Vor genau fünf Jahren wurde Kolbermoor vom Hochwasser schwer getroffen

An der Katastrophe nur knapp vorbei

von Redaktion

Rund 1800 Personen sind in Kolbermoor von dem Jahrhunderthochwasser betroffen, das die Stadt vor genau fünf Jahren heimsuchte: vor allem in dem Areal Carl-Jordan-Straße, Untere Mangfallstraße, Brünnstein- und Kranzhornstraße, ebenso an der von-Bippen-Straße. Rund 200 Gebäude sind schwer beschädigt, stehen teilweise bis zum Erdgeschoss unter Wasser. Die Heizung ist kaputt, der Strom weg. Die Hilfe läuft an.

Kolbermoor – Rund 1350 Einsatzkräfte hatten, so Richard Schrank, damals Einsatzleiter und Kommandant der Feuerwehr Kolbermoor, bis zur Erschöpfung gearbeitet (wir berichteten). Erst am Montag, 3. Juni, beruhigte sich die Lage allmählich.

Neben den privaten Häusern hat das Wasser auch den Keller der evangelischen Kreuzkirchengemeinde geflutet, das Souterrain des Bürgerhauses Mangfalltreff, den Bürgertreff und die Tafel. Hier muss sogar einmal die Lebensmittelausgabe ausfallen, weil auch die Kühlgeräte betroffen sind. Die Flutopfer schleppen Sperrmüll aller Art aus ihren Kellern. Manche haben nicht einmal eine Versicherung, die ihren Schaden übernehmen würde.

In einer Live-Sendung des Bayerischen Fernsehens aus dem Brückenwirt fordert Bürgermeister Peter Kloo, der selber die ganze Zeit mit im Einsatz gewesen war, rasche Hilfe von der Bayerischen Staatsregierung. Deren Vertreter – Ministerpräsident Hort Seehofer, Umweltminister Marcel Huber und Wirtschaftsminister Martin Zeil – hatten sich in Kolbermoor sogar selber ein Bild der Lage gemacht. Die erste Hilfszusage: Jeder Betroffene bekommt unbürokratisch 1500 Euro ausbezahlt (in Kolbermoor summiert sich diese Hilfe auf über eine Million Euro).

Sparkassen und Genossenschaftsbanken bieten zinslose Kredite. Der Sperrmüll wird kostenlos weggeschafft (was einige Zeitgenossen freilich auch dazu nutzen, den eigenen Krempel dazu zu stellen…) Firmen wie Krones, die selber betroffen waren, spenden großzügig. Auch die Leser der OVB-Heimatzeitungen machen ihre Geldbeutel für die rasch ins Leben gerufene Aktion „Fluthilfe“ weit auf. Firmen spenden Bekleidung und Matratzen. Eine private Helferin sammelt Sachspenden wie Möbel, die schließlich drei Hallen im Conradty-Gelände füllen. Es gibt Open- Air-Konzerte zugunsten der Flutopfer, und auch der Erlös des nächsten Kolbermoorer Orgelmittwochs kommt ihnen zugute. Der überschwemmte Petö-Kindergarten in Oberwöhr findet Unterschlupf im Kindergarten Heilige Dreifaltigkeit.

Am 26. Juni gibt es eine Infoveranstaltung zum Hochwasserschutz zusammen mit dem Wasserwirtschaftsamt im Mareissaal. Amtsleiter Paul Geisenhofer steht vor über 400 Kolbermoorern vor der Aufgabe zu erklären, wie es denn mit dem Hochwasserschutz in Kolbermoor aussehe, an dem ja seit Jahren geplant und gearbeitet wurde. Tatsächlich hatte man 2005 mit der Erhöhung des Deiches im Bereich Spinnereiwehr bis zur Zugspitzstraße begonnen. Im zweiten Bauabschnitt wurde der Deich in der Aiblinger Au südlich der Mangfall bis zur Staatsstraße zurückverlegt und auch die Mündung des Kaltenbrunnbaches wurde verlegt, was einen zusätzlichen Retentionsraum von 120000 Kubikmetern gebracht hatte. Dann, bevor die nächsten Bauabschnitte angepackt wurden, kam allerdings das Pfingsthochwasser 2013. Das Wasserwirtschaftsamt konnte nur um Verständnis werben, dass die Planungs- und Genehmigungsverfahren stets zeitaufwendig seien.

Angesichts der Angst vor einem nächsten Hochwasser greift man aber zu Sofortmaßnahmen: Man beginnt mit der Rodung des Baumbestands am Mangfallufer ab der Spinnerei flussabwärts. Rund 150 Großbäume werden entfernt, da man fürchtet, sie würden den Abflussquerschnitt einschränken und könnten, bei einer Entwurzelung durch reißendes Hochwasser, Löcher in den Deich reißen. Mitte August rollen schließlich die Baumaschinen an, um die Deiche auf beiden Seiten mit Spundwänden zu verstärken. Eigentlich waren Betonwände geplant gewesen – aber diese Lösung ging schneller.

Seit dem Hochwasser 2013 wurden, so bilanziert Paul Geisenhofer heute, rund 9,3 Millionen Euro für den Hochwasserschutz in Kolbermoor „verbaut“. Es handele sich im wesentlichen um den gesamten Altstadtbereich auf beiden Ufern, den Anschlussdeich am rechten Ufer zur Stadt Rosenheim und zuletzt um die Maßnahmen am linken Ufer im Bereich des Alten Friedhofs. Offen ist jetzt noch der Bauabschnitt 6 (Willinger Au, Pullach), der noch heuer begonnen wird. Hier ist eine Deichrückverlegung im Bereich der Mündung des Willinger Mühlbachs bis zur Aiblinger Brücke mit Binnenentwässerung geplant.

Dann wäre alles bereit auch für ein 100-jährliches Hochwasser – wobei sich diesen Ernstfall ganz bestimmt kein Kolbermoorer wünscht…

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