Kolbermoor – Abfahrt 10.31 Uhr steht auf dem Fahrplan. Auf die Minute hält der grüne Midibus. Busfahrer Bernhard Huber öffnet die Tür – mit einem strahlenden Lächeln. „Nur herein“, sagt er gewinnend. Noch ist der Bus leer, doch schon an der Haltestelle „Alte Spinnerei“ winkt eine Gruppe älterer Damen und steigt unter großem Hallo in den Bus. Ja, gerne würden sie den Stadtbus nutzen, bestätigt die lustige Runde. Früher habe man die Einkäufe mit dem Radl bewältigt, mit dem Bus sei es jetzt doch bequemer – und „familiärer“.
Nachbarinnen sind es, die jetzt gemeinsam hinauf zur Siedlung fahren. Mit dem Bus unterwegs sein verbindet, da sind sie sich einig. In der Siedlung treffe man sich selten, dafür aber im Bus – und schon beginnt das Gespräch. Ein Buch könne er schreiben, so viel habe er schon erlebt auf Linie, so Busfahrer Huber lachend. Auf die Frage „Was denn?“ wird es unter Gelächter der Seniorinnen kurzzeitig sogar ein bisschen frivol in dem grünen Gefährt. „Nein, ein Kind ist im Bus noch nicht auf die Welt gekommen“, meint Huber scherzend. Er kennt „seine“ Mitfahrer und erfüllt seine Aufgabe mit Hingabe. Seit vier Jahren ist er im Stadtbus im Einsatz. Er, der früher als Busfahrer auch weite Reisen unternahm, habe kein Problem damit, jetzt mit Tempo 30 durch Kolbermoor zu fahren. Wer ihm zuhört, versteht schnell, dass der Stadtbus mehr ist als nur eine sehr günstige Möglichkeit innerorts von A nach B zu kommen, der Bus verbindet Menschen. Man kümmere und sorge sich manchmal sogar um die Mitfahrer, wenn etwa eine Stammkundschaft mehrere Tage nicht wie gewohnt erscheint, frage er schon mal nach, ob was passiert sei.
„Genau so soll es sein“, meint Koordinatorin Karin Wallisch von der Stadt Kolbermoor. Sie ist unter anderem zuständig für die Lenkplanerstellung und die Ruhezeiten der Fahrer. Vier Stamm- und zwei Ersatzfahrer sind im Team. Wer einen Stadtbus fährt, sei für die vielen Stammkunden schon etwas wie ein Betreuer.
Hilfsbereitschaft und Höflichkeit gehörten absolut zum Profil der Busfahrer. Eigenschaften, die etwa die 79-jährige Maria Drexl zu schätzen weiß. Dreimal in der Woche fährt sie mit dem Bus in die Stadtmitte, „gerne mit dem Bernhard“, gesteht sie. „Du musst doch zum Lotto spielen“, sagt der schmunzelnd. Diese Zuwendung kennen inzwischen nicht Wenige an, wie Karin Wallisch bestätigt. Sie fungiert in der Stadtverwaltung auch als „offenes Ohr“ für Bürgeranfragen in Sachen Stadtbus. Grundsätzlich hielten sich Beschwerden in Grenzen, führt sie aus. Man sei für jede Anregung offen. „Ich kann alle nur ermuntern, den Stadtbus zu nutzen“, sagt sie. Wie berichtet, läuft der Kolbermoorer Stadtbus im Probebetrieb bis 2020 – und letztlich würden auch die Fahrgastzahlen die Entscheidung, ob er weiterbetrieben wird, beeinflussen.
Zurück zur Fahrt durch die Stadt. Am sogenannten Rendevouz-Punkt an der Mangfallschule – hier treffen sich die Busse für die Nord- und Südlinie – ist Endstation. Für dieses Mal. Busfahrer Huber begrüßt erneut eine hochbetagte Stammkundin. Auch sie ist vom Stadtbus begeistert. „Mit dem Radl ist es für mich jetzt einfach zu schwierig!“, gesteht sie. Der Busfahrer lächelt sie an. „Fahr mit mir, ist sicherer!“ Da ist er wieder, der Herzenston, der aus der Stadtbuslinie wirklich eine Herzenslinie macht, die Kolbermoorer verbindet.