Kolbermoor – Mit einem fundierten Zahlenwerk informierte Peter Kloo zu Anbeginn die zahlreich erschienenen „Senioren“ aus Kolbermoor. Er sei überrascht gewesen, als er den demografischen Wandel der Altersstrukturen gesehen habe. „Von 2009 bis heute haben wir ein Plus von 3,1 Prozent an Ü-60-Jährigen. Hier sind wir als Kommune stark gefordert, darauf müssen wir reagieren.“ Die Stadt habe schon einiges in die Wege geleitet: mit der Modernisierung des städtischen Mehrfamilienhauses am Glasberg etwa, wo man mit der barrierefreien Erschließung des Gebäudes vom Keller bis zum Obergeschoss durch den neuen Außenaufzug das Augenmerk auf das „altersgerechte Wohnen“ gelegt habe. Im Erdgeschoss seien zudem barrierefreie Wohnungen entstanden. „Das Wohnen zu Hause, weiteres barrierefreies Wohnen und der bezahlbare Wohnraum werden uns hier in Kolbermoor weiter beschäftigen,“ so Kloo. Auf die veränderte Altersstruktur habe man auch schon reagiert: „Wir bauen vermehrt in die Höhe, nur so können wir bezahlbaren Wohnraum, auch in Hinsicht auf die wirtschaftlichen Faktoren umsetzen.“ Angesprochen wurde auch noch das betreute Wohnen für den kleinen Geldbeutel. Hier sei die Verwaltung bereits auf der Suche nach einem sozialen Bauträger, der das wirtschaftliche Risiko eingeht.
Hilfe für ältere Menschen kommt auch aus dem Landratsamt, wo Brigitte Neumeier, eine ausgebildete Wohnberaterin, ein Büro bezogen hat. Sie will sich vor Ort in den Wohnungen der Senioren um eventuelle Stolperstellen kümmern.
„Auch an noch sehr rüstige Senioren haben wir gedacht,“ so der Bürgermeister. Derzeit laufen Verhandlungen mit „Car-Sharing Rosenheim e.V.“. Hier ziehe man in Erwägung, so Kloo weiter, ein Auto zu kaufen, das viele benützen könnten. Dieser fahrbare Untersatz könnte im Parkhaus seinen Stellplatz finden und gegen Entgelt für kurze Fahrten gemietet werden. So könne man auch ohne eigenes Auto beweglich bleiben. Bei der Bücherei mit ihren 2500 Nutzern mache man, so zeige es die Statistik, vermutlich etwas falsch: „Bei den 71- bis Ü80-Jährigen reißen die Einträge ab – was können wir verbessern,“ fragte der Bürgermeister. „Haben wir nicht das richtige Lesematerial?“
Ein großes Angebot halte das Bürgerhaus Mangfalltreff bereit: Da gibt es gesellige Treffen in der Cafeteria, 14-tägig am Mittwoch die Nadelwerkstatt zum Häkeln, Sticken oder Stricken, die Backbegeisterten treffen sich jeden ersten Dienstag des Monats, dann gibt es ein „Brotzeitln“, einen regelmäßigen Kochtreff und ein Angebot zum gemeinsamen Frühstück. Auch „Yoga für Senioren“ steht auf dem Programm. Wer Freude an Spiel und Geselligkeit hat, sei beim Seniorenschafkopf richtig: Sepp Rammedinger organisiert seit 2017 von Oktober bis März regelmäßig Senioren-Schafkopfturniere.
Abschließend forderte Peter Kloo die Zuhörer im Mareissaal auf, die breit gefächerten Angebote zu nutzen, sich aber auch selber einzubringen in eine „Stadt voller Leben“.
Dann hieß es „Start frei“ für die Fragerunde. Jochen Mateka meldete sich dabei lobend zu Wort: „Man kann hier in der Stadt sehr gut leben. Die Ehrenamtlichen haben das richtige Ohr dafür und bündeln die Interessen, sie machen alle eine sehr gute Arbeit.“ Einziger Kritikpunkt, den dann auch zahlreiche Zuhörer aufgriffen, war ein „Nachtbus, den es leider nicht gibt“. So würden Senioren bei Abendveranstaltungen der Musikschule oder zum Bürgerfest etwas „stiefmütterlich“ behandelt. Sie kämen nicht zu den Veranstaltungen, geschweige denn wieder nach Hause. Der Bürgermeister konnte hier gleich einhaken und für das Bürgerfest einen Hol- und Bringservice versprechen.
Auch die Radlwege waren ein Kernthema. Holpriger Mangfalldamm, starke Absenkungen oder „Sprungschanzen“ auf eigentlich gerader Strecke – oft würden die Radlfahrer einfach durchgeschüttelt. Auch hier sagte Peter Kloo eine Verbesserung zu. Eine Delegation aus dem Rathaus sei in den letzten Tagen die Radwege abgefahren und habe sich so die eine oder andere „Stolperstelle“ notiert.
Kritisiert wurde auch das rasante Ausfahren mancher Autofahrer aus dem Parkhaus. „Da wennst ned aufpasst, bist unter de Radl`n,“ so eine Bürgerin. Auch die Parksituation im Wohnbereich kam zur Sprache: „Kann es denn angehen, dass die Autos entlang der Straße zuhauf abgestellt werden müssen?“ Teils habe man große Probleme, aus der eigenen Garage oder dem Stellplatz zu fahren, berichtete eine besorgte Bürgerin. Andererseits, so eine weitere Bürgerin, gebe es auch viel Hilfsbereitschaft. „In meiner Siedlung stehen mir gleich vier Autos, respektive Autobesitzer zur Verfügung, die mir immer wieder anbieten, mich zum Einkaufen oder zu Terminen zu bringen.“
Bürgermeister Kloo beendeten die anregende Seniorenbürgerversammlung im Mareissaal mit dem Satz; „Es ist nicht leicht, alt zu werden; alt werden ist nichts für Feiglinge“.