergeben zu können. Abschließend rief der Gauvorstand alle dazu auf, die Werte der Trachtengemeinschaft trotz aller Widerstände hoch zu halten und weiter zu geben.
Dass diese Worte in Kolbermoor auf fruchtbaren Boden fallen, zeigte das folgende Programm des Abends. Insbesondere die aktiven Gruppen des Festvereins sorgten mit ihren Darbietungen für eine Vielzahl an Höhepunkten, angefangen bereits bei den Kleinsten in der Kindergruppe, die die Gäste mit dem Auftanz im Saal willkommen hießen. Die vereinseigene Stubnmusi unter Leitung von Julia Redl sorgte gemeinsam mit der Blaskapelle „Am Wasen“ für die musikalische Untermalung des Programms, durch das Jürgen Halder mit Gedichten und Geschichten aus 125 Jahren führte. Er stellte zudem die verschiedenen Gruppierungen im Verein, beispielsweise die Goaßl-schnalzer und den Trommlerzug, vor. Zwischen den Darbietungen schilderte er den Werdegang derjenigen, die den Verein ursprünglich als Schäfflertanzvereinigung nach Münchner Vorbild – ausgestattet mit einer Erlaubnis des Prinzregenten Luitpold – begründet hatten. Schnell erweiterte man sich um Theaterspiel und Volkstanz, um die Zeit zwischen den Schäfflerjahren zu füllen und gründete sich schließlich offiziell als „Dramatischer Club Immergrün“. Die aufkommende Trachtenbewegung erfasste auch die Immergrünen, sodass der Verein zunächst parallel, ab der Weihe der ersten Vereinsfahne im Jahr 1908 dann ausschließlich und bis heute zum Gebirgstrachtenerhaltungsverein „Immergrün“ Kolbermoor wurde. Pate gestanden hatte vor 110 Jahren der Verein Almarausch-Stamm München, der diese Patenschaft bis heute aufrecht erhält und mit einer Abordnung um Vorstand Peter Ludwig nach Kolbermoor gekommen war. Auch die anderen beiden Patenvereine, die Hohenwaldecker München und die Neuburgler Vagen, waren stark vertreten. Eine ganz besondere Gabe hatten sich die Vagener einfallen lassen, die kurzerhand den „Waldheimer Viergesang“ mitgebracht hatten, der das Programm mit frischen Frühjahrs- und Heimatliedern bereicherte. Christian Eisner an der Zither begleitete sowohl die Sänger als auch die Männer der Lyra Lohholz beim Festgottesdienst.
Auch der Bruderverein „D`Mangfalltaler“ Kolbermoor ließ es sich nicht nehmen, mit einer großen Abordnung zu erscheinen und den „Geschwistern“ mit dem Kronentanz die Ehre zu geben. Vorständin Monika Singhammer übergab gemeinsam mit ihrem Stellvertreter Christian Loy ein Geschenk für die Kleiderkammer und betonte das gute Verhältnis, das in heutiger Zeit zwischen den beiden Ortsvereinen herrscht. Staudinger schloss sich diesen Worten an und nannte insbesondere das gemeinsam betriebene Trachtenheim als Frucht dieser Zusammenarbeit.
Dass auch die Jugend der Immergrünen hervorragend aufgestellt ist, zeigte sich im Anschluss bei deren Aufführungen. Das „Mühlradl“ sowie der „Laubentanz“ ernteten großen Applaus im Publikum für die akkurate Darbietung. Den unumstrittenen Höhepunkt bildete schließlich der Auftritt der Aktivengruppe. „Unser Tanz“, ein vor zwei Jahren eigens erdachter Tanz mit verschiedenen, anspruchsvollen Elementen sorgte für eine ganz persönliche Note, ehe mit dem „Sterntanz“ eine der kompliziertesten, aber auch eindrucksvollsten Choreografien folgte. Besonders großer Beifall erhob sich, als die Aktiven zum Ende der Darbietung scheinbar ohne Anstrengung mit ihren geschmückten Bögen den großen Stern bildeten. Mit einem schneidigen Marschplattler aller Trachtler ging das offizielle Programm des Festaktes zu Ende, der von Anfang bis Ende ein glanzvolles Bild eines aktiven Vereines in einer ebenso rührigen Ortsgemeinschaft gezeigt hatte.